Aktualisiert: 23.11.2020 - 11:11

Knackiges Arznei-Gemüse Wer braucht Superfood? Power-Pflanze Sellerie schützt sogar vor Krebs

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Redaktion

Gesunde Ernährung

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Sein Geruch und erst recht sein Geschmack sagen nicht jedem zu, das wissen wir. Doch Knolle und Stange des Selleries können viel für die Gesundheit tun – sagen neue Studien und unsere Heilpflanzen-Experten.

"Ab dem 8. Jahrhundert wurde der Echte Sellerie wie selbstverständlich im Arznei- und nicht im Gemüsegarten angebaut", weiß Dr. Johannes G. Mayer, Leiter der Forschungsgruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg. "Ab dem 19. Jahrhundert wurde er überwiegend als Gemüse verwendet. Wirklich schade, denn seine wertvollen Inhaltsstoffe machen Sellerie tatsächlich zu einer tollen Arzneipflanze."

Unter anderem wirkt Sellerie durch diese Inhaltsstoffe entzündungshemmend, und schützt vor Bakterien und Viren! Auch in der Krebsmedizin spielen sie eine immer größere Rolle. Erfahren Sie, welche gesunde Wirkung Sellerie hat und warum Sie in Ihrer Hausapotheke auf ihn zurückgreifen sollten.

Gesundwunder Sellerie: Diese Wirkung hat das würzige Gemüse

Die Nährwerte von Knollen- und Staudensellerie können sich tatsächlich sehen lassen: Eine Tasse gehackter Sellerie enthält 5 g Ballaststoffe, 5 mg Vitamin K, 36 mg Folsäure, 22 mg Vitamin A, 40 mg Kalzium, 263 mg Kalium. Dazu noch viel Vitamin B1, B2, B6, E und C. Und das bei nur 16 kcal und null Fett. Sellerie enthält außerdem eine Menge entzündungshemmender Antioxidantien und Polyphenole, sekundäre Pflanzenstoffe, die die Blutgefäße geschmeidig halten. Das gilt übrigens sowohl für Stangensellerie als auch für Knollensellerie.

Immer mehr Studien beweisen die gesundheitsfördernden Wirkungsweisen von Sellerie: "Eine Untersuchung der Universität von Missouri deutet sogar darauf hin, dass das Apigenin, ein in Sellerie vorkommender Pflanzenfarbstoff (Flavonoid), das Fortschreiten von hormonabhängigem Brustkrebs womöglich nicht nur verlangsamen, sondern bösartige Tumore verkleinern kann", berichtet Dr. Mayer.

Die Wirkung des hellgelben Sellerie-Pflanzenfarbstoffs bestätigt auch Dr. Wolfgang Feil, Biologe und Leiter der Forschungsgruppe Dr. Feil in Tübingen: "Apigenin schützt vor Darm-, Brust-, Leber-, Haut-, Knochen-, Bauchspeicheldrüsen-, Prostatakrebs und Leukämie", erklärt er. "Er verringert die Aggressivität eines Tumors, verlangsamt die Wachstumsgeschwindigkeit, auch die sogenannte Zellmigration." Apigenin blockiert dabei Signalwege der Krebszellen untereinander so, dass sie nicht mehr als geschlossener Zell-Trupp durch den Körper wandern und Metastasen bilden können.

Apigenin hilft sogar in der Chemotherapie

"Ideal ist Sellerie-Apigenin in Kombination mit anderen Krebstherapien wie z. B. der Chemotherapie. Diese wirkt dadurch effektiver, hat weniger Nebenwirkungen", so Dr. Feil. "Nachgewiesen ist das z. B. für zehn verschiedene Chemo-Typen. Und: Sellerie verhindert auch, dass der Körper Resistenzen gegen Anti-Krebs-Mittel entwickelt."

Außerdem stört der Pflanzenstoff die Fähigkeit von Tumoren, den Körper zur Bildung von neuen Blutgefäßen zu veranlassen, die ihn versorgen. Eine Studie der Universität Missouri zeigt zudem: Bei Frauen, die eine Hormonersatz-Therapie gegen Wechseljahrsbeschwerden machen, schützt Apigenin vorm Wachstum von Brustkrebszellen.

Sellerie-Farbstoff kann bei aggressivem Brustkrebs helfen

Ein zweiter Farbstoff des Gemüses, Luteolin, hilft auch bei der Behandlung von triple (dreifach) negativem Brustkrebs, einer hochaggressiven Tumorform, so eine Studie des Dalton Cardiovascular Research Center, Missouri. Diese Form von Brustkrebs tritt bei 15 bis 20 Prozent der Patientinnen auf, vor allem bei jüngeren Frauen. Luteolin sorgt dafür, dass der Körper krankhafte Zellen entsorgt.

