03.07.2016

Häufiges Frauenleiden Endometriose – 13 Symptome, die jede Frau kennen sollte

Starke Schmerzen vor und während der Regelblutung sind nur eines der zahlreichen Endometriose-Symptome.

Foto: ©iStock/vitapix

Starke Schmerzen vor und während der Regelblutung sind nur eines der zahlreichen Endometriose-Symptome.

Es gibt eine Reihe von Anzeichen, bei denen Sie vermutlich nicht gleich an Endometriose denken, auf die Sie aber trotzdem ein Auge haben sollten. Denn wenn Endometriose frühzeitig und gut behandelt wird, lässt sich eine lange Leidenszeit vermeiden.

Im Durchschnitt verstreichen sechs Jahre, bis die Diagnose "Endometriose" gestellt wird. Denn die Symptome der Frauenkrankheit sind sehr unterschiedlich und manchmal unspezifisch. Bei Endometriose wächst Gewebe, das ähnlich wie die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) strukturiert ist, an anderen Stellen im Körper. Das können etwa Eierstöcke, Darm, Blase, Zwerchfell oder sogar die Lunge sein – in seltenen Fällen kann sogar das Gehirn betroffen sein.

Endometriose führt zu Entzündungen und Verwachsungen

Diese Endometriose-Herde hängen, ebenso wie die Schleimhaut in der Gebärmutter, von den weiblichen Geschlechtshormonen ab, sie wachsen und bluten entsprechend dem Zyklus. Sprich: Setzt die Monatsblutung ein, bei der die über den Zyklus gewachsene Gebärmutterschleimhaut mit abgestoßen wird, wird das "zusätzliche" Gewebe im Körper von Endometriose-Patientinnen in dieser Zeit ebenfalls abgestoßen.

Der Körper reagiert darauf mit Entzündungen, die wiederum Zysten und Vernarbungen nach sich ziehen können – überall dort, wo sich dieses Gewebe befindet. Kein Wunder also, dass die Symptome von Endometriose so unterschiedlich sind und die Krankheit daher lange unentdeckt bleiben kann.

Ursachen der Erkrankung bisher hypothetisch

Woher es kommt, dass sich endometrisches Gewebe auch in anderen Körperregionen entwickelt, ist nicht ganz geklärt, Forscher müssen bis heute mit Hypothesen arbeiten. Das liegt unter anderem daran, dass bei fast allen Frauen während der Menstruation das Blut nicht nur nach außen abgeleitet wird. Ein Teil gelangt inklusive Gewebe der Gebärmutterschleimhaut auch in den Bauchraum und kann dort Endometriose-Inseln bilden beziehungsweise in weitere Bereiche des Organismus gelangen.

Neben dieser Hypothese gibt es einen Erklärungsversuch, der genetische Einflüsse dafür verantwortlich macht, dass sich Gewebe außerhalb der Gebärmutter in Endometriose-Gewebe umwandeln kann. Eine Fehlfunktion des Immunsystems und die Ausbreitung von Zellen der Gebärmutterschleimhaut über das Blut und die Lymphe könnten zudem eine Rolle spielen.

Endometriose hat man daher nicht einfach, sie entwickelt sich. Und das Risiko ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Nach Wahrscheinlichkeitsfaktoren haben Frauen, deren Regelblutung überdurchschnittlich lange dauert, ein doppelt so hohes Risiko, wie Frauen mit einer kurzen Menstruation. Die Endometriose-Wahrscheinlichkeit wird auch deutlich erhöht, wenn die erste Regelblutung in einem sehr jungen Lebensalter eintritt oder die erste Schwangerschaft spät eintritt. Das heißt, die Anzahl der Tage – auch bezogen auf das ganze Leben –, an denen die Regelblutung stattfindet, lässt eine Aussage über das Endometriose-Risiko zu.

