17.01.2020

Viel Bewegung Schlaganfall vorbeugen: Geht das überhaupt?

Das A und O, um einem Schlaganfall vorzubeugen, ist ausreichend Bewegung! Es muss gar kein Hochleistungssport sein: Fahrradfahren oder zu Fuß gehen statt Autofahren ist schon eine prima Maßnahme!

Foto: iStock/DGLimages

Das A und O, um einem Schlaganfall vorzubeugen, ist ausreichend Bewegung! Es muss gar kein Hochleistungssport sein: Fahrradfahren oder zu Fuß gehen statt Autofahren ist schon eine prima Maßnahme!

Der Schlaganfall gehört noch immer zu den drei häufigsten Todesursachen in Deutschland. Doch was kann man tun, um sich vor dem Hirninfarkt zu schützen?

Mehr als 270.000 Fälle jährlich: Noch immer kosten Schlaganfälle zu viele Menschen in Deutschland das Leben. Und auch wer überlebt, muss mit schweren Gesundheitsfolgen und Einschränkungen leben. Aber viele Schlaganfälle lassen sich verhindern – das bestätigt erneut die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Die Schlüssel, um einem Schlaganfall vorzubeugen unter anderem: mehr Bewegung, gesündere Ernährung, nicht rauchen. Und regelmäßig durchchecken lassen.

Schlaganfall vorbeugen: Vor allem auf die Bewegung kommt es an

Das Problem in unserer heutigen Gesellschaft ist vor allem eines: Wir bewegen uns zu wenig, sind sehr bequem geworden. Laut "Global Burden of Disease Study", einer seit 1992 von der Welt-Gesundheits-Organisation ("World Health Organisation", WHO) in Zusammenarbeit mit der Weltbank und der Harvard Universität durchgeführten Studie liegt das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, weltweit bei 25 Prozent. Sprich: Statistisch gesehen ist jeder vierte betroffen! Das bedeutet aber auch, dass drei von vier Personen keinen Schlaganfall erleiden. Um diese Zahl weiter zu erhöhen, hilft es schon signifikant, ein paar Schritte am Tag mehr zu Fuß zu gehen. Und zwar in jungen Jahren bereits angefangen.

Natürlich, im Alter ist das mit dem Laufen oft nicht mehr so einfach. Doch es ist meist nur eine Frage der Gewöhnung. Wer früh beginnt, sich regelmäßig zu bewegen, bleibt auch später agiler. Und Bewegung schützt nicht nur vor Schlaganfall, wie Miriam Mashkoori, Präventionsexpertin der Deutschen Schlaganfall-Hilfe, erklärt: "Weil körperliche Aktivität nicht nur die Gefäße gesünder macht, sondern auch weitere Risikofaktoren für einen Schlaganfall wie Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen und Übergewicht reduziert."

Dabei betonen die Experten der Stiftung: Es muss kein Powertraining sein. "Wer 150 Minuten pro Woche moderaten Sport treibt, der macht schon sehr viel richtig. Das entspricht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO", sagt Mashkoori. Das heißt beispielsweise so viel wie an fünf Tagen in der Woche eine halbe Stunde walken – oder eben einfach zu Fuß gehen, wenn möglich gelegentlich das Auto stehen lassen oder als Bus- und Bahnfahrender auch mal eine Station früher aussteigen.

Unterstützend im Kampf gegen den Schlaganfall sind außerdem eine gesunde, ausgewogene Ernährung sowie der Verzicht aufs Rauchen. Alle drei Risikofaktoren sind Dinge, die man selbst ändern kann.

Schlaganfall ist oft eine Folge anderer Erkrankungen

Es ist also gar nicht so schwer, selbst etwas gegen das Risiko Schlaganfall zu tun. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Schlaganfälle eine Folge von Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Gefäßverkalkungen sind. "Denen können wir oft gut vorbeugen durch einen gesunden Lebensstil und regelmäßige Arztbesuche", erklärt Mashkoori.

Gerade Diabetes Typ 2 ist meist die Folge eines ungesunden Lebensstils mit wenig Bewegung. Dabei, schreibt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, seien 70 Prozent aller Schlaganfälle vermeidbar.

