Jodmangel führt zu Schilddrüsenknoten: Wie hoch ist dein Risiko?
In einer aktuellen Meldung berichtet der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN), dass in Praxen wieder häufiger ein Jodmangel festgestellt wird. Ob du auch betroffen sein könntest, welche Symptome damit verbunden sind und welche Lebensmittel dich gut mit Jod versorgen, erkläre ich dir hier.
Jodmangel: Besorgniserregende Entwicklungen
Aktuelle Daten zeigen, dass Deutschland wieder klar als Jodmangelgebiet gilt: Rund 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen nicht die empfohlene tägliche Jodzufuhr, wie repräsentative Untersuchungen des Robert Koch-Instituts (RKI) belegen.
Jod ist ein essenzielles Spurenelement. Das heißt, der Körper kann es nicht selbst herstellen, sondern wir müssen es mit der Nahrung aufnehmen. Die deutschen Referenzwerte für die Jodzufuhr pro Tag liegen derzeit bei:
- 200 µg für Erwachsene
- 180 µg für Erwachsene ab ca. 50 Jahren
- 230 µg für Schwangere
- 260 µg für Stillende
Zur Orientierung: 5 Gramm jodiertes Speisesalz – ein gestrichener Teelöffel – enthalten etwa 75 bis 125 µg Jod. Damit hast du deinen täglichen Bedarf also schon etwa zur Hälfte gedeckt.
Klingt machbar. Dennoch betrachtet Schilddrüsenspezialist und BDN-Experte Prof. Dr. med. Markus Essler die aktuellen Entwicklungen in Ambulanzen und Praxen mit Sorge. "Typischerweise treten Schilddrüsenknoten erst im Alter auf", sagt Essler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Bonn. "Jetzt aber schicken hausärztliche Praxen vermehrt auch junge Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter zu uns, die sich vegan ernähren."
Aber: Jodmangel ist laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kein spezifisch veganes Problem, sondern gilt global als ein Mangelnährstoff, wobei Personen mit erhöhtem Bedarf besonders betroffen sind.
Bist du betroffen? Diese Symptome könnten einen Jodmangel anzeigen
Lass dich nicht täuschen – die frühen Anzeichen für einen Jodmangel sind diffus und können leicht übersehen werden. Zu möglichen Symptomen gehören Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahme, Frieren, Verstopfung, Haarausfall, depressive Stimmung, trockene Haut und brüchige Nägel.
"Heiserkeit, Schluckbeschwerden und ein empfindlicher Hals sind dann schon eindeutigere Symptome", erläutert Nuklearmediziner Essler.
Werden die Referenzwerte deutlich unterschritten, kann es bei Erwachsenen zu Jodmangelstörungen wie einer Größenzunahme der Schilddrüse (Kropf) oder der Bildung von Schilddrüsenknoten kommen. "Wir erkennen die Patientinnen oft schon daran, dass sie mit großen Pulloverausschnitten im Wartezimmer sitzen, weil sie Rollkragen als störend empfinden und den Hals frei haben möchten", berichtet Essler.
Besonders gefährlich ist ein Jodmangel für Ungeborene und Kleinkinder. Nuklaermediziner Markus Essler: "Eine Unterversorgung in dieser Phase erhöht das Risiko für spätere Einschränkungen der intellektuellen Fähigkeiten und der Feinmotorik."
Die richtige Ernährung: Gut versorgt mit Jod
Jodiertes Speisesalz gilt in deutschen Haushalten immer noch als Jodquelle Nummer eins. Aber bedenke: Auch wenn du fleißig deine Kartoffeln und Nudeln mit jodiertem Speisesalz kochst, spülst du den größten Teil mit dem Kochwasser den Ausguss hinunter.
Durch Düngung und die Anreicherung von Tierfutter mit Jod steigt der Jodgehalt bestimmter Produkte tierischer Herkunft. Dazu gehören Milch, Milchprodukte und Eier, die – genauso wie Meeresfisch und -früchte – eine gute Jodquellen für Mischköstler*innen sind.
Sonderfall vegane Ernährung
Bei vegan lebenden Personen fallen diese Quellen natürlich weg. Dennoch ist es auch Veganer*innen gut möglich, ihren Jodbedarf zu decken. Einen Beitrag dazu leisten – neben jodiertem Speisesalz – Algen und Seetang.
Nori-Algen mit moderatem Jodgehalt können gelegentlich in den Speiseplan eingebaut werden. Bei anderen Sorten wie Arame, Kombu oder Wakame reichen geringe Mengen.
In vielen dieser Produkte ist der Jodgehalt nicht standardisiert und schwankt stark. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät vom Konsum von getrocknete Algenprodukten mit einem Jodgehalt von 20 mg/kg und höher ab, denn natürlich ist auch eine Überversorgung mit Jod möglich.
Tipp: Greife nur zu Produkten mit ausgewiesenem Jodgehalt!
Hemmende Faktoren für die Jodaufnahme
Unser Körper kann Jod sehr gut verwerten. Aber es gibt auch Stoffe, die die Aufnahme hemmen. Dazu gehört zum Beispiel Thiocyanat, das beim Rauchen entsteht. Raucher*innen sind also möglicherweise etwas schlechter versorgt.
Trinkwasser mit einem höherem Härtegrad und Nitrat, das in natürlicher Form in Nahrungsmitteln wie Spinat und Mangold vorkommt, können ebenso ein Hemmfaktor für die Jodaufnahme sein wie auch eine bestimmte Art von sekundären Pflanzenstoffen in Kohlsorten, Raps und Senf.
Den Jodstatus kontrollieren lassen
Egal, wie du dich ernährst, wenn du den Verdacht hast, unter einem Jodmangel zu leiden, zum Beispiel weil die eingangs beschriebenen Symptome auftreten, sprich das bei deiner behandelnden Ärztin bzw. deinem behandelnden Arzt an und lasse deinen Jodstatus ganz einfach über einen Urintest am Morgen in deiner Hausarztpraxis kontrollieren.
Risikogruppen wird empfohlen, das alle 6 bis 12 Monate zu tun. Für Menschen mit Schilddrüsen(vor)erkrankungen ist das ebenfalls obligatorisch.
Wichtig: Ohne ärztlichen Befund und einen diagnostizierten Jodmangel solltest du deine Ernährung nicht umstellen und auch nicht zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen! Kaliumjodid-Tabletten oder Jodtropfen sollten nur in ärztlicher Absprache eingenommen werden.
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Bath et. al. in "The Lancet": Effect of inadequate iodine status in UK pregnant women on cognitive outcomes in their children: results from the Avon Longitudinal Study of Parents and Children (2013)
Manz et. al.: Quantification of Iodine Supply: Representative Data on Intake and Urinary Excretion of Iodine from the German Population in 1996. Annals of Nutrition and Metabolism (2002)