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Kryptonit-Liebe: Warum uns manche Menschen nie loslassen

Frau schaut gedankenverloren aus dem Fenster. Im Hintergrund sitzt ein Mann und liest ein Buch, ohne ihre Anwesenheit zu bemerken.
Gibt es diese eine Person für dich, die du nicht vergessen kannst, obwohl es bei ihr nicht um die/den Partner*in an deiner Seite handelt? Und was würdest du für diesen deinen Kryptonit-Menschen wohl alles tun... ?
© Getty Images / Westend61
Das Bild zeigt eine Frau mit freundlichem Lächeln, die direkt in die Kamera blickt. Sie hat mittellanges blondes Haar, blaue Augen und trägt ein graues T-Shirt mit einer offenen grauen Jacke. Der Hintergrund ist schlicht und unauffällig, was den Fokus auf die Frau lenkt. Ihr Ausdruck wirkt offen und zugänglich. | © BILD der FRAU
12.06.2026 • 23:10 Uhr
Mirjam Beile

Als Kryptonit wird ein Mensch bezeichnet, von dem man einfach nicht loskommt. Vor allem Frauen kennen das. Du auch? Damit bist du nicht allein, wie eine Umfrage belegt.

Hast du die auch, diese eine Person, die dich um den Verstand gebracht hat, die so sanft und einfühlsam war, die dich so gut verstanden hat – kurz: Gibt es auch so einen Kryptonit in deinem Leben, bei dem du im Zweifelsfall immer wieder schwach werden würdest?

Kryptonit-Menschen: Sind wir ihnen hilflos verfallen?

Sie sind vielleicht nicht unbedingt unser Schicksal, können uns aber durchaus zum Verhängnis werden: Sogenannte Kryptonit-Menschen tragen ihren Namen nicht von ungefähr, denn so wie Superman durch Kryptonit außer Gefecht gesetzt werden kann, lassen sich viele durch eine Person völlig aus der Fassung bringen, die im aktuellen Leben eigentlich keine Rolle mehr spielt – es in der Vergangenheit aber sehr wohl tat.

Die Online-Partnervermittlung Parship wollte es genauer wissen und hat eine Umfrage zum Thema Kryptonit-Menschen gestartet. So viel sei gesagt: Es sind erstaunlich viele, die es betrifft...

Warum Kryptonit-Menschen so stark wirken können

Psychologisch betrachtet sind sogenannte Kryptonit-Menschen selten zufällig so wirkungsvoll. Häufig handelt es sich um Personen, mit denen wir intensive emotionale Erfahrungen gemacht haben – unabhängig davon, ob die Beziehung lange gedauert hat oder nur kurz war.

Besonders prägend sind Situationen, in denen starke Gefühle im Spiel waren: erste große Liebe, eine sehr intensive Affäre, eine unerfüllte Sehnsucht oder eine Beziehung, die abrupt beendet wurde. Das Gehirn speichert solche emotional aufgeladenen Erlebnisse besonders tief ab.

Neurowissenschaftlich spielt dabei das Belohnungssystem eine zentrale Rolle. Wenn wir mit einer Person starke Glücksgefühle erlebt haben, verknüpft das Gehirn diese Person mit Dopamin-Ausschüttung. Selbst Jahre später kann schon ein Foto, ein Geruch oder ein bestimmter Ort diese Erinnerung aktivieren.

Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: das sogenannte „offene Ende“. Beziehungen, die nie vollständig verarbeitet oder abgeschlossen wurden, bleiben im Kopf oft aktiver als klar beendete Kapitel.

Umfrage: Hast du auch einen Kryptonit-Menschen?

"Jugendliebe, unerfüllte Liebe oder Ex-Partner*in: Viele Menschen haben diese eine Person in ihrem Leben, bei der sie immer wieder schwach werden. Eine Person, an der man sein Leben lang hängt. Wenn du ganz ehrlich zu dir bist: Gibt es so eine Person auch in deinem Leben?" Unter anderem hat sich Parship zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Innofact in einer unabhängigen Online-Erhebung genau danach erkundigt – 1.011 Personen zwischen 18 und 69 Jahren wurden vor einiger Zeit dafür befragt. 741 von ihnen lebten zu dem Zeitpunkt in einer Beziehung.

Das Ergebnis: 57 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen fühlen sich einem solchen Kryptonit-Menschen in der Art verbunden, dass sie sich ihm wider besseres Wissen hingeben würden. Ganz schön viele, oder?

