Achtung, giftig für Menschen!

Eichenprozessionsspinner: Wo die gefährliche Raupe jetzt lauert

 Raupe des Eichenprozessionsspinners, die auf einem grünen Blatt kriecht. Diese Raupe ist durch ihre charakteristischen langen Haare und die auffälligen blauen und orangefarbenen Streifen entlang ihres Körpers leicht erkennbar.
© Getty Images/Orlando Mouchel
Fast flauschig sehen die Härchen des Eichenprozessionsspinners aus. Sie können aber gefährlich werden und schwere Allergien auslösen.

Eichenprozessionsspinner können im Frühsommer zu Hunderten aus Baumkronen herabfallen. Das kann gefährlich werden, denn die Härchen der Raupe besitzen kleine Widerhaken, die sich auf der Haut festsetzen. Eine starke allergische Reaktion ist möglich. 

Im Sommer fühlt sich auch der Eichenprozessionsspinner wohl. Bevor die kleine Raupe zum harmlosen Nachtfalter mutiert, kann sie mit ihren Brennhaaren für Menschen sehr unangenehm und sogar zur Gesundheitsgefahr werden. Nach einer Berührung sind stark juckende Hautausschläge möglich, aber auch schwere allergische Reaktionen für Augen und Atemwege. Worauf du achten solltest, erfährst du hier.

Eichenprozessionsspinner: Warum er zur echten Gefahr wird

Eichenprozessionsspinner: Gesundheitsgefahr durch die Raupe

Kammerjäger*innen kämpfen jedes Jahr um die Eindämmung dieses Schädlings. Früher war eine Bekämpfung nicht nötig, der Eichenprozessionsspinner galt als nahezu ausgestorben. Doch seit 1995 tritt der Schädling in immer größeren Arealen auf,
Tendenz steigend. Und das Schlimmste: Je wärmer der Frühling, umso stärker die Vermehrung dieser Insekten. Einmal mehr eine Folge des Klimwandels...

Eichenprozessionsspinner mögen lichte Eichenwälder, Bestandsränder, Einzelbäume und Siedlungen in warmtrocknen Regionen. Doch sie sitzen nicht nur in Bäumen, sondern verbreiten sich auch über den Wind. Schulen und Kitas in der Nähe befallener Gebiete müssen deshalb immer wieder gesperrt werden.

Immer umfangreichere Maßnahmen zur Bekämpfung

Durch Absaugen und Verbrennung können Gefahrenzonen entschärft werden. Dies gilt jedoch nicht für Privatgrundstücke: Hier sind die Besitzer*innen selbst verantwortlich.

Das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen hat schon vor einiger Zeit einen Leitfaden zu den effektivsten Methoden im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner veröffentlicht. Dazu gehört eine Kombination aus Absammeln, Absaugen und dem Einsatz von Pestiziden. Mehrere Kommunen hatten daraufhin ein Biozid versprüht. Dieses nehmen die Raupen über ihre Nahrung auf. Diese großflächige Maßnahme wurde aber unter anderem vom Umweltverband BUND moniert, da dadurch auch andere Schmetterlinge getötet würden.

Die Raupen des ursprünglich aus der Mittelmeerregion stammenden Eichenprozessionsspinners bevölkern in Nestern, die von Weitem wie Zuckerwatte aussehen, ganze Baumgruppen, finden sich aber auf Schulhöfen, in Schwimmbädern und auf Sportplätzen. Besonders gefährdet sind demnach Menschen, die in Wäldern spazieren gehen oder Nester unwissentlich berühren.

