Aktualisiert: 10.09.2020 - 09:24

Heimlicher Superheld Wie der Darm mit seinen Bakterien unser Immunsystem steuert

Sport hat einen positiven Effekt auf die so wichtigen Darmbakterien und unser Immunsystem.

Foto: iStock.com/blackCAT

Sport hat einen positiven Effekt auf die so wichtigen Darmbakterien und unser Immunsystem.

Ganz im Verborgenen leisten unzählige Bakterien im Darm absolute Schwerstarbeit. Neben der Verdauung der Nahrung, ist es auch ihre Aufgabe, Bakterien und Keime abzuwehren. So können Sie die kleinen Superhelden unterstützen.

Peelen, Cremen, Stylen: In unser Äußeres stecken wir normalerweise viel Energie. Dabei sollten wir uns auch um einen unsichtbaren Helden in unserem Inneren kümmern. Die Rede ist vom Mikrobiom in unserem Darm, das aus unzähligen Bakterien besteht und darüber entscheidet, ob wir gesund sind oder nicht. Ein guter Grund, einmal näher hinzusehen: Wie Darmbakterien unser Immunsystem steuern und wie wir sie täglich bei ihrer Mission, uns gesund zu halten, unterstützen können, lesen Sie hier.

Die zwei Aufgaben des Darms: Verdauung und Immunabwehr

Mit seinen unzähligen Ausstülpungen, Falten und Zotten vergrößert der Darm seine Oberfläche, um alle nützlichen Nährstoffe aus unserer Nahrung aufnehmen zu können. Mit 400 bis 500 Quadratmetern zählt er zum größten inneren Organ des Menschen.

Gleichzeitig bietet diese Oberflächenvergrößerung aber auch ein Einfallstor für zahlreiche Krankheitserreger. Der Darm hat deshalb neben der Verarbeitung der Nahrung auch die Aufgabe, Bakterien und Keime abzuwehren. Dafür stehen ihm etwa 80 Prozent unserer Abwehrzellen zur Seite. Das macht den Darm sogar zum Hauptakteur des Immunsystems.

So gelingt der natürliche Aufbau der Darmflora, ganz ohne Medikamente:

Darmflora aufbauen: Ganz natürlich ohne Medikamente
Darmflora aufbauen: Ganz natürlich ohne Medikamente

Immunzellen im Darm wehren Krankheitserreger ab

Die Immunzellen im Darm sind dafür zuständig, zwischen guten und schlechten Fremdstoffen zu unterscheiden. Nützliche Nahrungsbestandteile, Mikroorganismen und körpereigene Zellen sollen sie tolerieren, unerwünschte Eindringlinge wie Krankheitserreger dagegen als solche erkennen und zuverlässig abwehren. Keine leichte Aufgabe.

Um diese Superhelden-Aufgabe zu bewältigen, helfen den Abwehrzellen zahlreiche Darmbakterien. Zwischen Immunzellen und Mikrobiom wird praktisch rund um die Uhr kommuniziert: Darmbakterien trainieren und stimulieren das Immunsystem über Signale, damit es zwischen guten und schlechten Fremdkörpern unterscheiden und diese gegebenenfalls abwehren kann. Ohne Mikrobiom funktioniert in Sachen Immunsystem sozusagen gar nichts. Damit dieses komplexe System einwandfrei läuft, muss unsere Darmflora aber im Gleichgewicht sein.

Mikrobiom: Darmbakterien bestimmen über unsere Gesundheit

Das menschliche Mikrobiom ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die den Menschen besiedeln. Eine Vielzahl davon befindet sich im Darm. Das "Darmmikrobiom" besteht aus mehreren hundert Bakterienarten. Welche das sind, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Ernährung, Medikamente, Aktivitätslevel: All das sind Faktoren, die lebenslang die Zusammensetzung des Mikrobioms verändern können. Nimmt die Artenvielfalt der Bakterienstämme ab oder kommt das Gleichgewicht des Darmmikrobioms durcheinander, werden Entzündungen und Krankheiten begünstigt.

So können Sie Ihr Darmmikrobiom beeinflussen

Jeder gesunde Mensch kann sein Darmmikrobiom positiv und negativ beeinflussen. Experten sehen vor allem in der Ernährung und dem Lebensstil der westlichen Welt eine Gefahr für das Mikrobiom.