Die 4 häufigsten Typen von Kryptonit-Menschen

Expert*innen unterscheiden in der Praxis oft verschiedene Muster, die erklären, warum eine Person besonders „haften bleibt“:

1. Die unerreichbare Liebe
Eine Person, die nie wirklich verfügbar war – etwa weil sie vergeben war, emotional distanziert oder aus anderen Gründen nicht erreichbar.

2. Die intensive Kurzbeziehung
Eine sehr kurze, aber extrem emotionale Verbindung, die sich „größer als das Leben“ angefühlt hat.

3. Die Ex-Beziehung ohne Abschluss
Eine Partnerschaft, die zwar beendet wurde, aber ohne klare Aussprache oder inneren Abschluss.

4. Die Jugendliebe
Frühe Beziehungen, die oft idealisiert werden, weil sie mit der eigenen Identitätsentwicklung verknüpft sind.

Allen gemeinsam ist: Es geht weniger um die reale Person im Heute, sondern um das emotionale Bild, das im Kopf weiterlebt.

Frau schaut traurig auf ein gerahmtes Foto. Ihre Mascara ist verschmiert, was darauf hindeutet, dass sie geweint hat. Im Hintergrund steht ein Mann, der ebenfalls bedrückt aussieht. | © Getty images / South_agency
© Getty images / South_agency

Und was heißt das? Wäre dadurch eine aktuelle Partnerschaft tatsächlich bedroht? Das sagen die Befragten:

  • Für diese Person würde ich mein aktuelles, gewohntes Leben aufgeben (45 Prozent Männer, 34 Prozent Frauen)
  • Ich würde mit dieser Person einmalig fremdgehen (40 Prozent Männer, 27 Prozent Frauen)
  • Ich wäre bereit, mit dieser Person eine längerfristige Affäre zu beginnen (41 Prozent Männer, 26 Prozent Frauen)
  • Ich wäre bereit, für diese Person meine aktuelle Beziehung zu beenden (29 Prozent Männer, 19 Prozent Frauen)
  • Ich wäre bereit, eine:n potentielle:n Partner:in für diese Person aufzugeben (15 Prozent Männer, 15 Prozent Frauen)

Wann wird Kryptonit problematisch?

Nicht jeder Gedanke an eine frühere wichtige Person ist automatisch problematisch. Kritisch wird es erst, wenn bestimmte Muster auftreten:

  • die aktuelle Beziehung wird regelmäßig innerlich verglichen
  • es entsteht Sehnsucht nach „dem anderen Leben“
  • Kontaktabbrüche werden nicht eingehalten oder ständig gebrochen
  • die Person beeinflusst Entscheidungen im Hier und Jetzt
  • emotionale Stabilität hängt stark von Erinnerungen ab

Paartherapeut*innen betonen: Entscheidend ist nicht, ob ein Kryptonit-Mensch existiert – sondern wie stark er das aktuelle Leben emotional steuert.

Eine echte Bedrohung? Das sagen Fachleute

Puuh, das klingt recht ernüchternd. Und man muss dazusagen: Die Fragen sind ja rein hypothetisch. Und dennoch: Wie ernstzunehmend sind solche Aussagen, was die Beziehung angeht? Paartherapeut und Parship-Experte Eric Hegmann kennt das Phänomen – und die Gefahr, die von ihnen ausgehen kann: "Kryptonit-Menschen sind diejenigen, die man nie vergisst und die auch Jahrzehnte später eine Versuchung oder sogar Bedrohung für die aktuelle Beziehung bedeuten könnten. Sie sind die Schwachstellen unserer Beziehungs-Biografie, so wie Kryptonit die Schwachstelle von Superman ist."

Warum gerade Ex-Partner*innen so oft zum Kryptonit werden

Ex-Partner*innen sind aus psychologischer Sicht besonders häufig „Kryptonit“, weil sie zwei Dinge kombinieren:

Einerseits gab es reale Nähe, Alltag und Vertrautheit – also echte Bindung. Andererseits ist diese Bindung unterbrochen worden, oft ohne vollständige emotionale Verarbeitung.

Das führt zu einem sogenannten „Bindungsvakuum“: Das Gehirn versucht nachträglich, die Geschichte zu vervollständigen. Dadurch entstehen Gedankenspiele wie „Was wäre gewesen, wenn…?“

Hinzu kommt: Je stärker die emotionale Aktivierung in der Beziehung war, desto stabiler ist die neuronale Spur – selbst dann, wenn die Beziehung rational längst als beendet gilt.

