Aktualisiert: 04.12.2019 - 14:28

Fruchtzuckerunverträglichkeit Die richtige Ernährung bei Fructoseintoleranz

Bei Fructoseintoleranz müssen auf die Ernährung achten, um nicht unter den lästigen Beschwerden zu leiden. Doch keine Sorge: Sie müssen nicht lebenslang auf alle Früchte verzichten. Lesen Sie mehr.

Foto: iStock/Lena_Zajchikova

Bei Fructoseintoleranz müssen auf die Ernährung achten, um nicht unter den lästigen Beschwerden zu leiden. Doch keine Sorge: Sie müssen nicht lebenslang auf alle Früchte verzichten. Lesen Sie mehr.

Wenn der Verzehr von Obst und Fruchtsäften zu Magen-Darm-Beschwerden führt, kann das an einer Fruchtzuckerunverträglichkeit liegen. Die richtige Ernährung ist bei der sogenannten Fructoseintoleranz das A&O. Erfahren Sie, was Sie essen und was Sie meiden sollten.

Obst ist gesund. Doch das gilt nicht für alle Menschen gleichermaßen: Eine intestinale Fructoseintoleranz, unter der immerhin ca. 30 Prozent der Bevölkerung leiden sollen, lässt Betroffene den in Obst enthaltenen Fruchtzucker nicht vertragen und kann von leichten Verdauungsproblemen bis hin zu starken Magen-Darm-Beschwerden führen. Andere Schätzungen gehen sogar von bis zu 50 Prozent aus, wenn mehr als 25 g Fruchtzucker gegessen werden. Lesen Sie, warum und wie Sie bei Fructoseintoleranz auf die Ernährung achten sollten.

Fructose ist ein sogenannter Einfachzucker. Er steckt in vielen Lebensmitteln und ist auch Bestandteil von unserem oft genutzten Haushaltszucker, der Saccharose. Die setzt sich nämlich jeweils zur Hälfte aus Fructose und Glucose (Traubenzucker) zusammen und ist daher ein Zweifachzucker.

Fructoseintoleranz: Warum die Ernährung umgestellt werden sollte

Bei einer intestinalen Fructoseintoleranz – eher bezeichnet als Fructose-Malabsorption oder Fructose-Unverträglichkeit genannt – handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Transportstörung von Fructose im Darm. Fruchtzucker kann nicht oder nicht komplett vom Körper aufgenommen werden und bleibt daher unverdaut im Darm zurück, wo er zu Beschwerden wie Durchfall, Blähungen und Krämpfen führen kann.

Neben der intestinalen Fructoseintoleranz gibt es noch die hereditäre Fructoseintoleranz, bei der es sich um eine Stoffwechselstörung handelt und bei der die Beschreibung "Intoleranz" tatsächlich zutrifft. Betroffene können den Fruchtzucker zwar über den Darm aufnehmen, aber nicht abbauen, da ihnen das Enzym "Fructose-1-Phosphat-Aldolase" fehlt. Sie müssen zeitlebens auf Fruchtzucker verzichten, da sich sonst schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen entwickeln können. Meist tritt die Erkrankung schon im frühsten Kindesalter auf, da sie erblich bedingt und damit angeboren ist. Wir beschränken uns hier auf die Fructose-Malabsorption.

Eine diagnostizierte Fructoseintoleranz bedeutet daher eine Umstellung der Ernährung, die zumindest für eine gewisse Zeit – der sogenannten Karenzphase – vollkommen frei von Fruchtzucker sein muss.

Doch nicht nur Obst enthält Fruchtzucker – deshalb stellt die Diagnose "Fructose-Malabsoprtion" Betroffene nicht selten vor eine Herausforderung: Welche Lebensmittel enthalten Fructose? Wie sieht eine Ernährung bei Fructoseintoleranz aus? Was darf überhaupt noch gegessen werden? Die Antworten erhalten Sie hier.

