31.07.2019

Chronische Schmerzen? Einen Reha-Antrag stellen: So funktioniert’s!

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Bei chronischen Schmerzen oder Depressionen kann eine Reha äußerst hilfreich sein. Wir erklären, wie Sie einen Reha-Antrag richtig stellen.

Foto: iStock/FredFroese

Bei chronischen Schmerzen oder Depressionen kann eine Reha äußerst hilfreich sein. Wir erklären, wie Sie einen Reha-Antrag richtig stellen.

Sie leiden unter chronischen Schmerzen, schweren Allergien oder starken psychischen Problemen? Eine Reha kann hier eine Lösung sein. So beantragen Sie eine Reha.

Die Zahl chronisch kranker Personen steigt von Jahr zu Jahr. Immer mehr Menschen sind auch in ihrem Arbeitsalltag stark eingeschränkt, fallen sogar komplett aus, auch für längere Zeit, oder müssen eine Erwerbsminderungsrente beziehen. Um diesem Problem entgegen zu wirken, gibt es medizinische Rehabilitationen. So genannte Rehas sind mehrwöchige ambulante oder stationäre Aufenthalte in z.B. kardiologischen, orthopädischen oder psychosomatischen Kliniken. Ca. eine Million Menschen begeben sich jedes Jahr in eine medizinische Reha. Wie Sie einen Reha-Antrag stellen, was Sie dafür benötigen und was Sie machen, wenn Ihr Antrag abgelehnt wird, erklären wir Ihnen hier.

Reha-Antrag stellen: So finden Sie die richtige Behörde

Eine Antragsstellung und -bewilligung braucht Geduld. Damit Sie keine unnötige Zeit verlieren, sollten Sie sich vorher informieren und gleich an die richtige Behörde wenden.

Renten-, Kranken- oder Unfallkassen finanzieren Rehas. Wenn Sie berufstätig sind und die Reha helfen soll, längere Arbeitsausfälle zu vermeiden, ist in der Regel die gesetzliche Rentenversicherung für Sie zuständig. Sie finanziert ärztliche und therapeutische Leistungen und medizinische Anwendungen sowie die dafür notwendige Reise inklusive Unterkunft und Verpflegung. Wichtig zu wissen: Je nachdem, wie viel Sie verdienen, kann eine Zuzahlung von bis zu 10 Euro pro Tag fällig werden – das aber maximal für 42 Tage. Ihr Gehalt beziehen Sie in dieser Zeit weiter von Ihrem Arbeitgeber. Wenn der Anspruch auf Entgeltfortzahlung aber nicht mehr besteht bzw. ausgeschöpft ist, zahlt die Rentenkasse ein Übergangsgeld.

Klären Sie zunächst Ihren Reha-Anspruch

Natürlich müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen, damit Sie eine Reha bekommen. Deshalb sollten Sie im Vorfeld klären, ob Sie diese erfüllen.

Diese gesundheitlichen Voraussetzungen müssen gegeben sein

  • Ihre Erwerbsfähigkeit ist durch Krankheit oder körperliche, geistige oder seelische Behinderung gefährdet oder gemindert.
  • Eine Reha könnte Ihre Lage verbessern oder eine Verschlechterung aufhalten.
  • Sie haben bereits auf andere Weise versucht, sich zu helfen – sind etwa wegen Ihrer Arthrose bereits bei einem Physiotherapeuten.

Diese versicherungsrechtlichen Bedingungen müssen vorliegen

  • Sie sind Pflicht- oder freiwillig Versicherter und haben eine 15-jährige Mindestversicherungszeit (Wartezeit) hinter sich.
  • Sie haben, z.B. als Arbeitnehmer, in den letzten zwei Jahren (vor dem Reha-Antrag) mindestens sechs Kalendermonate lang Rentenpflichtbeiträge gezahlt.
  • Sie haben nach Ihrer Ausbildung innerhalb von zwei Jahren eine versicherte oder selbstständige Beschäftigung aufgenommen und üben diese zum Zeitpunkt des Antrags noch aus, sind arbeitsunfähig oder arbeitslos.
  • Sie beziehen eine Erwerbsminderungsrente.
  • Sie sind erwerbsgemindert oder die Erwerbsminderung ist absehbar und Sie kommen auf eine Versicherungszeit von fünf Jahren.
  • Sie sind vermindert erwerbsfähig und beziehen eine große Witwenrente.

Arbeiten Sie mit Ihrem Arzt zusammen

Die Beurteilung und die Erfolgsaussichten des Reha-Antrags hängen auch wesentlich vom ärztlichen Befundbericht (ÄBB) ab. Ihr Haus- oder Facharzt schreibt diesen für die Rentenkasse. Hier sollten Sie sich eng mit Ihrem Arzt abstimmen und zusammenarbeiten, um Ihre Chancen auf eine Reha zu erhöhen. Beispiel: Wenn ein Patient an einer physischen und einer psychischen Krankheit leidet, sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt überlegen, welche Krankheit prioritär in der Reha behandelt werden soll. Denn dieser Fakt entscheidet über die Klinikauswahl.

Der sozialmedizinische Dienst der Rentenkasse entscheidet über die Reha: Wenn diesem der ÄBB nicht ausreichend erscheint, kann er ein ärztliches Gutachten von einem von der Rentenkasse ausgewählten Arzt anfordern, der Sie dann untersuchen wird. Einige Rentenkassen geben immer Gutachten in Auftrag.

Reha-Antrag stellen: Ohne Formulare geht es nicht!