Seine Gifthärchen machen den Eichenprozessionsspinner gefährlich

Die Raupen schlüpfen Anfang Mai und ernähren sich von Eichenblättern. Für den Menschen sind die toxischen Brennhaare gefährlich, die die Larven im Juni ausbilden. Die Härchen der Raupen sind 0,1 bis 0,3 Millimeter groß und setzen sich mit kleinen Widerhaken leicht in der Haut fest. Wenn die menschliche Haut mit dem darin enthaltenen Eiweiß- oder Nesselgift Thaumetopoein in Berührung kommt, kann das zu schweren allergischen Reaktionen und zu Raupendermatitis führen. Symptome sind starker Juckreiz, Brennen, Quaddeln und starke Schwellungen. Beim Einatmen der Haare kommt es zu Reizungen der Schleimhäute und Bronchitis.

 Warnschild im Freien mit der Aufschrift "Eichen-Prozessionsspinner Allergiegefahr". Das Schild hat eine rote Dreiecksform mit einem Ausrufezeichen und befindet sich vor einem Hintergrund mit Bäumen. | © imago/Niehoff
Foto: imago/Niehoff
Weite Gebiete müssen aufgrund des Befalls durch den Eichenprozessionsspinner gekennzeichnet werden.

Sofortige Maßnahmen bei Härchenbefall durch Eichenprozessionsspinner

Wer doch ein Raupenhaar an seiner Kleidung oder Haut hat, sollte, noch bevor die Symptome spürbar werden, die Kleidung sofort wechseln und von Kopf bis Fuß duschen. Wenn bereits Hautpartien betroffen sind, sind Wasser und Seife die beste Reinigung, anschließend sollte die Haut gefönt werden, damit mögliche überbleibende Härchen durch das Abtrocknen nicht eingerieben werden. Bei Juckreiz und Schwellungen kann eine kalte Kompresse die Beschwerden lindern.

Unerträglicher Juckreiz der Haut

Die vom Eichenprozessionsspinner ausgelöste Kontaktallergie führt zu unerträglichem Juckreiz und quaddelbildenden Exzemen. Diese lassen sich mit von der Dermatologin bzw. vom Dermatologen verschriebenen kortisonhaltigen Cremes lindern.

Tränende und gerötete Augen – bloß nicht reiben!

Wenn das Auge in Kontakt mit den Härchen des Eichenprozessionsspinners kommt, reagiert es mit Rötungen der Bindehaut, Lichtscheuheit und sogar Schwellungen. Der Tipp der Augenärztinnen und -ärzte: Auf gar keinen Fall reiben, damit die Härchen die Hornhaut nicht durchbohren und eine Hornhautentzündung hervorrufen. Idealerweise schwemmt die Tränenflüssigkeit das Haar heraus. Ansonsten muss sofort eine Augenärztin oder Augenarzt aufgesucht werden.

Eichenprozessionsspinner gefährdet die Atemwege

Die Gifthärchen des Eichenprozessionsspinners können aber auch in die Atemwege gelangen und dort Entzündungen verursachen. Ähnlich einer Bronchitis, einer Rachen- oder einer Kehlkopfentzündung leiden die Atemwege erheblich. Asthmatiker*innen sind besonders gefährdet, da die Raupenhaare Anfälle auslösen können. In beiden Fällen helfen Kortisonsprays und Antihistaminika. Besonders dramatisch: Aufgrund der Sensibilisierung des Immunsystems werden allergische Reaktionen nach jedem Kontakt schlimmer. In seltenen Fällen reagieren Betroffene mit Schwindel, Übelkeit, Fieber oder einem anaphylaktischen Schock mit Kreislaufversagen.

Wer denkt, dass mit der Verpuppung der giftbehaarten Raupen die Gefahr gebannt ist, irrt. Die Härchen bleiben bis zu zehn Jahre in den Bäumen hängen. Auch Haustiere solltest du aus betroffenen Regionen fernhalten, sie können die giftigen Raupenhaare nämlich auf ihrem Fell mit nach Hause nehmen und ihre Besitzer krank machen.

Eine weitere Raupe, die uns das Leben schwer macht, ist der  Buchsbaumzünsler. Ist dein Buchsbaum erst einmal vom Zünsler befallen, darfst du DAS nicht damit machen.

Quellen:
eigene Recherche, t-online.de, tag.24, umweltbundesamt.de
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