16.10.2018

Psychosomatik 5 Schmerzen, die durch Gefühle verursacht werden

Die Psychosomatik beschäftigt sich mit Schmerzen, die durch Gefühle entstehen. Denn viele Menschen ignorieren ihre körperliche Warnsignale und werden dadurch krank.

Foto: iStock/kupicoo

Die Psychosomatik beschäftigt sich mit Schmerzen, die durch Gefühle entstehen. Denn viele Menschen ignorieren ihre körperliche Warnsignale und werden dadurch krank.

Schmerzen müssen nicht immer eine körperliche Ursache haben. Auch die Seele kann krank machen. Durch eine dauerhafte Belastung der Psyche können körperliche Schmerzen entstehen. Dabei kann die Schmerzregion Aufschluss darüber geben, wo wirklich das Problem liegt. Erfahren Sie hier mehr über die Psychosomatik.

Schmerz ist lebenswichtig, er ist eine Art Alarmsignal. Der Schmerz signalisiert dem Gehirn, dass der Körper in Gefahr ist und schützt ihn so vor schädlichen oder gefährlichen Einflüssen. Die Auslöser für ein Schmerz-Empfinden können ganz unterschiedlich sein. Und was viele nicht wissen: Auch Gefühle können Schmerzen verursachen. Die Psychosomatik beschäftigt sich mit dem Thema – erfahren Sie hier, wie die Seele krank machen kann.

Psychosomatische Schmerzen: Wenn Gefühle und Stress Schmerzen auslösen

Neben körperlichen Ursachen kann die Psyche einen enormen Einfluss auf die Gesundheit haben. Gefühle, Stress oder andere seelische Belastungs-Situationen können Schmerz entstehen lassen. In solchen Fällen sprechen Experten von psychosomatischen Schmerzen. Schätzungsweise leiden mindestens 25 Prozent der deutschen Erwachsenen einmal in ihrem Leben oder dauerhaft an psychosomatischen Beschwerden.

Wie entstehen psychosomatische Erkrankungen?

Diese können durch eine dauerhafte seelische Belastung entstehen, beispielsweise durch einen Konflikt bei der Arbeit, Probleme in der Beziehung oder zu viel Stress im Alltag. Durch die permanente Anspannung geraten Prozesse im Körper in ein Ungleichgewicht. Das Nervensystem kann stark strapaziert werden und Alarmsignale senden oder der Hormonhaushalt gerät durcheinander – beides kann körperliche Schmerzen zur Folge haben.

Aber was genau können psychosomatische Schmerzen sein? BILD der FRAU hat bei einem Experten nachgefragt.

Thomas Dürst, Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, sagt: "Wenn ein Patient Schmerzen hat, und der Arzt nach umfassenden Tests keine körperliche Ursache feststellen kann, sollte die psychische Verfassung unter die Lupe genommen werden. Häufig wird diese in der Ursachen-Findung noch vernachlässigt. Bei vielen Patienten dauert es oft Jahre, bis ihnen erfolgreich geholfen wird. Ein Grund dafür: Psychosomatische Schmerzen können ganz unterschiedliche Auswirkungen haben."

Seelische Probleme richtig deuten

Der Schmerz und die Psyche sind eng miteinander verwoben, ohne, dass dies den Betroffenen bewusst sein muss. Die Region in der der Schmerz auftritt, kann aber ein Hinweis darauf sein, wo die wahren Probleme im Körper liegen. Dürst: "Natürlich ist jeder Mensch unterschiedlich, und natürlich reagiert jeder auf Stress-Situationen anders. Aber es gibt bestimmte Körperstellen, die anfällig sind, bei unterschiedlichen Arten von Stress. Ein gutes Alltagsbeispiel ist die sprichwörtliche 'Angst im Nacken'. Unterdrückte Gefühle, wie Angst oder Wut, führen in der Regel zu muskulärer Anspannung. Fehlen Möglichkeiten zur Entlastung oder Entspannung kann dies in der Summe bzw. im Laufe der Zeit dazu führen, dass es über die erhöhte Anspannung zu Schmerzen im Körper kommt."

