28.09.2018

Alkoholintoleranz Alkoholallergie – oder doch nur ein Kater?

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Nicht alle Menschen vertragen Alkohol gut. Erfahren Sie, was hinter einer Alkoholallergie stecken kann, weshalb Sie noch auf alkoholische Getränke reagieren können und welche Sie dann besser meiden.

Foto: iStock/DjelicS

Nicht alle Menschen vertragen Alkohol gut. Erfahren Sie, was hinter einer Alkoholallergie stecken kann, weshalb Sie noch auf alkoholische Getränke reagieren können und welche Sie dann besser meiden.

Nur ein kleines Glas Wein und trotzdem solche Kopfschmerzen? Das könnte eine Alkoholallergie sein. Meist haben die Beschwerden aber andere Ursachen.

Nach einer durchzechten Nacht fühlt man sich am nächsten Morgen naturgemäß eher bescheiden. Der Schädel brummt, der Magen revoltiert, die Augen sind rot und verquollen. Man hat einen Kater. Doch manch einer leidet unter diesen Symptomen auch, wenn er wirklich nur ein kleines Glas Wein oder Bier getrunken hat. Oder reagiert auf Alkohol mit allergischen Symptomen wie verstopfter Nase, Schnupfen, Gesichtsröte und Hautausschlag. Und fragt sich dann zu Recht: Habe ich vielleicht eine Alkoholallergie?

Warum der eine problemlos eine ganze Flasche leeren kann, der andere aber schon nach einem Gläschen furchtbar leiden muss, kann aus medizinischer Sicht ganz verschiedene Ursachen haben. Als Gründe kommen in Frage:

  • Alkoholintoleranz aufgrund eines angeborenen Enzymmangels
  • Allergie oder Unverträglichkeit auf einen der Inhaltsstoffe (beispielsweise Weizen, Hefe, Fruchtzucker oder Sulfit)
  • die generell allergieverstärkende Wirkung des Alkohols
  • Histaminintoleranz, eine der häufigsten Unverträglichkeiten
  • echte Alkoholallergie (Ethanolallergie)

Was im Einzelnen dahinter steckt, ist manchmal gar nicht so leicht herauszufinden. Meist kommt man nicht umhin, sich auf eine mühsame Ursachenforschung zu begeben und sich vorsichtig an verschiedene Alkoholsorten und bekömmliche Mengen heranzutasten.

Was passiert im Körper, wenn wir Alkohol trinken?

Wie viel Alkohol wir vertragen, hängt biologisch von verschiedenen Faktoren ab: von der Konstitution, von der Gewöhnung – klar, wer häufig trinkt, verträgt gewöhnlich mehr – und auch vom Geschlecht. Frauen bauen Alkohol generell langsamer ab als Männer. Außerdem gibt es tatsächlich Menschen, die Alkohol sehr schlecht oder gar nicht verstoffwechseln. Dann ist oft ein Enzymmangel schuld.

Alkoholabbau gehört in den Aufgabenbereich der Leber

Die Leber ist unser wichtigstes Filterorgan. Sie sorgt dafür, dass all die giftigen Stoffe wieder ausgeschieden werden, die wir zu uns nehmen und die uns ansonsten großen Schaden zufügen würden. Für den Abbau des Blutalkohols wird das Enzym Alkoholdehydrogenase, kurz ADH, benötigt. Fehlt ADH oder wird es nicht ausreichend gebildet, kann das giftige Acetaldehyd nicht zu harmlosem Acetat umgebaut werden und verbleibt im Körper. Dort löst es unangenehme Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Gesichtsröte und Herzrasen aus.

Einen zu hohen Acetaldehyd-Spiegel kennen wir fast alle: Wenn wir zu viel Alkohol auf einmal getrunken haben, kommt die Leber mit dem Abbau nicht mehr nach und wir bekommen einen Kater. Schlimmstenfalls kann das sogar zu lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen führen. Man spricht dann von einer Alkoholvergiftung.

