Aktualisiert: 02.06.2021 - 15:52

Heimlicher Superheld Starker Darm: Die Rolle der Darmbakterien für unsere Immunabwehr

Von der Redaktion

Mit täglicher Bewegung können Sie die Darmbakterien und das Immunsystem fördern.

Foto: iStock.com/blackCAT

Mit täglicher Bewegung können Sie die Darmbakterien und das Immunsystem fördern.

Die Bedeutung einer gesunden Darmflora wird oft unterschätzt: Nicht nur für die Verdauung ist eine rege Bakterienvielfalt im Darm entscheidend. Sie schützen unseren Körper meist unbemerkt vor Krankheiten. Doch auch Superhelden brauchen Unterstützung – So stärken Sie den Darm!

Das Sprichwort „Du bist, was du isst!“ wird bei einem Blick auf unseren Darm deutlich. Die Zusammensetzung der Nahrung beeinflusst maßgeblich unsere Darmflora – und damit auch ein intaktes Immunsystem. Bekommt dieses natürliche Schutzschild Risse, wird der Körper für Krankheiten angreifbar. Ein guter Grund, einmal näher hinzusehen: Wie Darmbakterien unser Immunsystem steuern und wie Sie diese im Kampf gegen Keime und Erreger unterstützen, lesen Sie hier!

Die zwei Aufgaben des Darms: Verdauung und Immunabwehr

Mit seinen unzähligen Ausstülpungen, Falten und Zotten vergrößert der Darm seine Oberfläche, um alle nützlichen Nährstoffe aus unserer Nahrung aufzunehmen. Als größtes inneres Organ des Menschen umfasst er 400 bis 500 Quadratmeter.

Gleichzeitig bietet diese Oberflächenvergrößerung ein Eintrittstor für zahlreiche Krankheitserreger. Der Darm hat deshalb neben der Verarbeitung der Nahrung auch die Aufgabe, Bakterien und Keime abzuwehren. Dafür stehen ihm etwa 80 Prozent unserer Abwehrzellen zur Seite. Damit spielt der Darm sogar die Hauptrolle im Immunsystems.

So gelingt der natürliche Aufbau der Darmflora, ganz ohne Medikamente:

Darmflora aufbauen: Ganz natürlich ohne Medikamente
Darmflora aufbauen: Ganz natürlich ohne Medikamente

Immunzellen im Darm wehren Krankheitserreger ab

Die Immunzellen im Darm sind dafür zuständig, zwischen guten und schlechten Fremdstoffen zu unterscheiden. Nützliche Bestandteile der Nahrung, Mikroorganismen und körpereigene Zellen sollen sie tolerieren. Hingegen unerwünschte Eindringlinge wie Krankheitserreger als solche erkennen und zuverlässig abwehren. Keine leichte Aufgabe.

Um diese Superhelden-Aufgabe zu bewältigen, helfen den Abwehrzellen zahlreiche Darmbakterien. Zwischen Immunzellen und Mikrobiom wird praktisch rund um die Uhr kommuniziert: Darmbakterien trainieren und stimulieren das Immunsystem über Signale, damit es zwischen guten und schlechten Fremdkörpern unterscheiden und diese bei Bedarf abwehren kann. Ohne Mikrobiom funktioniert im Immunsystem sozusagen gar nichts. Damit dieses komplexe System einwandfrei läuft, muss unsere Darmflora im Gleichgewicht sein.

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Mikrobiom: Darmbakterien bestimmen über unsere Gesundheit

Das menschliche Mikrobiom ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die den Menschen besiedeln. Eine Vielzahl davon befindet sich im Darm. Das "Darmmikrobiom" besteht aus mehreren hundert Bakterienarten. Welche das sind, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Ernährung, Medikamente, Aktivitätslevel: All das sind Faktoren, die lebenslang die Zusammensetzung des Mikrobioms verändern. Nimmt die Artenvielfalt der Bakterienstämme ab oder kommt das Gleichgewicht des Darmmikrobioms durcheinander, werden Entzündungen und Krankheiten begünstigt.

Wie Sie das Darmmikrobiom beeinflussen

Jeder gesunde Mensch kann sein Darmmikrobiom positiv und negativ beeinflussen. Experten sehen vor allem in der Ernährung und dem Lebensstil der westlichen Welt eine Gefahr für das Mikrobiom.