Dabei sei es nicht einmal ungewöhnlich, dass sich besondere Personen aus der Vergangenheit hin und wieder in das aktuelle Leben von einem schleichen, fährt der Experte fort: "Letztendlich muss man sich fragen, warum diese Person nach all den Jahren immer noch solch einen Einfluss auf einen selbst hat. Wen die Vergangenheit weiterhin belastet oder wer nicht bereit ist, sich von ihr zu verabschieden, wird häufiger sein aktuelles Leben oder seine Beziehung infrage stellen. Deshalb ist es wichtig, sich bewusst mit seinem Kryptonit auseinanderzusetzen."

Viele Expert*innen sehen hinter dem Phänomen kein "Schicksal", sondern einen psychologischen Effekt intensiver emotionaler Prägung. Kryptonit-Menschen stehen dabei oft für unerfüllte Bedürfnisse aus früheren Beziehungen, etwa nach Nähe oder Anerkennung. Werden diese Erinnerungen im Rückblick idealisiert, entsteht leicht ein verzerrtes Bild, in dem positive Momente überwiegen und Konflikte verblassen. Besonders stark wirkt zudem, wenn eine Beziehung nie klar abgeschlossen wurde – sogenannte "offene Geschichten", die das Gehirn unbewusst weiter verarbeiten will.

Beim Magazin Miaboss wird zwischen positiven und destruktiven Kryptonit-Typen unterschieden, die im besseren Fall "in dir große Glücksgefühle, das Gefühl der Seelenverwandschaft und große Sehnsucht", im negativen Fall "aber auch gewaltige Trauer, Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit, Angst oder Einsamkeit auslösen" können.

Kann man sich von einem Kryptonit-Menschen lösen?

Komplett „löschen“ lassen sich solche emotionalen Verknüpfungen nicht – aber sie lassen sich deutlich abschwächen.

Hilfreich sind dabei laut Beziehungsexpert*innen vor allem drei Schritte:

1. Realität statt Idealbild
Bewusst auch die schwierigen Seiten der Person erinnern, nicht nur die schönen Momente.

2. Emotionen entkoppeln
Gefühle anerkennen, ohne ihnen automatisch Bedeutung für Entscheidungen im Heute zu geben.

3. Gegenwart stärken
Neue Beziehungen, neue Erfahrungen und stabile Routinen helfen, alte emotionale Muster zu überlagern.

Wichtig sei vor allem Geduld: Solche emotionalen Prägungen lösen sich nicht durch einen einzigen „klaren Gedanken“, sondern durch wiederholte neue Erfahrungen.

Ob so oder so: "Kryptonite Personen können dein Leben gewaltig ins Schwanken bringen, selbst wenn eure Beziehung oder eure letzte Begegnung lange zurückliegt", heißt es dort weiter.

Und dann können sie gefährlich werden, denn es kann "beispielsweise vorkommen, dass du dich dabei erwischst, wie du deinen aktuellen Partner mit deinem Kryptonit vergleichst oder sogar deine aktuelle Beziehung infrage stellst, weil dein Kryptonit sich in deinen Geist eingeschlichen hat."

Wenn der Kryptonit die Beziehung belastet

Problematisch wird es vor allem dann, wenn der Kryptonit-Mensch nicht nur eine Erinnerung bleibt, sondern aktiv das aktuelle Liebesleben beeinflusst.

Typische Warnsignale sind:

  • emotionale Abwesenheit in der aktuellen Beziehung
  • häufiges inneres Vergleichen
  • Fantasien über ein alternatives Leben
  • unerklärliche Unzufriedenheit trotz stabiler Partnerschaft

Paartherapeut*innen raten in solchen Fällen zu offener Kommunikation – nicht unbedingt über die konkrete Person, sondern über die dahinterliegenden Bedürfnisse.

Denn oft geht es nicht um „die eine Person“, sondern um das, was sie symbolisiert.

➔ Mehr Infos zu unserem Experten Eric Hegmann findest du hier.

Eric Hegmann hat mit BILD der Frau schon über viele kleinere und größere Belange rund um Beziehungen gesprochen. Manchmal hilft es schon, sich mit einem Problem auseinanderzusetzen, bevor es größer wird und eskaliert. Ist deines vielleicht dabei?

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