13.11.2018

Schmerzen, Atemnot & Angst Broken-Heart-Syndrom: Wenn Trauer und Stress aufs Herz gehen

Psychische Belastung kann zu einem Broken-Heart-Syndrom führen – das sehen Ärzte betroffenen Herzen sogar an!

Foto: iStock/Nicolas McComber

Psychische Belastung kann zu einem Broken-Heart-Syndrom führen – das sehen Ärzte betroffenen Herzen sogar an!

Herzen können tatsächlich brechen: Vor allem bei Frauen führen psychische Belastungen oft zu Symptomen, die denen eines Herzinfarkts ähneln. Jetzt schlagen Forscher Alarm, denn das Broken-Heart-Syndrom ist gefährlicher als bisher gedacht!

Herz und Psyche sind eng verbunden. Stress, aber auch Freude lassen es höher schlagen und bei frisch Verliebten kommt es auch mal zu einem Stolpern. Gefährlich ist das in der Regel nicht. Anders sieht das jedoch aus, wenn es durch starke negative seelische Belastung zum Broken-Heart-Syndrom kommt, etwa durch einen Trauerfall, Mobbing, Trennung oder Liebeskummer. Dann überschwemmen Stresshormone den gesamten Körper. Der Herzmuskel und vermutlich auch die Herzgefäße verkrampfen sich.

Typische Anzeichen für das Broken-Heart-Syndrom

Dadurch kann es zu dramatischen Symptomen kommen, die sich nicht von denen eines Herzinfarkts unterscheiden lassen, nämlich:

  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • Herzenge
  • Herzrasen, Herzstolpern
  • kalter Schweiß
  • oft Todesangst
  • manchmal Ohnmacht

In die Klinik eingeliefert zeigen EKG und Blutuntersuchung, dass es sich tatsächlich um einen Herzinfarkt handeln könnte. Doch anhand des Herzkatheters wird klar: Alle Gefäße sind frei und offen – also nicht verengt oder verstopft wie das bei einem Herzinfarkt der Fall ist. Allerdings ist die linke Herzkammer an ihrer Spitze ausgebuchtet wie ein Tonkrug.

Broken-Heart-Syndrom – warum vor allem Frauen gefährdet sind

Die Diagnose lautet dann Broken-Heart-Syndrom, medizinisch Takotsubo-Kardiomyopathie (TTC). Denn die Form des Herzens erinnert an den Tonkrug Tako Tsubo, das traditionelle japanische Fanggerät für Tintenfische. Japanische Ärzte waren es, die zum ersten Mal die fürs Broken-Heart-Syndrom typische Formveränderung am Herzen registriert hatten.

Immerhin zwei Prozent aller Patienten, die mit dem Verdacht auf einen Herzinfarkt in die Klinik eingeliefert werden, leiden in Wirklichkeit am Broken-Heart-Syndrom. 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen, eventuell auch, weil sie besonders sensibel auf psychische Stressfaktoren reagieren.

Medikamente zur Behandlung des Broken-Heart-Syndroms

Mit Betablockern und Beruhigungsmitteln wird das gestresste Herz therapiert. Der Patient bleibt dazu ein paar Tage im Krankenhaus. Denn in seltenen Fällen kann es zu einem Kreislaufversagen kommen.

Anders als beim Herzinfarkt bleiben jedoch keine Narben am Herzen zurück und die Herzfunktion sollte auch wieder so gut wie vor dem Ereignis sein. So jedenfalls lautete die Lehrmeinung bis vor kurzem. Eine Banalität ist das Broken-Heart-Syndrom dennoch nicht. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).

"Lange Zeit dachte man, die Erkrankung wäre harmlos, denn in der Regel hat sich die Herzfunktion nach spätestens drei Monaten wieder erholt", sagt Studienleiter Dr. Ibrahim El-Battrawy. "Doch tatsächlich können noch Monate danach ernsthafte Folgeerkrankungen auftreten, und bis zu vier Prozent der Patienten sterben sogar nach einer Takotsubo-Kardiomyopathie."

Unterschiedliche Risikofaktoren bei Frau und Mann

Dieses Risiko besteht vor allem dann, wenn nicht nur seelischer Stress, sondern auch massive körperliche Belastung vorliegen. Dann sind vor allem Männer gefährdet, die Takotsubo-Kardiomyopathie zu entwickeln und schwerwiegende Komplikationen zu bekommen. Zu den gefährlichen körperlichen Belastungen zählen etwa eine Infektion oder ein Unfall. Für Frauen dagegen ist der emotionale Stress besonders riskant.

"Es ist also wichtig, die Patienten kurz- und langfristig im Auge zu behalten. Unabhängig vom Auslöser sollte man sie genauso engmaschig überwachen wie Herzinfarkt-Patienten und nach der Entlassung aus dem Krankenhaus regelmäßig untersuchen", rät der Experte.

Schon frühere Studien hatten Hinweise erbracht, dass das Syndrom des "gebrochenen Herzens" manchmal nicht ganz so harmlos ist, wie oft erklärt wird. Wer also wegen der entsprechenden Anzeichen wie starker Brustschmerzen in eine Klinik eingeliefert wird und die Diagnose TTC erhält, darf zwar erleichtert sein, dass es kein Herzinfarkt ist, sollte aber trotzdem auf regelmäßige Nachuntersuchungen bestehen.

Zum Weiterlesen: Hier erfahren Sie, welche Symptome für einen Herzinfarkt typisch sind – gerade bei Frauen.

Weitere nützliche Infos zu Krankheiten wie Schlaganfall finden Sie bei uns.

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