Das schmeckt dem Darmmikrobiom

Ballaststoffe: Sie fördern die Besiedelung des Darms mit Bifidobakterien, die verschiedene krankmachende Bakterienarten verdrängen. Außerdem helfen Ballaststoffe der Verdauung bei Verstopfung auf die Sprünge. Pro Tag werden 30 Gramm Ballaststoffe empfohlen, die meisten Menschen liegen deutlich darunter. Reich an Ballaststoffen sind pflanzliche Lebensmittel und Vollkornprodukte.

Probiotika: Dickdarmbakterien fermentieren Probiotika zu kurzkettigen Fettsäuren, die unter anderem Immunzellen im Darm aktivieren. Enthalten sind Probiotika zum Beispiel in milchsauren Produkten wie Joghurt, Buttermilch oder Sauerkraut.

Stillen: Bereits bei der Geburt wird die individuelle Besiedelung des Mikrobioms durch äußere Einflüsse bestimmt. Auch die ersten zwei Lebensjahre sind für eine gesunde Entwicklung des Mikrobioms entscheidend. Mit der Muttermilch aufgenommene Oligosaccharide wirken sich positiv aus.

Sport und Fitness: Tägliche Bewegung kann das Darmmikrobiom ins Gleichgewicht bringen. Aber keine Sorge, Sie müssen es nicht übertreiben, um positive Effekte zu erzielen.

Das schadet dem Mikrobiom

Verarbeitete Lebensmittel: Fertigprodukte enthalten meist viel Salz und Fett sowie künstliche Süßstoffe. Auch, wenn sie gut schmecken und im stressigen Alltag praktisch sind: Diese Stoffe können Entzündungen im Darm begünstigen und so das Gleichgewicht stören .

Genussmittel: Alkohol und Rauchen schaden nicht nur der Darmflora, sondern unserer Gesundheit insgesamt. Verzichten Sie lieber auf Zigaretten und trinken Sie nur ab und zu ein Gläschen.

Medikamente: Vor allem Antibiotika haben es in sich. Sie töten nämlich nicht nur schädliche Krankheitserreger ab, sondern auch die guten Besiedler des Darmmikrobioms. Das bringt die Darmflora komplett durcheinander und fördert Entzündungen. Antibiotika sollten deshalb nur eingenommen werden, wenn es aus ärztlicher Sicht keine schonendere Option der Behandlung gibt.

Kaiserschnitte: Durch einen Kaiserschnitt wird die normalerweise stattfindende Erstbesiedelung des Darmmikrobioms beim Neugeborenen unterbunden. Forscher vermuten, dass dies Krankheiten im späteren Kindes- und Erwachsenenalter begünstigt.

Übrigens: Auch Stress beeinflusst die Darmflora und das ganze Verdauungssystem. Lesen Sie auch, welche 5 Tipps bei Verstopfung durch Stress helfen. Generell ist es sicher hilfreich, typische Magen-Darm-Symptome und ihre Bedeutung zu kennen. Viele weitere Infos rund um das Thema #SuperheldDarm finden Sie auf unserer Themenseite.

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Quellen:

Online-Informationen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig: Das Mikrobiom – Nur gemeinsam sind wir stark: https://www.helmholtz-hzi.de/de/wissen/wissensportal/unser-immunsystem/das-mikrobiom/ (Abruf: 06/2020);

Siegmund-Schultze, N.: Onkologie: Krebstherapie, Immunsystem und Mikrobiom – das künftige Triumvirat. In: Dtsch Arztebl 2017; 114(45): A-2100 / B-1768 / C-1726

Haller, D. et al.: Die Interaktion zwischen Darmbakterien und Mensch als zentraler Faktor für die Darmgesundheit. Bundesgesundheitsbl. 58, 159–165, 2015;

Schaupp, L. et al.: Microbiota-induced type I interferons instruct a poised basal state of dendritic cells. Cell, Volume 181, ISSUE 5, P1080-1096.e19, May 28, 2020;

Kilger, E., Gutiérrez, B. Was wir für unser Mikrobiom tun können. Biospektrum 25, 348–349 (2019);

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