Hermann-Teig: Perfekt zum Teilen mit den Lieben
Der Kuchen war schon in den 1980er-Jahren vor allem bei Schulkindern beliebt: Der dafür benötigte Teig ist nämlich etwas ganz Besonderes, er will gepflegt und gefüttert werden. Etwa zehn Tage lang, dann wird er in mehrere Portionen aufgeteilt. Diese wiederum kann man Freundinnen und Freunde weitergeben, die sich dann wiederum um ihren Teig "kümmern" müssen. Eine Art Kettenbrief in Teig-Form also. Wir verraten, wie du den Teig selbst herstellen kannst.
Zutaten für 4 Portionen:
- 300 g Mehl
- 310 g Zucker
- 150 ml Wasser
- 1/2 Päckchen Trockenhefe
- 300 ml Milch
- Außerdem: Ein fest verschließbares Gefäß mit einer Kapazität von 1,5 l
Zubereitungszeiten:
Und so wird’s gemacht:
Die Zubereitung des Hermann-Kuchens erstreckt sich über einige Tage. Wer den Kuchenteig nicht geschenkt bekommen hat, muss ihn erst selbst anrühren. Dafür 100 Mehl, 10 g Zucker, Trockenhefe und lauwarmes Wasser zu einem glatten Teig verarbeiten. In ein verschließbares Gefäß geben und bei Zimmertemperatur zwei Tage stehen lassen. Gelegentlich umrühren.
Jetzt ist der Hermann-Teig in dem Zustand, in dem du ihn möglicherweise auch geschenkt bekommen hast. An diesem Tag sollte der Kuchen "gefüttert" werden. Dafür 100 g Mehl, 150 g Zucker und 150 ml Milch unterrühren und alles in das Gefäß geben. Im Kühlschrank lagern.
An den folgenden drei Tagen den Teig täglich einmal umrühren und dann wieder verschlossen in den Kühlschrank stellen.
Die zweite Fütterung folgt – mit der übrigen Menge an Mehl, Zucker und Milch. Alles verrühren, verschließen und zurück in den Kühlschrank.
Die folgenden vier Tage erneut einmal täglich durchrühren. Am zehnten Tag kannst du den Teig in vier Portionen teilen und an deine Lieben verschenken. Jede einzelne Portion kann weiter gepflegt und wieder geteilt, oder gleich zubereitet werden – etwa in Form eines Kuchens.
Bevor es Facebook-Gruppen und Instagram-Trends gab, war Hermann unser liebstes "Social Network". In den 80er-Jahren gab es kaum eine Küche, in der nicht eine Schüssel mit dem blubbernden Inhalt stand.
Eigentlich stammt die Idee der Vermehrungsteige aus der Tradition der Amischen in den USA (bekannt als "Amish Friendship Bread"). Doch während es dort eher um die christliche Nächstenliebe und das Teilen von Brot ging, wurde Hermann bei uns zum echten Lifestyle-Phänomen. Er war der erste "kulinarische Kettenbrief".
Wer einen Hermann annahm, ging eine Verpflichtung ein: zehn Tage hegen, pflegen, füttern – und dann die "Hermann-Kinder" im Bekanntenkreis verteilen. Ihn einfach wegzuwerfen? Ohne schlechtes Gewissen schlicht nicht möglich!
Übrigens: Hermann ist kein gewöhnlicher Rührteig. Er ist ein lebendiger Sauerteig-Ansatz aus Mehl, Milch und Zucker, der durch Fermentierung sein ganz besonderes Aroma entwickelt. Das Besondere: Man kann ihn nicht einfach im Supermarkt kaufen. Hermann muss dir "zugelaufen" kommen – in Form eines Bechers, den dir eine enge Freundin oder ein Nachbar mit einer handgeschriebenen Anleitung zusteckt.
Fragst du dich, wie genau du Sauerteig haltbar machen kannst? In unserem Ratgeber erfährst du es.