Neuer Mut bei Krebs: Diese Frau verdankt einer klinischen Studie ihr Leben
Am 4. Februar ist Weltkrebstag. Ein Datum, das daran erinnert, wie allgegenwärtig die Erkrankung in ihren zahlreichen Ausformungen ist – und wie viel sich in diesem Bereich bewegt. Fast jede Familie ist direkt oder indirekt betroffen.
Forschungen im Bereich Krebs, zu der auch klinische Studien gehören, treiben die Medizin stetig voran. Ohne sie gäbe es keine Fortschritte, neuen Therapien und Hoffnung auf mehr Leben, qualitativ und quantitativ.
Trotzdem hat das Wort "Studie" für viele erst einmal etwas Abschreckendes. Es klingt nach Versuchslabor und Unsicherheit. Und das, obwohl klinische Studien der Grund dafür sind, warum Krebs heute in vielen Fällen besser behandelbar ist als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Darüber zu informieren, aufzuklären, Mut zu machen – auch das gehört zum Weltkrebstag.
Forschungen und Studien, Motor der Medizin
Neue Medikamente, moderne Immuntherapien, individuell zugeschnittene Behandlungsansätze – all das entsteht nicht über Nacht. Bevor eine Therapie in der Praxis ankommt, wird sie in klinischen Studien sorgfältig geprüft. Dabei geht es nicht nur um Wirksamkeit, sondern auch um Sicherheit, Dosierung und Lebensqualität.
Etliche Patientinnen und Patienten profitieren davon ganz konkret. Manchmal, weil sie früh Zugang zu innovativen Therapien bekommen. Manchmal, weil sie engmaschiger betreut werden als im regulären Behandlungsalltag. Und immer, weil ihre Teilnahme hilft, die Behandlung für kommende Generationen zu verbessern.
"Ich wollte nicht nur zuschauen": Studienteilnehmerinnen berichten
Wie sich das anfühlt, erzählen Menschen, die an Studien teilgenommen haben. Cindy Körner ist eine von ihnen. Nach ihrer Krebsdiagnose stand die Wissenschaftlerin, die am Deutschen Krebsforschungszentrum arbeitet, vor der Entscheidung, Teil einer klinischen Studie zu werden.
Sie beschreibt rückblickend, dass sie sich bewusst dafür entschieden hat, aktiv zu bleiben – nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere. Die intensive Betreuung, die vielen Gespräche und das Gefühl, ernst genommen zu werden, haben ihr Sicherheit gegeben. Ihre Motivation: "Mir ist als Wissenschaftlerin bewusst, dass wir nur so medizinischen Fortschritt erreichen!"
Ähnlich schildert es Babett Baraniec. Auch sie nimmt im Rahmen ihrer Krebserkrankung immer wieder an Studien teil. Und sie spendet regelmäßig Körpermaterial, denn das ist wirklich wichtig, sagt sie, "weil Forschende auf solche Proben angewiesen sind".
Für sie spielt es eine große Rolle, gut informiert zu sein und jederzeit Fragen stellen zu können. "Ich hatte nie das Gefühl, ausgeliefert zu sein", sagt sie. Im Gegenteil: Die Teilnahme gibt ihr das Gefühl, Teil eines Teams zu sein, das gemeinsam an einer besseren Behandlung arbeitet.
Ängste oder Vorurteile gegenüber Studien zu haben, ist zwar nachvollziehbar für sie, gerade wenn man unerfahren ist. Aber für sie persönlich "ist Forschung lebenswichtig. Ohne sie wäre ich nicht mehr hier – seit 11 Jahren bin ich metastasiert und hätte sonst keine Chance gehabt, meine Tochter aufwachsen zu sehen."
Studien sind kein Experiment ins Blaue
Ein verbreiteter Irrtum: In Studien wird wahllos ausprobiert. Tatsächlich sind klinische Studien aber streng geregelt und ethisch geprüft. Jede Studie folgt klaren Protokollen, Teilnehmende werden umfassend aufgeklärt und können ihre Einwilligung jederzeit zurückziehen. Niemand ist verpflichtet, mitzumachen – und niemand verliert dadurch den Anspruch auf eine gute medizinische Versorgung.
Je nach Phase geht es darum, neue Wirkstoffe zu testen, bestehende Therapien zu vergleichen oder Behandlungsabläufe zu optimieren. Oft erhalten Teilnehmende entweder die neue Therapie oder die aktuell beste Standardbehandlung – niemals "gar nichts".
Fortschritt ist aber nur möglich, wenn Wissen geteilt wird. Eine Tatsache, die gerade auch am Weltkrebstag so wichtig ist, denn Krebs ist bei uns wie auch in vielen anderen Industrienationen die häufigste Todesursache.
Warum Aufklärung so wichtig ist
Dass Studien wirken, wissen viele trotzdem nicht. Oder sie wissen es zu wenig. Gerade Frauen fühlen sich im Gesundheitssystem häufig schlechter informiert oder weniger einbezogen. Umso wichtiger ist es, transparent über Studien zu sprechen, und zwar verständlich, ehrlich und ohne falsche Versprechen.
Studien sind kein abstraktes Konstrukt, sondern bestehen aus Menschen, ihren Geschichten und ihrem Mut. Und: sie wirken. Das ist von unschätzbarem Wert für alle, die heute erkrankt sind. Und für die, die es morgen vielleicht sein werden.
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