Ernährung bei Fructoseintoleranz: Lebenslanger Verzicht auf Fruchtzucker nicht nötig

Die gute Nachricht: Die Diagnose intestinale Fructoseintoleranz bedeutet nicht lebenslanger Verzicht auf Fructose. Im Gegenteil, denn eine vollständig fruchtzuckerfreie Ernährung könnte zu Mangelerscheinungen bestimmter Nährstoffe – wie zum Beispiel Folsäure und Zink – führen.

Viel mehr hat sich bei Fructoseintoleranz eine Ernährungsumstellung in drei Phasen als hilfreich erwiesen, um den Körper dadurch an gewisse Mengen Fruchtzucker zu gewöhnen.

  • Karenzphase: In dieser Zeit wird auf fructosereiche Nahrungsmittel verzichtet, um den Darm zu entlasten und ihn regenerieren zu lassen. In dieser Zeit werden die in Zusammenhang mit der Fructoseintoleranz bestehenden Beschwerden deutlich gemildert. Die Karenzphase kann zwischen 2 und 6 Wochen dauern.
  • Testphase: In der Testphase werden fructosehaltige Lebensmittel nach und nach wieder in die Ernährung integriert, um herauszufinden, welche Lebensmittel der oder die Betroffene gut verträgt und in welcher Menge. Hierbei kann ein Ernährungprotokoll bzw. Ernährungstagebuch helfen. Die Testphase kann mehrere Monate dauern.
  • Langfristige Ernährung: Die während der Testphase erhaltenen individuellen Schlussfolgerungen dienen als Basis der langfristigen Ernährungsumstellung bei Fructoseintoleranz. Je nach Verträglichkeit werden hier jene fructosehaltigen Lebensmittel in die dauerhafte Ernährung integriert, die individuell vertragen werden.

Beachten Sie: Ob tatsächlich eine Fructoseintoleranz bei Ihnen vorliegt, sollten Sie immer ärztlich abklären lassen. Es könnte sich auch um andere Ursachen handeln. Ärzte können die Unverträglichkeit über einen Atemtest feststellen. Es kann dann im Anschluss sehr hilfreich sein, die Testphase und langfristige Ernährungsumstellung gemeinsam mit einer/m Ernährungsberater/in durchzuführen, um die richtigen individuellen Schlussfolgerungen zu ziehen. Lesen Sie auch unseren Ratgeber, wie Sie Schritt für Schritt die Ernährung umstellen.

Der Ernährungsplan bei Fructoseintoleranz

Diese Lebensmittel sollten Sie meiden

Wenn es nur um Obst ginge, wäre eine Fructoseintoleranz möglicherweise einfacher umzusetzen. Doch neben frischen und getrocknetem Obst oder auch Fruchtsäften enthalten weitere Lebensmittel Fruchtzucker. Diese sollten vor allem in der Karenzphase der Ernährungstherapie gemieden werden. Danach können sie, je nach individueller Verträglichkeit, schrittweise wieder in die Ernährung integriert werden.

Auch gut zu wissen: Der Gehalt an Fruchtzucker in Obst ist unterschiedlich, so dass fructosearme Obstsorten bei Fructose-Malabsorption meist weniger Beschwerden hervorrufen.

Diese Nahrungsmittel sind reich an Fruchtzucker:

  • fructosereiches Obst: Apfel, Birne, Mango, Feige, Süßkirsche, Trauben, Kaki sowie Trockenfrüchte und Obstkonserven oder Obstkompott
  • fructosehaltiges Gemüse: Aubergine, Bohne, Fenchel, Karotte, Kohlrabi, Kürbis, Lauch, Rotkohl, Weißkohl, Tomate, Zwiebel
  • Fruchtsäfte und Frucht-Smoothies sowie Fruchtjoghurt, aber auch Limonaden, fertige Eistees und viele andere Softdrinks
  • Konfitüre, Marmelade und Honig
  • Süßungsmittel: Haushaltszucker (besteht zur Hälfte aus Fruchtzucker), Glucose-Fructose-Sirup, Maissirup sowie der Zuckeraustauschstoff Sorbit, Honig, Birkendicksaft, Apfelkraut, Agavendicksaft, Invertzucker
  • Süßigkeiten und Softdrinks, die zuvor genannte Süßungsmittel enthalten
  • Müsli-Mischungen und Müsliriegel sowie Energieriegel
  • Fertigprodukte und Light-Produkte, die zuvor genannte Süßungsmittel enthalten
  • Alkohol

