Aktualisiert: 08.09.2020 - 18:59

Regelmäßiger Stuhlgang Wenn's drückt: Wie oft auf's Klo gehen ist eigentlich normal?

Wie oft Darm entleeren ist eigentlich normal? Und was bedeutet es, wenn Konsistenz und Farbe abweichen? Der Darm sagt viel über unsere Gesundheit aus!

Foto: iStock.com/milorad kravic

Wie oft Darm entleeren ist eigentlich normal? Und was bedeutet es, wenn Konsistenz und Farbe abweichen? Der Darm sagt viel über unsere Gesundheit aus!

Der Mensch fühlt sich nur wohl, wenn der Darm in Ordnung ist. Regelmäßiger und angenehmer Stuhlgang gehört dazu. Doch was ist da eigentlich normal – und wann sollte man sich Sorgen machen?

Manchmal klemmt's, ein anderes Mal prescht es nur so heraus und einen Tag später flutscht's so richtig schön: Der Gang auf die Toilette kann angenehm verlaufen, oder gar so, dass man sich eine Betäubungsspritze für Elefanten herbeiwünscht. Aber wie lang sollte so eine Sitzung sein und wie regelmäßig sollte der Stuhlgang erfolgen? Und wann ist der Gang zum Arzt dann doch sinnvoller?

Regelmäßiger Stuhlgang: Was ist normal?

Wer Nahrung zu sich nimmt, muss die Überreste, die der Körper nicht verwertet, irgendwann auch wieder ausscheiden. Ein ganz normales Vorgehen, das jeder von uns kennt. Wie regelmäßig der Darm entleert wird, ist aber individuell unterschiedlich. Kleinste Schwankungen in der Regelmäßigkeit aber können schnell zu Unbehagen führen.

Unser Stuhl setzt sich, ist er "gesund", zu 80 Prozent aus Wasser und zu 20 Prozent aus nicht verdauten Nahrungsresten, Bakterien, Darmsekreten sowie Galle-Farbstoffen zusammen. Der Kot eines gesunden, sich gut ernährenden und genügend Flüssigkeit trinkenden Menschen hat normalerweise eine braune Wurstform und gleitet geschmeidig aus dem After heraus. Im besten Falle passiert das regelmäßig. Unter Experten gelten dreimal pro Tag bis alle drei Tage als normal und nicht bedenkenswert.

Verstopfung, Durchfall oder "normal"?

Doch der Stuhl sowie die Regelmäßigkeit können sich auch verändern, und dafür gibt es viele verschiedene Ursachen, von denen auch noch so kleine den Verdauungstrakt ins Ungleichgewicht bringen können. Das Resultat reicht von Durchfall bis Verstopfung, von "alle paar Minuten" bis tagelang gar nicht. Panik muss also keine aufkommen, wenn man nicht jeden Tag "groß muss", und auch nicht, wenn man häufiger austreten muss, sofern die Konsistenz stimmt.

Von Verstopfung sprechen Mediziner, wenn der Stuhlgang seltener als dreimal pro Woche auftritt, über einen längeren Zeitraum, sowie wenn dabei Beschwerden auftreten oder der Darm nie vollständig entleert wird. Die Konsistenz ist dann meist sehr hart.

Bei Durchfall dagegen tritt der Stuhlgang mehrmals am Tag mit sehr flüssiger Konsistenz auf. Hier sollte bei Problemen, die länger als drei Tage anhalten, sowie sofort bei Anzeichen von Schwäche ärztliche Hilfe konsultiert werden! Achten Sie darauf, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und auf den Elektrolythaushalt zu achten.

Konsistenz: Bristol-Stuhlformen-Skala hilft

Es gibt also mehrere Anzeichen, die auf gesunden oder untypischen Stuhl hinweisen. Die Frequenz haben wir bereits besprochen. Doch auch Konsistenz und Form sowie die Farbe sagen viel aus.

Die Bristol-Stuhlformen-Skala dient als Hilfestellung zur Einordnung. Sieben verschiedene Stuhltypen werden dabei unterschieden:

  • Typ 1: Kleine, feste Kügelchen, meist schwer auszuscheiden und sehr trocken
  • Typ 2: Wurstförmig, aber sehr klumpig und trocken
  • Typ 3: Wurstförmig, rissige Oberfläche
  • Typ 4: Wurstförmig mit glatter Oberfläche
  • Typ 5: Weiche, leicht auszuscheidende, glatte Klümpchen
  • Typ 6: Weiche, unregelmäßige Klümpchen
  • Typ 7: Flüssig, keine festen Bestandteile

Die Skala reicht also von sehr trocken (Verstopfungsgefahr) bis hin zu sehr flüssig (Durchfall-artig). Wer unter den Typen 1-2 leidet, trinkt möglicherweise zu wenig. 2-3 Liter am Tag Flüssigkeit (Wasser, ungesüßte Kräutertees) sollten es schon sein. Auch ballaststoffreichere Nahrung kann helfen, den Stuhl "fluffiger" zu gestalten.