Alkoholunverträglichkeit kann angeboren sein

Manchen Menschen fehlt von Geburt an das Enzym für den Alkoholabbau. Sie haben einen genetisch bedingten ADH-Mangel. Besonders häufig kommt das bei Menschen ostasiatischer Herkunft vor, bei uns Mitteleuropäern ist das aber eher selten. Vermutlich, weil Alkohol immer schon fest zu unserer Kultur gehört hat und wir im Laufe der Jahrhunderte eine bestimmte Toleranz entwickelt haben. Trotzdem gibt es auch in unseren Breiten eine Menge Menschen, die schon auf geringe Alkoholmengen mit Katersymptomen reagieren oder auf Alkohol eine allergische Reaktion zeigen.

Alkoholallergie oder Alkoholunverträglichkeit?

Grundsätzlich gilt es erst einmal zu klären, ob eine Allergie oder Unverträglichkeit vorliegt. Im allgemeinen Sprachgebrauch vermischen wir beide Begriffe gern, doch es besteht ein Unterschied: Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem völlig überzogen auf einen eigentlich eher harmlosen Stoff. Im konkreten Fall auf den Alkohol oder auf einen der anderen Inhaltsstoffe des alkoholischen Getränkes. Das Ergebnis kann eine laufende Nase oder ein Hautausschlag sein – oder in extremen Fällen sogar ein lebensgefährlicher anaphylaktischer Schock.

Bei einer Unverträglichkeit (medizinisch Intoleranz) kann der Körper einen bestimmten Stoff hingegen nicht abbauen oder verdauen. Mit dem Immunsystem hat das erst mal gar nichts zu tun, sondern mit dem Stoffwechsel. Grund für die Beschwerden ist oft ein Mangel an einem bestimmten Enzym, wie etwa bei der Alkoholunverträglichkeit oder auch bei der Histaminintoleranz. Einen Hinweis, ob es sich um eine Alkoholallergie handelt, können die Symptome liefern.

Alkoholallergie oder vielleicht doch ein Schnapsschnupfen?

Fließschnupfen, Niesen, Juckreiz, Hautauschlag – das sind die klassischen Anzeichen einer Allergie und sie können auch vom Alkohol selber, vom Ethanol ausgelöst werden. Eine echte Alkoholallergie, in der Medizin Ethanolallergie genannt, ist aber wirklich selten. Viel häufiger reagieren Menschen auf einen der anderen Zusatzstoffe im Wein, Bier oder Cocktail überempfindlich.

Doch damit nicht genug: Der Alkohol wirkt zusätzlich als Verstärker bei allergischen Reaktion jeglicher Art – ähnlich wie körperliche Anstrengung oder Fieber. Dadurch kann die allergische Reaktion unter Alkoholeinfluss wesentlich stärker ausfallen als gewohnt. Da kann man seinen Heuschnupfen schon mal als Alkoholallergie fehlinterpretieren.

Keine allergische Reaktion ist übrigens der sogenannte Schnapsschnupfen, auch wenn er mit Niesen und Fließschnupfen einhergeht. Durch den Alkohol erweitern sich die Blutgefäße im Gesicht, und das führt – neben roten Bäckchen – auch zu einem Anschwellen der Nasenschleimhaut. Das Ergebnis ist dann eine laufende oder verstopfte Nase nach Alkoholgenuss, die manchmal von Juckreiz und Niesen begleitet werden kann.

Sulfit-Allergie – wenn Rotwein Kopfweh macht

Ein besonders häufiger Allergieauslöser ist Sulfit. Sulfite sind die Salze der Schwefelsäure und stecken vor allem im Rotwein. Ein deutliches Zeichen für eine Sulfitallergie: Es geht einem nur nach dem Konsum von Rotwein schlecht, andere Alkoholsorten werden hingegen gut vertragen. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Juckreiz, Durchfall und Herzrasen. Die gute Nachricht für sulfit-empfindliche Weinliebhaber: Es gibt inzwischen viele Rotweinmarken, die ohne Sulfite auskommen. Achten Sie auf den Hinweis auf dem Etikett „enthält keine Sulfite“.

Katerähnliche Symptome durch Histaminintoleranz

Ein weiterer häufiger Grund, warum viele Menschen Alkohol schlecht vertragen, ist eine Histaminunverträglichkeit. Betroffene leiden nach dem Genuss von alkoholischen Getränken häufig unter Symptomen wie Kopfschmerzen, Bauchweh, Durchfall, Schwindel, Herzrasen, Hautjucken und Ausschlag. Wäre da nicht letzteres, könnte man an einen ganz gemeinen Kater denken. Doch wenn Hautreaktionen hinzukommen, liegt es vermutlich eher am Histamin.