Dass es durch unterdrückte Gefühle und unbewusste seelische Konflikte zu körperlichen Erkrankungen kommen kann, hat der ungarische Arzt und Psychoanalytiker Franz Alexander bereits 1950 in seiner Theorie der "holy seven" (Übersetzt: "heiligen sieben") psychosomatischen Erkrankungen beschrieben. Dazu gehören nach Alexander:

  • die Atemnot (Asthma bronchiale)
  • das atopische Ekzem (Neurodermitis)
  • der Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie)
  • die chronische entzündliche Darmerkrankung (Colitis ulcerosa)
  • die rheumatoide Arthritis
  • die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und
  • das Zwölffingerdarm-Geschwür (Ulcus duodeni)

Dürst dazu: "Natürlich ist es zu einfach alles sofort als psychosomatisch zu bezeichnen. Dennoch spielt meiner Erfahrung nach die Seele in den meisten körperlichen Erkrankungen eine Rolle. Wenn der Seele die Worte fehlen, dient der Körper häufig als Ausdruck unbewusster seelischer Konflikte und Spannungen, oder drastischer gesagt: 'Dein Körper spricht mit dir und das umso lauter, je mehr du deine Seele vernachlässigt hast'.“

5 Schmerzen, die durch Gefühle verursacht werden

5 Beispiele wie sich seelische Belastung aus heutiger Sicht auf den Körper auswirken kann – sehen Sie hier:

1. Rückenschmerzen: Sie gehören zu den häufigsten Arten der psychosomatischen Erkrankungen. Vor allem Belastungen am Arbeitsplatz oder im Alltag können zu Rückenschmerzen führen. Das Problem: Der andauernde seelische Druck wird nicht ausreichend abgebaut. Zeitmangel und Antriebslosigkeit können die Schmerzen noch verschlimmern, weil der nötige Ausgleich fehlt.

Sprichwörtlich: Angst im Nacken; eine schwere Last auf den Schultern tragen; Ich muss buckeln; ….

Tipp: Auch wenn es schwerfällt, das schlechteste bei Rückenschmerzen ist, sich nicht zu bewegen. Rückenübungen, Entspannungstechniken und Bewegung können helfen.

Nicht nur bei Rückenschmerzen ist Bewegung hilfreich. Erfahren Sie hier, bei welchen Krankheiten Sport gut ist.

2. Magenprobleme: Psychische Belastungen, wie unterdrückte Gefühle, Ärger und Angst schlagen ganz besonders schnell auf den Magen und den Darm. Da das Verdauungssystem stark verbunden ist mit der Verarbeitung dieser Gefühle, nennt man es auch das emotionale Gehirn. Bei negativem Stress, Ängsten oder auch unterdrückter Wut, verkrampft sich der Magen, es wird mehr Magensäure produziert, was wiederum zu Sodbrennen und zu Übelkeit, Blähungen, Krämpfen und Magengeschwüren führen kann.

Sprichwörtlich: Es schlägt mir auf den Magen; in sich hineinfressen; liegt mir wie ein Stein im Magen;….

Tipp: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung sollten zum Alltag gehören. Wichtig: Essen Sie bewusst, nehmen Sie sich Zeit für die Mahlzeiten. Und bauen Sie Phasen der Entspannung in Ihren Tag ein, so kann der Magen leichter zur Ruhe kommen. Außerdem ist regelmäßige Bewegung, auch schon mit geringer Belastung, hilfreich.

3. Kopfschmerzen: Ca. 70 Prozent der Bevölkerung leidet phasenweise oder auch chronisch unter Kopfschmerzen. Medizinisch können über 100 Arten von Kopfschmerzen unterschieden werden. Am häufigsten tritt der klassische Spannungs-Kopfschmerz auf. Symptome wie brummen, pochen oder stechen hängen fast immer mit ungelöster emotionaler Spannung zusammen. Diese beeinträchtigt das muskuläre System, den Hormonhaushalt und auch die Blutversorgung. Sind diese Systeme dauerhaft davon betroffen können sich chronische Kopfschmerzen entwickeln.

Sprichwörtlich: du bist engstirnig, ich zerbreche mir den Kopf, dickköpfig sein;...

Tipp: Machen Sie Entspannungstraining, gönnen Sie sich Auszeiten. Auch das Gehirn braucht regelmäßige Pausen. Achten Sie auf Ihre Ernährungsgewohnheiten, denn das Essen hat maßgeblichen Anteil daran, wie leistungsfähig der Körper ist.

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4. Fibromyalgie: Beim Fibromyalgie-Syndrom handelt es sich meistens um Schmerzen im Bewegungsapparat. Dieser wird von Betroffenen häufig als Ganzkörperschmerz in der Muskulatur und den Sehnen beschrieben. Kernsymptome des Fibromyalgie-Syndroms sind neben den chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen, Schlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf, Müdigkeit sowie körperliche und/oder geistige Erschöpfungsneigung.