Die Typen 3-4, mit Abstrichen auch noch 5 gelten als ideal, hier ist in der Regel alles in Ordnung. Die Typen 6 und 7 wiederum weisen auf Durchfall hin, je höher, desto stärker.

Sollten die Typen 1,2 sowie 5-7 länger als drei Tage anhalten, sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen.

Für Durchfall können auch Salmonellen verantwortlich sein. Mehr Infos dazu sehen Sie im Video:

Salmonellen! Das sind die wichtigsten Symptome
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Es kommt auch auf die Farbe an

Doch nicht nur Konsistenz und Regelmäßigkeit des Kots zeigen an, ob es dem Körper gut geht. Auch die Farbe kann auf Unregelmäßigkeiten hinweisen. Vereinzelt auftretende Farbveränderungen hängen meist mit der Nahrung zusammen. So kann es etwa sein, dass kürzlich gegessene rote Bete den Stuhl rötlich färbt (wie bei Urin übrigens auch) oder kleinere gelbe oder rote Stückchen etwa auf unverdauten Mais oder Paprikahaut hindeuten. Aufpassen sollten Sie aber, wenn der Stuhl über längere Zeit merkwürdig gefärbt ist:

  • Hell- bis dunkelbraun: Alles in Ordnung, normale Stuhlfärbung
  • Schwarzbraun bis schwarz: Nehmen Sie derzeit Eisenpräparate zu sich? Dann könnte dies ein harmloser Grund sein. Falls nicht, sollten Sie aber einen Arzt aufsuchen, denn sehr dunkle Stuhlfarbe kann auf Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt, also in Speiseröhre, Magen oder Dünndarm, hinweisen. Treten dazu Bauchschmerzen und Erbrechen auf? Ab zum Arzt!
  • Rot: Können Sie Rote Bete oder andere färbende Nahrung ausschließen, könnte es sich um Blut im Stuhl handeln, das etwa aus dem Dickdarm oder dem After stammt. Auch dies ist ein Fall für einen sofortigen Arztbesuch!
  • Gelb: Manchmal sieht hellbrauner Stuhl gelblich aus. Bleibt er aber über längere Zeit gelb und glänzt dazu sowie weist eine schmierige Konsistenz auf, weist dies auf Fettstuhl hin. Ursachen können Probleme mit der Bauchspeicheldrüse sein, aber auch Gallensteine oder aber eine Glutenunverträglichkeit. Achten Sie auf Begleitsymptome und lassen Sie gelben, länger auftretenden Stuhl am besten untersuchen.
  • Weiß: Wird Fett nicht richtig verdaut, kann der Stuhl sogar weiß werden. In diesem Fall sollten Sie zügig zum Arzt gehen.
  • Grün: eine Grünfärbung rührt meist von färbenden Nahrungsmitteln, etwa Spinat. Leiden Sie aber zudem unter Durchfall, der grünlich schimmert, kann die Farbe auch auf eine Darminfektion hindeuten.

Bei anhaltenden Problemen: ab zum Arzt

Sollten Sie oben genannte Veränderungen regelmäßig bei sich beobachten, unter Durchfall oder Verstopfung leiden, vielleicht Probleme wie Bleistiftstuhl auftreten und Sie zusätzlich sogar unter Schmerzen oder andere Beschwerden leiden, zögern Sie bitte nicht, Ärztin oder Arzt aufzusuchen. Stuhlgang sollte kein Tabuthema sein – jeder von uns muss seinen Darm entleeren. Das wissen Ärzte mehr als alle anderen.

Möglicherweise steckt einfach eine falsche Ernährung hinter den Problemen mit der Verdauung, die Sie – gerne auch in ärztlicher Rücksprache – mit einer Ernährungsumstellung ausmerzen können. Oder aber Sie nehmen Medikamente ein, die die Verdauung beeinflussen. Auch hier lässt sich die Medikamentengabe möglicherweise anders einstellen, so dass die Probleme abnehmen. Vielleicht aber liegt auch eine Erkrankung zugrunde, die durch ärztliches Abklären erkannt und behandelt werden kann. Sie sehen also: Reden Sie über Ihren Stuhlgang, wenn er Ihnen Probleme bereitet. Es kann nur helfen.

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