Lesen Sie auch, ob fructosereiches Obst dick macht. Entdecken Sie auf unserer Themenseite zudem weitere Artikel zu Obst.

Das dürfen Sie essen: Diese Lebensmittel sind fructosearm

Vielleicht fragen Sie sich nach der oben stehenden Liste, welche Lebensmittel Sie bei einer Fructoseintoleranz überhaupt noch essen dürfen. Doch tatsächlich gibt es zahlreiche Nahrungsmittel, die fructosearm sind:

  • die meisten Gemüsesorten: vor allem grünes Blattgemüse, Zucchini, Kartoffeln, Knollensellerie, Avocado sowie Salat
  • die meisten Getreideprodukte (bei Vollkorn auf Verträglichkeit achten und in der Karenzphase meiden)
  • Nüsse und Saaten
  • Fleisch, Fisch, Eier
  • naturbelassene Milchprodukte (Milch, Joghurt, Quark, Käse)
  • Öle (Butter sowie pflanzliche Fette)
  • fructoseärmeres Obst: Aprikose, Honigmelone, Papaya, Banane, Pfirsich, Zitrone, Beeren (je nach Verträglichkeit)

Wichtige Ernährungstipps bei Fruchtzuckerunverträglichkeit

Beachten Sie diese Tipps, um Beschwerden einer Fructoseintoleranz zu minimieren:

  • Essen Sie Obst und andere fructosehaltige Lebensmittel in Kombination mit anderen Nahrungsmitteln – das unterstützt die Frucotseabsorption.
  • Vermeiden Sie fructosehaltige Lebensmittel auf leeren Magen.
  • Die Frucoseabsorption soll durch Traubenzucker verbessert werden. Es ist daher hilfreich, immer etwas Traubenzucker für den Notfall dabei zu haben.
  • Essen Sie nur kleine Portionen fructosehaltiger Lebensmittel über den Tag verteilt, um Ihren Darm nicht zu überfordern.
  • Als Süßungsmittel eignen sich Reissirup, Traubenzucker und Stevia.
  • Verzichten Sie auf Süßungsmittel wie Sorbit, Xylit, Mannit oder Isomalt, da sie die Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Darm behindern und die Symptome damit sogar verschlimmern können.

Fructoseintoleranz: Sie müssen nicht lebenslang auf Obst verzichten

Da Fruchtzucker in zahlreichen Lebensmitteln enthalten ist, kann die Diagnose Fructoseintoleranz einen ganz schön aus der Bahn werfen. Zwar bedeutet Fructoseintoleranz, dass die Ernährung umgestellt werden sollte, jedoch muss nicht lebenslang auf Obst verzichtet werden. Denn nach einer initialen Karenzzeit können Früchte und andere fructosehaltige Lebensmittel wieder gegessen werden – die dauerhafte Ernährung gestaltet sich dann individuell und je nach Verträglichkeit.

Übrigens legen Studien nahe, dass Menschen mit Reizdarmsyndrom eher von einer Fructose-Malabsorption betroffen sind als Gesunde. Daher spielt die richtige Ernährung bei Reizdarm auch eine große Rolle.

Lesen Sie weitere wissenswerte Ratgeber rund um Allergien und Intoleranzen – beispielweise auch den Erfahrungsbericht aus dem Leben mit Fructoseintoleranz.

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