Das schmeckt dem Darmmikrobiom

Ballaststoffe: Sie fördern die Besiedelung des Darms mit Bifidobakterien, die verschiedene krankmachende Bakterienarten verdrängen. Außerdem helfen Ballaststoffe der Verdauung bei Verstopfung auf die Sprünge. Pro Tag werden 30 Gramm Ballaststoffe empfohlen, die meisten Menschen liegen deutlich darunter. Reich an Ballaststoffen sind pflanzliche Lebensmittel und Vollkornprodukte

Probiotika: Dickdarmbakterien fermentieren Probiotika zu kurzkettigen Fettsäuren, die unter anderem Immunzellen im Darm aktivieren. Enthalten sind Probiotika zum Beispiel in milchsauren Produkten wie Joghurt, Buttermilch oder Sauerkraut.

Stillen: Bereits bei der Geburt wird die individuelle Besiedelung des Mikrobioms durch äußere Einflüsse bestimmt. Auch die ersten zwei Lebensjahre sind für eine gesunde Entwicklung des Mikrobioms mitentscheidend. Mit der Muttermilch aufgenommene Oligosaccharide wirken sich zum Beispiel positiv aus.

Sport und Fitness: Auch Sport kann das Darmmikrobiom positiv beeinflussen. Aber keine Sorge, Sie müssen es nicht übertreiben, um positive Effekte zu erzielen.

Das schadet dem Mikrobiom

Verarbeitete Lebensmittel: Fertigprodukte enthalten meist viel Salz und Fett sowie künstliche Süßstoffe. Auch, wenn sie gut schmecken und im stressigen Alltag praktisch sind: Diese Stoffe mögen auch besonders entzündungsfördernde Bakterien im Darmmikrobiom.

Genussmittel: Alkohol und Rauchen schaden nicht nur der Darmflora, sondern unserer Gesundheit insgesamt. Verzichten Sie lieber auf den Glimmstängel und trinken Sie nur ab und zu ein Gläschen.

Medikamente: Vor allem Antibiotika haben es in sich. Sie töten nämlich nicht nur schädliche Krankheitserreger ab, sondern auch die guten Besiedler des Darmmikrobioms. Das bringt die Darmflora komplett durcheinander und Entzündungsreaktionen werden gefördert. Antibiotika sollten deshalb nur eingenommen werden, wenn es aus ärztlicher Sicht keine schonendere Option der Behandlung gibt.

Kaiserschnitte: Durch einen Kaiserschnitt wird die normalerweise stattfindende Erstbesiedelung des Darmmikrobioms beim Neugeborenen unterbunden. Forscher vermuten, dass dies Krankheiten im späteren Kindes- und Erwachsenenalter begünstigt.

Übrigens: Auch Stress beeinflusst die Darmflora und das ganze Verdauungssystem. Lesen Sie auch, welche 5 Tipps bei Verstopfung durch Stress helfen. Generell ist es sicher hilfreich, typische Magen-Darm-Symptome und ihre Bedeutung zu kennen. Viele weitere Infos rund um das Thema #SuperheldDarm finden Sie auf unserer Themenseite.

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Quellen:

Online-Informationen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig: Das Mikrobiom – Nur gemeinsam sind wir stark: https://www.helmholtz-hzi.de/de/wissen/wissensportal/unser-immunsystem/das-mikrobiom/ (Abruf: 06/2020);

Siegmund-Schultze, N.: Onkologie: Krebstherapie, Immunsystem und Mikrobiom – das künftige Triumvirat. In: Dtsch Arztebl 2017; 114(45): A-2100 / B-1768 / C-1726

Haller, D. et al.: Die Interaktion zwischen Darmbakterien und Mensch als zentraler Faktor für die Darmgesundheit. Bundesgesundheitsbl. 58, 159–165, 2015;

Schaupp, L. et al.: Microbiota-induced type I interferons instruct a poised basal state of dendritic cells. Cell, Volume 181, ISSUE 5, P1080-1096.e19, May 28, 2020;

Kilger, E., Gutiérrez, B. Was wir für unser Mikrobiom tun können. Biospektrum 25, 348–349 (2019);

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