Was Sellerie noch alles kann

Doch nicht nur bei Krebserkrankungen kann Sellerie seine unglaubliche Wirkung entfalten, sondern auch bei folgenden Beschwerden:

  1. Senkt den Blutdruck: Die Pflanzensubstanzen Phthalide und Nitrat-Salze entspannen die Innenwände der Blutgefäße und senken einen zu hohen Blutdruck, zeigen Untersuchungen des Maryland Medical Center in den USA. Das Blut strömt mit einem niedrigeren Druck hindurch.
  2. Entgiftet, spült Blase und Nieren durch: Durch das Weitstellen der Gefäße – auch im Lymphsystem – werden Leber, Nieren und Blase besser durchblutet, so eine Studie der Mashhad-Universität in Iran. Sie arbeiten auf Hochtouren, befördern Umweltgifte z. B. aus Nahrung und Tabletten, aber auch Krankheitserreger wie Bakterien (z. B. einer Blasenentzündung) aus dem Körper.
  3. Schützt vor Harnwegsinfekten: Die ölige Substanz NBP stärkt die Nieren, hat eine wassertreibende Wirkung. Das hilft gut bei Infektionen von Blase und Harnröhre, schützt auch vor Rückfällen.
  4. Schützt den Magen, regt den Darm an: Gerbstoffe und der natürliche Alkohol Ethanol stärken und glätten die Magenschleimhaut und schützen sie vor Angriffen des Keims Helicobacter pylori. Der hohe Gehalt an faserigen Ballaststoffen regt den Darm an, verhindert Verstopfung. Die Sellerie-Stoffe fördern zudem eine gesunde Darmflora. Das wiederum tut unserem Immunsystem gut, das eng mit dem Darm verbunden ist.
  5. Hilft gegen Sodbrennen: Die Gerbstoffe wirken außerdem antioxidantisch und steuern die Produktion von Magensäure so clever, dass es seltener zu Sodbrennen kommt, hat eine Studie der King-Saud-Universität in Riad ergeben. Auch Magengeschwüren lässt sich so vorbeugen.
  6. Wirkt gegen Entzündungen: Organische Glykosid-Verbindungen und der Farbstoff Quercetin hemmen Eiweißstoffe, die Mikro-Entzündungen fördern (Ohio State Universität). Sie lösen Diabetes, Arteriosklerose, Autoimmun-Erkrankungen wie Rheuma, chronische Schmerzen, depressive Verstimmungen und Schlafstörungen aus. Stärkt so auch das Immunsystem und schützt vor Erkältungen, ähnlich wie Ingwer!
  7. Vermindert Leberprobleme: Forscher der ägyptischen Helwan-Universität haben entdeckt, dass Sellerie die Enzymarbeit der Leber verstärkt und eingelagertes Fett abbaut. Das klappt beim Verzehr von täglich 200 bis 300 g Sellerie.
  8. Hält das Gehirn jung, hilft gegen Demenz und beugt Depressionen vor: Das Flavonoid Apigenin fördert nach einer Studie der Universität Rio de Janeiro die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen zu knüpfen. Das wirkt sich nicht nur positiv auf Gedächtnis und Lernfähigkeit aus. Es schützt auch vor Demenz. Der sekundäre Sellerie-Stoff beugt auch Depressionen vor.
  9. Senkt den Cholesterin-und Blutzuckerspiegel: Schon 200 g Sellerie täglich erhöhen die guten HDL-Blutfette, senken gleichzeitig schlechte wie Triglyceride und LDL-Cholesterin um 7 Prozent, berichtet die Northwestern Universität in Chicago, USA. Zudem verzögern die faserigen Ballaststoffe der Heilpflanze die Aufnahme von Zucker ins Blut. Das hält den Blutzucker im grünen Bereich.

Selleriesaft: Powerdrink für ewige Jugend

Doch nicht nur dem gesundheitlichen Wohlbefinden tut Sellerie gut. Der Saft der Pflanze gilt aufgrund seiner Wirkstoffe auch als echter Jungbrunnen. Ein regelmäßiger Konsum soll das Hautbild verbessern, denn er wirkt straffend und soll Pickel und sogar Akne bekämpfen können. Die enthaltenen Antioxidantien wiederum schützen die Haut vor UV-Strahlung.

Außerdem helfen ebenjene Antioxidantien, Mineralien und Spurenelemente dabei, die Dichte der Haare zu verstärken und brechenden Nägeln und Nagelrillen entgegenzuwirken.