Natürlich gibt es auch nicht beeinflussbare Faktoren, die das Schlaganfall-Risiko erhöhen: etwa Vererbung oder das Alter. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Arteriosklerose sowie Vorhofflimmern, vor allem aber auch Übergewicht, Alkoholkonsum und das Rauchen sowie eben der Mangel an Bewegung sind aber Dinge, die sich ändern lassen. Auch Stress kann, so schwer es manchmal ist, aktiv vermieden werden. Das Gute: Wer sich ausreichend bewegt, hält den Blutdruck in vielen Fällen gering. Und wer sich dazu auch noch halbwegs gesund ernährt, kann seine Blutfett- und Blutzuckerwerte bändigen. Doch was heißt gesunde Ernährung eigentlich? Ausgewogen muss es sein. Bei einem individuellen Ernährungsplan können Ärzte und Ernährungsexperten unterstützen und Tipps geben, wie sich eine Ernährungsumstellung dann auch im Alltag umsetzen lässt.

Kurzfassung: Schlaganfall vorbeugen

  • viel bewegen (2,5 Stunden moderate sportliche Betätigung auf die Woche aufgeteilt)
  • gesund ernähren
  • Übergewicht abbauen
  • mit dem Rauchen aufhören
  • wenig bis gar keinen Alkohol trinken
  • Stress nach Möglichkeit vermeiden
  • Grunderkrankungen behandeln lassen
  • regelmäßig durchchecken lassen

Aber wie den inneren Schweinehund loswerden?

Laut Mashkoori ist es auch "nie zu spät für einen neuen Anfang, Bewegung verbessert auch im Alter noch die Gesundheit." Das ist allerdings nicht immer so einfach mit Sport und Fitness . Wer sich normalerweise wenig bewegt und gerne auch einmal schlemmt, weiß, wie schwer es ist, die Ernährung umzustellen und sich auch mal aufzuraffen – vor allem dann, wenn Bewegung trotz zuvor mangelnder Aktivität mit Schmerzen verbunden ist. Warum sollte ich mich bewegen, wenn's weh tut? Ganz einfach: Mit der Zeit werden die Muskeln stärker und tragen den Körper wieder besser.

Aller Anfang ist aber schwer, das weiß auch Prof. Dominik Michalski, Oberarzt der Schlaganfallspezialstation der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Leipzig (UKL), wenn er sagt: "Das Schlüsselwort heißt Bewegung". Er ergänzt: "Es braucht viel positive Motivation, um seinen Lebensstil zu ändern." Dem stimmt auch Miriam Mashkoori zu: "Wer es allein nicht schafft, sucht sich einen Partner, das motiviert und sorgt für Verbindlichkeit. Eine Alternative können Sportkurse sein, wie sie zum Beispiel viele Fitness-Studios für alle Altersklassen anbieten." Auch viele Krankenkassen bieten Kurse an, übernehmen teilweise Kosten.

Weitere Schlaganfälle verhindern – geht das?

Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn nicht richtig durchblutet, das kann verschiedenste Auslöser haben. Alle Schlaganfälle, betont auch Prof. Michalski, lassen sich leider auch mit Bewegung und Co nicht verhindern. Und auch wer mit den Folgen eines Schlaganfalles leben muss, wird es in den meisten Fällen schwer haben, trotz Einschränkungen Bewegung in den sowieso schon schweren Alltag einzubauen: "Trotz Verbesserungen in der so genannten Akuttherapie direkt nach dem Ereignis, durch die verschlossene Hirngefäße wieder eröffnet werden können, leiden viele Betroffene nach einem Schlaganfall an dauerhaften Einschränkungen in ihrem Alltag, wie beispielsweise Lähmungen oder Schwierigkeiten beim Sprechen", sagt Michalski.

Daher kommt es auch auf eine gute Nachsorge an: "Zusätzlich zur richtigen Medikation spielen dabei interessanterweise die gleichen Maßnahmen wie bei der Vorsorge eine entscheidende Rolle, also Bewegung, Ernährung und die optimale Einstellung von Risikofaktoren wie erhöhten Blutfetten", so Michalski. "Die Betroffenen müssten allerdings noch stärker auf die Umsetzung dieses Maßnahmenbündels achten, wobei regelmäßige ärztliche Kontrollen, zum Beispiel durch den Hausarzt, helfen können." Und auch dabei, überhaupt wieder einen Weg in die regelmäßige Bewegung zu finden, etwa wenn die Nachwirkungen eines Schlaganfalles die Beweglichkeit einschränken, können Ärzte unterstützen.

Im Interview hat uns Barbara Keck von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen bereits vor einiger Zeit verraten, dass sich ein Schlaganfall auch vermeiden lassen kann.

Ganz wichtig ist es für jeden von uns, die Anzeichen eines Schlaganfalls identifizieren zu können. So lassen sich Leben retten, denn bei einem Hirnschlag zählt jede Minute. Wie die Erste Hilfe bei Schlaganfall aussieht und was zu beachten ist, ist genauso wichtig.

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