Histamin ist ein Gewebehormon, das im menschlichen Körper vorkommt und auch in vielen Lebensmitteln von Natur aus enthalten ist. Eine Histaminintoleranz gilt als einer der häufigsten Auslöser von Beschwerden in Verbindung mit Alkohol. Ursache ist ebenfalls ein Enzymmangel, und zwar fehlt hier das histaminabbauende Enzym Diaminoxidase (DAO).

Alkohol und Histamin – keine gute Kombination

Wer unter Histaminintoleranz leidet, der bekommt meist auch von anderen Lebensmitteln Verdauungsbeschwerden. Vor allem Fertiggerichte und aufgewärmte Speisen haben einen hohen Histamingehalt, außerdem Tomaten, Käse, Sauerkraut, viele Brotsorten und leider auch Wein und Bier. Der Histamingehalt wächst mit der Reife, der Haltbarmachung und der Weiterverarbeitung von Lebensmitteln – deshalb ist die Wirkung von vergorenen Getränken besonders heftig. Dummerweise wird der Effekt vom Alkoholgehalt auch noch verstärkt, denn:

  • Alkohol fördert die Freisetzung von Histamin im Körper.
  • Alkohol hemmt das körpereigene histaminabbauende Enzym DAO.
  • Alkohol erhöht die Durchlässigkeit der Darmwand, sodass das Histamin schneller in den Körper gelangt und weniger Zeit für den Abbau zur Verfügung steht..
  • Alkohol erweitert die Blutgefäße und verstärkt so die Symptome der Histaminintoleranz.

Wie erkennt man eine Histaminintoleranz?

Wer regelmäßig unter Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen oder Hautausschlag leidet, sollte sich vom Arzt per Bluttest auf eine Histaminintoleranz testen lassen. Ist das Ergebnis positiv, sollte man folgendes beachten:

  • Besonders hoch ist der Histamingehalt in Rotwein, Portwein, Sherry und Champagner. Weißwein und Sekt haben meist weniger Histamin. Am besten fragen Sie Ihren Weinhändler nach histaminarmen Sorten.
  • Obergärige Biere wie Weißbier oder Ale haben immer mehr Histamin als untergärige Biersorten wie Helles und Pils. Schuld daran ist der Hefegehalt. Aber Vorsicht: Auch alkoholfreies Bier enthält etwas Histamin!
  • Bei den hochprozentigen Getränken haben Whisky und Cognac vergleichsweise viel Histamin. Wodka, Gin und heller Rum sind hingegen eher histaminarm.

Was Sie bei Histaminintoleranz essen und trinken dürfen, lesen Sie hier.

Wer auf Alkohol nicht verzichten möchte, sollte dazu möglichst keine histaminhaltigen Lebensmittel zu sich nehmen. Besonders tückisch ist die Kombination von "Histaminbomben" wie Rotwein und reifem Käse oder das süffige Hefeweißbier zu Sauerkraut und Würstchen. Dann sind Bauchschmerzen und Kopfweh schon fast vorprogrammiert. Allerdings kann man sich vor Festen oder anderen Gelegenheiten, bei denen man mal ein bisschen über die Stränge schlagen möchte, vorher auch das Enzym DAO in Tablettenform zuführen.

Ansonsten hilft es, sich vorsichtig an verschiedene Sorten von Alkohol heranzutasten und sie in kleinen Mengen auszuprobieren. Auf lange Sicht kommt man allerdings weder bei der seltenen Alkoholallergie noch bei der weitaus häufigeren Alkohol- oder Histaminintoleranz um folgendes herum: den Alkoholgenuss weitestgehend einzuschränken. Denn nur wer wenig bis gar nichts trinkt, bleibt von Schnapsschnupfen, allergischen Reaktionen und Katersymptomen sicher verschont. Dafür wird auch die Leber sehr dankbar sein.

Und wenn's doch mal Alkohol sein soll, haben wir ein paar Tipps, um einen Kater zu vermeiden – und ihn zu bekämpfen. Das hilft auch, wenn eine der oben genannten Probleme wie Alkoholallergie auf Sie zutreffen.

Mehr zu Allergien und Intoleranzen können Sie auf unserer Themenseite erfahren.

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