Vorsicht bei Allergien!

Allerdings: Menschen mit Heuschnupfen haben oft eine Kreuzallergie mit Sellerie. Und bei einigen reagiert der Darm empfindlich auf das Gemüse. Wem es aber schlicht nicht schmeckt, der kann zu Sellerie-Präparaten aus der Apotheke greifen – oder es doch mal mit den folgenden Rezepten probieren. Sellerie hat zwar einen sehr charakteristischen Eigengeschmack, doch in Kombination mit anderen Aromen ist der vielleicht gar nicht so schlecht. Bei diesen tollen Eigenschaften ist es den Versuch wert.

Einfache Sellerie-Rezepte mit heilender Wirkung

Ernährungsexperte Dr. Wolfgang Feil: "Ich rate dazu, jeden Tag eine Selleriesuppe mit ganz viel apigeninhaltiger Petersilie zu essen oder täglich einen Sellerie-Smoothie zu trinken." Gerade Letzteres dürfte für den einen oder anderen interessant sein.

Smoothies stehen seit Jahren hoch im Kurs, aktuell besonders beliebt: Ingwer-Shots. Warum nicht stattdessen mal einen Sellerie-Shot kreieren? Einen Sellerie-Saft kann man mithilfe einer Saftpresse ganz leicht selbst herstellen. Am besten ganz ohne andere Zutaten morgens auf nüchternen Magen getrunken. Wem's nicht schmeckt, der kann natürlich auch noch anderes Obst und Gemüse dazugeben. Hier gibt's Ideen für die zahlreichen gesunden Anwendungen von Sellerie:

  • Selleriesaft hilft bei Verstopfung, Detox-Frühjahrskur, Frühjahrsmüdigkeit, Blasenbeschwerden: 1 Bund geputzten Staudensellerie (die Blätter des Staudensellerie sind bitterer als die Stangen) oder 1 geschälte, mittelgroße Knolle klein schneiden, in den Entsafter geben. 4 EL am Tag vor den Mahlzeiten. Für Eilige: Sellerie-Presssaft aus dem Reformhaus oder Bioladen.
  • Frucht-Drink entgiftet gründlich: 300 g Staudensellerie, 150 g geschälte Ananas, 20 g Petersilie, 1-2 Äpfel mit Schale grob hacken, Saft von ½ Zitrone in den Mixer geben. 1 Glas täglich.
  • Smoothie stärkt das Immunsystem: 1 Stange Sellerie, 6 frische, geviertelte Tomaten, 3 über Nacht eingeweichte, getrocknete Tomaten, ½ Avocado, 3 Brokkoli-Röschen, 1 Tasse mit Basilikum, Dill und Thymian, 2 EL klein gehackte Walnüsse, 3 EL Leinöl, 4 EL Hafermilch pürieren. 1 Glas täglich.
  • Sellerie-Tee hilft bei Infektanfälligkeit, Sodbrennen, Blähungen, Magenschmerzen: 3 geputzte Selleriestangen oder 1 mittelgroße, geschälte Knolle in kleinere Stücke schneiden. 1 l Wasser aufkochen, Sellerie hinzugeben. Dann 10 Minuten zugedeckt köcheln lassen. Vom Herd nehmen, ½ TL Ingwerpulver dazugeben, 10 Minuten ziehen lassen, Saft von 1 Zitrone dazugießen. Die erste Tasse morgens nüchtern, den Rest über den Tag verteilt trinken. 15 Tage.
  • Massage-Öl hilft bei Gelenk-, Rückenschmerzen, Nackenverspannungen, Muskelkater, blauen Flecken: Wer auf den Geschmack verzichten will, kann Sellerie auch äußerlich anwenden! 10 Tropfen ätherisches Sellerie-Öl (Apotheke) mit 200 ml Jojobaöl vermischen. In den Handinnenflächen anwärmen, Schmerzbereich damit einmassieren. 3 bis 5 Minuten in kleinen Kreisen.

Wichtig: Nutzen Sie immer frischen Sellerie! Frischen Knollensellerie erkennen Sie daran, dass er keine Druckstellen hat und sehr fest ist. Stangensellerie ist im frischen Zustand nicht biegsam und zerbricht knackend.

Sie sehen: Damit steht Sellerie dem Ingwer in Sachen Gesundheit in nichts nach! Wer es also nicht so scharf mag, setzt ab sofort auf den Sellerie-Shot als auf den Ingwersaft.

Darf es etwas deftiger sein? Dann probieren Sie unsere köstliche Kartoffel-Sellerie-Suppe.

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