Tipps vom Experten

Ernährung bei Lipödem: So linderst du Schmerzen

Illustration einer Frau mit betonten Hüften und Beinen; rechts ein Flatlay mit Lachs, Avocado, Nüssen, Käse, Eiern und Olivenöl sowie Zetteln.
© Adobe Stock/ Tatiana und Getty Images/ yulka3ice via Canva.com (KI-generiert) [M]
Lachs, Avocado und Nüsse: Ketogene Ernährung lässt den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen und wird aus diesem Grund auch bei der Diagnose Lipödem empfohlen.

Mit Lipödem zu leben, ist für Betroffene sowohl körperlich als auch emotional eine große Herausforderung. Dr. David Christel ist ärztlicher Direktor der CG LYMPHA und verrät im Interview, welche Ernährung und sonstige Maßnahmen Linderung verschaffen und leicht in den Alltag integrierbar sind.

Was ist ein Lipödem – und wie lassen sich Beschwerden lindern?

Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, bei der sich das Unterhautfettgewebe – meist in Beinen und Armen – vermehrt. Die Krankheit tritt bei Frauen oft nach hormonellen Umstellungen wie der Pubertät oder Schwangerschaft auf. Zu den Fettvermehrungen kommen Beschwerden wie Schmerzen und eine erhöhte Druckempfindlichkeit der Haut. 

Betroffene Frauen sollten sich möglichst frühzeitig ärztlich versorgen lassen, denn es ist wichtig, dass das Lipödem schnell erkannt und behandelt wird. Zu den Therapiemöglichkeiten gehören die Kompressionsstrumpfhose, Lymphdrainage, ketogene Ernährung sowie Sport (idealerweise im Wasser). Auch eine operative Therapie kann eine wirksame Alternative sein und zu einer Linderung der Beschwerden führen. Heilbar ist die Krankheit allerdings nicht.

Lipödem oder Übergewicht: So erkennst du den Unterschied

Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, die Schmerzen zu lindern

Mit Lipödem zu leben, ist für Betroffene sowohl körperlich als auch emotional eine große Herausforderung. Das weiß auch Dr. David Christel. Er ist ärztlicher Direktor und Geschäftsführer der CG LYMPHA (Fachklinik für operative Lymphologie). Patientinnen zu einem unbeschwerten, beschwerdefreien Leben zu verhelfen, ist ihm eine Herzensangelegenheit. 

Mit BILD der Frau sprach er im Interview über Möglichkeiten der Ernährung bei Lipödem. 

BILD der Frau: Lieber Dr. Christel, viele Betroffene hoffen, durch Ernährung ihre Beschwerden zu lindern. Was kann die richtige Ernährung beim Lipödem tatsächlich bewirken – und was nicht?

Dr. David Christel: Zunächst ist wichtig zu erwähnen, dass Übergewicht und eine ungesunde Ernährung nicht der Auslöser eines Lipödems sind. Die Umstellung auf eine gesunde Ernährungsweise oder eine Gewichtsabnahme können dementsprechend die Erkrankung nicht heilen. Allerdings kann eine gesunde und ausgewogene Ernährung helfen, die Schmerzen zu lindern und die Lipödem-Therapie zu unterstützen.

Gibt es bestimmte Lebensmittel, die Lipödem-Beschwerden wie Schmerzen oder Schwellungen verstärken können?

Entzündungsfördernde Nahrungsmittel, etwa mit einem hohen Zuckergehalt, ungesunde Fette, Weißmehlprodukte oder stark verarbeitete Lebensmittel sind bei einem Lipödem nicht zu empfehlen. Daher raten wir Betroffenen, Süßigkeiten, Fast Food und Softdrinks zu vermeiden und den Konsum von verbreiteten Wurstwaren und Milchprodukten zu reduzieren.

Welche Ernährungsweise empfehlen Sie Frauen mit Lipödem im Alltag – ohne komplizierte Diätpläne?