So erkennen Sie Endometriose

Endometriose kann also viele Symptome mit sich bringen, meist unspezifische, die aber in ihrem Zusammenwirken einen Hinweis auf die Erkrankung geben können. Folgende 13 Anzeichen sollten Sie deshalb mit Ihrem Gynäkologen besprechen:

  • starke Bauchschmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen, kurz vor und während der Menstruation
  • Rückenschmerzen während der Menstruation, oft Beschwerden am unteren Rücken
  • Schmerzen beim Eisprung
  • Schmerzen beim Sex – nicht nur währenddessen, sondern auch danach
  • Schmerzen, wenn der Arzt Sie gynäkologisch untersucht
  • Krämpfe im Darm oder an der Blase, je nachdem, an welchem Organ sich ein Endometriose-Herd befindet
  • Darm und Blase schmerzen beim Toilettengang
  • wenn Sie Ihre Regel haben, kommt es manchmal zu leichten Blutungen aus Blase und Darm
  • Sie neigen während der Periode zu Kreislaufproblemen wie Schwindel, niedrigem Blutdruck und Ohnmacht oder leiden an allgemeinem Unwohlsein und Übelkeit.
  • Husten während der Menstruation
  • zyklusabhängige Schulterschmerzen oder Kopfschmerzen
  • Sie werden während der Menstruation häufig krank (Infektneigung)
  • unerfüllter Kinderwunsch durch verschlossene Eileiter, wenn das Gewebe dort oder in den Eierstöcken auftritt

Neben diesen körperlichen Symptomen kommen aber auch psychische Endometriose-Symptome dazu. Laut verschiedener Studien können auch verstärkte Angstzustände oder auch Depressionen in Kombination mit dem einen oder anderen physischen Symptom auftreten.

Endometriose ist weiter verbreitet als man denkt – aber oft unerkannt

Bis zu sechs Millionen Frauen in Deutschland haben Endometriose – genau lässt sich das aber nicht feststellen. Man geht davon aus, dass zwischen zwei und 50 Prozent der Frauen, bei denen ohne Beschwerden eine Erhebung gemacht wurde, sogenannte "stille" Endometriose-Herde aufweisen, die keine spürbaren Symptome verursachen.

Haben Frauen eine starke und schmerzhafte Regelblutung, gehen Mediziner davon aus, dass 40 bis 60 Prozent von ihnen an der Erkrankung leiden. Und bei 20 bis 30 Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen liegt der Grund für die ausbleibende Schwangerschaft dafür vermutlich an einer Endometriose.

Die ersten Beschwerden treten normalerweise irgendwann im fruchtbaren Alter auf und können sich auch relativ spontan entwickeln. Eine Endometriose verläuft meist chronisch. Es kann aber auch vorkommen, dass sich Endometriose-Herde wieder zurückbilden. Sobald die Wechseljahre einsetzen und die Monatsblutung ausbleibt, gehen aber im Normalfall auch die Beschwerden zurück.

Wie kann die Endometriose festgestellt und behandelt werden?

Diagnostiziert wird die Endometriose zunächst über eine Tastuntersuchung. Im konkreten Verdachtsfall wird eine Bauchspiegelung angesetzt, die einen sicheren Aufschluss bietet. Neben entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten werden auch Arzneimittel eingesetzt, die das weibliche Sexualhormon Östrogen hemmen.

Als letzte Therapiemöglichkeit können auch operative Eingriffe vorgenommen werden, die in einer Entfernung der Gebärmutter gipfeln. Um dies zu vermeiden, ist es wichtig, die Endometriose in einem sehr frühen Stadium zu behandeln. Frauen, die entsprechende Beschwerden haben, sollten also ihren Frauenarzt darauf aufmerksam machen.

Viele der Symptome können aber auch auf ein Myom hinweisen. Welche Symptome dabei vorliegen und wann operiert werden sollte, um die zwar meist gutartigen, aber unter Umständen starke Probleme und Schmerzen verursachenden Wucherungen zu entfernen, lesen Sie bei uns.

Wollen Sie mehr über Rückenschmerzen und deren Ursachen sowie Depression erfahren? Dann schauen Sie doch auf unseren Themenseiten vorbei.

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