Auch wenn die Formularmenge für einen Reha-Antrag zunächst undurchdringlich erscheint, an ihnen vorbei kommen Sie nicht! Besorgen Sie sich zunächst die Formulare. Das geht telefonisch bei der Rentenversicherung, in einer ihrer Beratungsstellen oder auch online (s.u.). Wer zu einer Beratungsstelle geht, kann sich dort von Mitarbeitern beim Ausfüllen behilflich sein lassen und seine Fragen stellen.

Reha-Antrag ausfüllen: Darauf sollten Sie achten!

  • Im wichtigsten Antragsformular (G0100) und seiner Anlage (G0110) geht es um Ihre berufliche Situation sowie die bisherigen Behandlungen.
  • Der "Selbsteinschätzungsbogen" (G0115) muss zwar nicht ausgefüllt werden – sinnvoll ist er aber dennoch, da Sie darauf Persönliches notieren können: z.B. Ihre Erwartungen an die Reha sowie Ihre familiären und beruflichen Belastungen und die Erfahrungen mit bisherigen erfolgten Behandlungen. Nehmen Sie sich die Zeit und erklären Sie Ihre Situation ausführlich (Sie können auch ein zweites Blatt beifügen). Das steigert die Chancen, da der Sachbearbeiter erkennt, dass Sie sich ernsthaft mit dem Thema Reha und dem Antrag auseinandersetzen.
  • Das Formular AUD-Beleg (G0120) legen Sie Ihrer Krankenkasse zum Ausfüllen vor.
  • Wundern Sie sich nicht, dass sich die Fragen auf den Formularen doppeln oder überschneiden. Achten Sie einfach darauf, sich selbst nicht zu widersprechen und dass Ihre Aussagen zum ärztlichen Befundbericht passen.
  • Betonen Sie nicht nur die Notwendigkeit einer Reha, sondern präzisieren Sie, welche Reha-Maßnahmen wichtig wären.
  • Beschreiben Sie detailliert Ihre Risikofaktoren, Ihre beruflichen und sozialen Belastungen, die die Notwendigkeit besonderer Reha-Maßnahmen herausstellen. Seien Sie so präzise wie möglich und legen Sie wie oben erwähnt einen medizinischen Schwerpunkt.
  • Schreiben Sie auch, welche Anstrengungen Sie bisher unternommen haben, um Ihre Leiden zu behandeln. Haben Sie Psychotherapien gemacht, haben Sie Selbsthilfegruppen aufgesucht, haben Sie Sportangebote wahrgenommen? Das alles gehört in den Antrag, damit die Rentenkasse bzw. der sozialmedizinische Dienst Ihre Anstrengungen einordnen kann.

Nicht zu kritisch bei der Klinikauswahl sein

Natürlich haben Patienten Klinikwünsche – sei es, um in der Nähe der Familie zu bleiben, sei es, die gesunde Meeresluft zu atmen. Suchen Sie zunächst nach einer Klinik, die Ihren Erwartungen entspricht, aber seien Sie nicht zu kritisch. Die Rentenkasse prüft zunächst, ob die gewünschte Klinik zur Diagnose und den benötigten Reha-Maßnahmen passt. Geben Sie den Zeitraum für die Reha bei der Antragsstellung mit an, außerdem, ob sie ganztägig ambulant oder stationär sein soll. Sie dürfen auch alters- und geschlechtsspezifische Vorlieben sowie religiöse und weltanschauliche Präferenzen äußern. Sie sollten sich aber bewusst sein: Je mehr Wünsche sie äußern, umso länger kann es dauern, bis der passende Platz gefunden ist.

Wenn Sie alles ausgefüllt haben, senden Sie den Reha-Antrag an Ihren Rententräger.

Reha-Antrag abgelehnt: So legen Sie Widerspruch ein

Sie haben alles gewissenhaft ausgefüllt und belegt – und dennoch wird der Antrag abgelehnt? Das kann leider passieren und es bedeutet nicht, dass Sie keinen Anspruch darauf hätten. Legen Sie vielmehr Widerspruch ein. Dafür haben Sie einen Monat nach Zustellung des Ablehnungsbescheides Zeit.

Wichtig zu wissen: 2017 wurden 157 000 Widersprüche eingereicht, und fast jeder zweite war zumindest teilweise erfolgreich. Besprechen Sie sich nach einem abgelehnten Antrag vielmehr mit Ihrem Arzt. Suchen Sie z.B. nach aussagekräftigeren Begründungen, die die Notwendigkeit einer Reha besser unterstreichen. Vielleicht gibt es auch inzwischen weitere Unterlagen, die Sie dem Antrag beilegen können. Lassen Sie sich hier von einer Beratungsstelle helfen.

ABER: Wenn auch der Widerspruch ohne Erfolg bleibt, sehen Sie lieber von einer Klage ab. Das dauert Jahre und kostet im Zweifel viel Geld. Einfacher ist es, einen neuen Antrag zu stellen.

Die gesetzliche Rentenversicherung erreichen Sie unter der kostenlosen Servicenummer 0 800/10 00 48 00. Im Internet finden Sie unter www.deutsche-rentenversicherung.de alle Formulare zum Download sowie die Auskunfts- und Beratungsstellen in Ihrer Nähe.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen dabei behilflich sein, wie Sie einen Reha-Antrag richtig stellen! Wussten Sie, dass Arbeitnehmer häufiger Reha bei psychischer Erkrankung bekommen? Und dass sogar viele Kinder eine Reha machen? Chronisch krank: Der Weg in die Kinder- und Jugend-Reha.

Mehr Wissenswertes finden Sie auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

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