Bei Lipödem eignet sich eine ketogene, niedrig-glykämische oder häufig auch eine Low-Carb-Ernährung. Die ketogene Ernährung setzt auf gesunde Fette (z.B. aus Avocados, Lachs oder Nüssen), während auf Kohlenhydrate weitestgehend verzichtet wird. Die niedrig-glykämische Ernährung fokussiert sich auf Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel nur leicht ansteigen lassen.

Bei einer Low-Carb-Ernährung werden Kohlenhydrate stark reduziert. Bevor sich Betroffene für eine bestimmte Ernährungsweise entscheiden, ist es allerdings wichtig, Rücksprache mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt zu halten. Nicht jede Ernährungsweise ist uneingeschränkt für jede Betroffene geeignet.

In unserer Bildergalerie stellen wir dir 70 leckere Low-Carb-Snacks vor:

Keine Chrash-Diäten! "Erfolgsversprechend ist eine langsame, nachhaltige Gewichtsabnahme"

Viele Betroffene kämpfen zusätzlich mit Übergewicht. Wie können sie gesund abnehmen, ohne dass sich das Lipödem verschlechtert oder Frust entsteht?

Eine Gewichtsreduktion ist bei zusätzlichem Übergewicht medizinisch sinnvoll, um Gelenke, Lymphsystem und Stoffwechsel zu entlasten. Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass das Lipödem-Fett selbst meist nur begrenzt auf Diäten reagiert. 

Erfolgsversprechend ist eine langsame, nachhaltige Gewichtsabnahme, idealerweise begleitet durch eine fachkundige Ernährungsberatung. Ziel sollte nicht schnelles Abnehmen sein, sondern eine stabile Verbesserung der Körperzusammensetzung, des Wohlbefindens und der Beweglichkeit.

Gibt es typische Ernährungsfehler, die Sie bei Lipödem-Patientinnen immer wieder beobachten?

Es kommt häufig vor, dass Patientinnen einfach grundsätzlich weniger essen oder teilweise gefährliche Crash-Diäten ausprobieren, um schnell Gewicht zu verlieren. Das führt selten zu langfristigem Erfolg und häufig zu einem Jo-Jo-Effekt. Der Körper muss mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden, damit das Gewicht nachhaltig reduziert und auf einem gesunden Level gehalten werden kann.

Portrait des Lipödem-Experten Dr. David Christel | © CG LYMPHA
Foto: CG LYMPHA
Dr. med. David Christel ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und angesehener Experte in der Diagnostik und operativen Therapie lymphologischer Erkrankungen mit dem Schwerpunkt Lipödemchirurgie und Bodycontouring. Er ist ärztlicher Direktor der CG LYMPHA: Fachklinik für Lipödem und Lymphödem.

Kleine Veränderungen, große Wirkung: Dr. Christels Tipps für den Alltag

  1. Über den Tag verteilt viel Gemüse und etwas Obst essen sowie Vollkornprodukte und Omega-3-Fettsäuren in den Ernährungsplan integrieren.
  2. Viel Wasser oder ungesüßten Tee trinken.
  3. Sich ausreichend bewegen.

Lege den Fokus auf die Selbstfürsorge

Was raten Sie Frauen, die schon viele Diäten ausprobiert haben und die Hoffnung verlieren?

Ich würde zunächst raten, den Fokus nicht primär auf die Gewichtsreduktion zu legen, sondern einen ausgewogenen Lebensstil auch als Akt der Selbstfürsorge zu sehen. Eine gesunde Ernährungsweise muss dabei nicht langweilig und von Verzicht geprägt sein. Es gibt viele leckere und gesunde Rezepte, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen.

Es ist außerdem wichtig für Lipödem-Betroffene, zu verstehen, dass sie an den Stellen des Körpers, die von der Erkrankung betroffen sind, selbst nicht viel ändern können. Das betroffene Fettgewebe lässt sich nachhaltig nur durch eine Liposuktion entfernen.

→ Lipödem schon in jungen Jahren: Keine Frau ist davor gefeit! Laura Bernunzo erzählt BILD der Frau im Interview von ihrem Kampf mit der Fettverteilungsstörung, dem Wendepunkt durch die OP – und wie sie heute anderen Frauen Mut macht.

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