Die Schmerzen treten meist auf, wenn über einen längeren Zeitraum eine private und berufliche Belastungs-Situation mit starker körperlicher und seelischer Überforderung besteht. Patienten mit dieser Erkrankung könnte man als "klassische Durchhalter" bezeichnen. Es handelt sich dabei um Persönlichkeiten die oft auf die "Zähne beißen", sich immer wieder "durchbeißen" und dabei über lange Zeit über ihre Grenzen gehen.

Sprichwörtlich: sich zusammenreißen; am Riemen reißen; Indianer kennt keinen Schmerz; …

Tipp: Auf eine grundlegende Reduzierung der Belastungen im Alltag sollte geachtet werden. Das Erlernen und die Ausübung vom Entspannungsverfahren ist in vielen Fällen ebenfalls sinnvoll. Ein Experte sollte darüber hinaus über ein Schmerzmanagement bzw. eine medikamentöse Behandlung entscheiden.

5. Schlafstörungen: Schlafstörungen gehören mittlerweile zu den häufigsten Beschwerden überhaupt und sind oft Folge der zuvor genannten Schmerz-Erkrankungen. Schlechtes Einschlafen und nächtliches Aufwachen mit Schwierigkeiten wieder einzuschlafen, können die Folgen von starker körperlicher oder seelischer Tagesbelastungen sein. Ungelöste Konflikte, Überforderungsgefühle oder auch Schmerzen können den Schlaf dauerhaft beeinträchtigen.

Mangelnde Schlaf-Hygiene kann ebenfalls zu Schlafstörungen führen. Hier sind vor allem der abendliche PC- und Smartphone-Konsum und auch eine zu lange Fernseh-Nutzung zu nennen. Und auch spätes sowie übermäßiges Essen verhindern gesunden Schlaf, ebenso wie Alkoholkonsum. Die Folgen unzureichender Schlafdauer sind Erschöpfung, geringe Belastbarkeit oder Gereitzheit.

Sprichwörtlich: Das raubt mir den Schlaf, Das nehme ich mit in die Nacht, ich komme nicht zur Ruhe;...

Tipp: Achten Sie auf Schlafhygiene. Probieren Sie aus, was Ihnen am Abend guttut, damit sich der Körper entspannen und auf dem Schlaf vorbereiten kann. Auch hier können Entspannungsverfahren unterstützend helfen.

Zwei beliebte Verfahren, um den Körper im Gleichgewicht zu halten, sind Yoga und Meditation.

Fazit zu psychosomatischen Schmerzen: Immer die Gründe abklären lassen

Sowohl der Körper als auch die Seele müssen im Gleichgewicht sein, damit der Mensch sich wohlfühlt. Häufig wird der Einfluss der Psyche aber noch unterschätzt. Dürst rät: "Wenn ein Schmerz über einen längeren Zeitraum anhält, sollte in jedem Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden, um die Gründe abzuklären. Der Hausarzt sollte, in der Regel, in so einem Fall der erste Ansprechpartner sein. Wenn eine körperliche Erkrankung ausgeschlossen werden kann, sollte der Arzt in einem ausführlichen Gespräch die persönliche Belastungssituation des Patienten klären."

Mithilfe einer Psychotherapie können Betroffene anschließend lernen, über ihre emotionalen Belastungen und Konflikte zu sprechen. Indem sie ihre seelische Verfassung in Worten formulieren und offen aussprechen, bekommt der Körper ein neues Ventil, um die Spannungen abzubauen – Ziel ist es, dass der Körper sich nicht mehr nur auf der körperlichen Ebene ausdrücken muss und Schmerzen oder andere Symptome zurückgehen.

Grundsätzlich ist es wichtig, der Ursache zeitnah auf den Grund zu gehen, denn sowohl körperliche als auch psychosomatische Schmerzen können chronisch werden. Und somit die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen.

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Thomas Dürst arbeitet als Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in Berlin. Seine Spezialgebiete sind vor allem psychosomatische Erkrankungen, Burn out Syptomatiken und sowie Angst- und Depressionserkrankungen. Mehr Informationen über Herrn Dürst und seine Kontakt-Daten finden Sie auf seiner Website: http://duerst-psychotherapie.de

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