Aktualisiert: 29.12.2020 - 13:34

Martin Rütter in der Kritik Umstrittener Tipp: Eierlikör, um den Hund zu beruhigen?

Hunden setzt die laute Silvesternacht oft sehr zu. Hundeprofi Martin Rütter gibt daher einen Tipp, der unter Tierschützern umstritten ist: Eierlikör.

Foto: Getty Images/Vanessa Van Ryzin, Mindful Motion Photography

Hunden setzt die laute Silvesternacht oft sehr zu. Hundeprofi Martin Rütter gibt daher einen Tipp, der unter Tierschützern umstritten ist: Eierlikör.

An Silvester knallt es – zumindest normalerweise – überall. Und Tiere, allen voran Hunde mögen das so gar nicht. Daher hat Hundeprofi Martin Rütter einen Tipp parat. Der aber gefällt Tierschützern so gar nicht.

Geringe Mengen Alkohol können beruhigen, ein gewisses "Egal"-Gefühl hervorrufen. Jedenfalls bei uns Menschen. Aber ist, was für uns okay ist, auch gut für Hunde? Sicherlich nicht immer. Dennoch gibt Hundeprofi Martin Rütters einen umstrittenen Tipp für die Silvesternacht, in der viele Hunde und andere Tiere großem Stress ausgesetzt sind: ein kleines Schnapsgläschen Eierlikör für den Hund. Tierschützer sind geschockt – aber wie schlimm wäre das wirklich?

Eierlikör für den Hund – und Silvester bleibt entspannt?

In diesem Jahr hoffen viele auf ein ruhigeres Silvester, insbesondere wenn es um ihre Tiere geht. Denn der Böllerverkauf ist verboten, das Privatfeuerwerk vielerorts nicht erlaubt. Dennoch ist vor allem in Ballungszentren trotzdem mit Geknalle zu rechnen. Hunden gefällt das natürlich gar nicht. Tipps, wie das Tier zu beruhigen ist, sind daher wie immer hoch im Kurs. Und auch der Eierlikör-Tipp fehlt da nicht.

Den Tipp gab Martin Rütter bereits im Jahr 2019 bei RTL in einem Video darüber, wie man Hunde an Silvester die Angst nehmen kann – und wiederholt ihn auch auf seiner Internetseite im langen Ratgeber zu Hunden und Silvester. Doch der Vorschlag mit dem Eierlikör stößt auf Kritik unter Hundebesitzern und Tierärzten. Denn Alkohol ist gesundheitsschädigend – nicht nur für den Menschen, sondern vor allem für den Hund. Allerdings, und das betont Rütter auf seiner Internetseite, gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Der Hundeprofi stellt klar: Es ginge ja nicht darum, dem Tier literweise Alkohol einzuflößen. Eine kleine Menge könne dabei helfen, den Hunden die panische Angst zu nehmen. Dabei solle man aber immer auf die Dosis machen, erklärt auch Tierarzt Ralph Rückert.

Es kommt auf die Dosis an: So viel Eierlikör ist erlaubt

Rückert schreibt in einem ausführlichen Blog-Beitrag genauestens über das Für und Wider von Alkohol beim Hund. Dabei gibt er auch eine Dosierungsempfehlung ab. Und die bezieht sich auf das Körpergewicht des Hundes. Jedoch stellt der Tierarzt diese Formel ohne Gewähr und mit dem Hinweis auf eigene Verantwortung auf. Es handelt sich also um Richtwerte. Am Ende muss jeder Hundebesitzer selbst entscheiden, ob und wie viel Alkohol der Hund verträgt. Dabei gilt jedoch selbstverständlich: je weniger, desto besser!

  • Gewicht des Hundes bis 25 kg: Körpergewicht in kg x 0,4 x 100 / Prozent des Alkohols = Gesamtmenge des zu verabreichenden alkoholischen Getränks in ml
  • Gewicht des Hundes von 26 kg bis 50 kg: Körpergewicht in kg x 0,3 x 100 / Prozent des Alkohols = Gesamtmenge des zu verabreichenden alkoholischen Getränks in ml
  • Gewicht des Hundes ab 50 kg: Körpergewicht in kg x 0,2 x 100 / Prozent des Alkohols = Gesamtmenge des zu verabreichenden alkoholischen Getränks in ml

Die sich daraus ergebende Gesamtmenge sollten Hundehalter laut Rückert in zwei bis drei Portionen aufteilen. Diese werden dann im Abstand von zwei Stunden gegeben, die letzte um 23:30 Uhr, bevor die richtig große Silvester-Knallerei beginnt.

Ein Rechenbeispiel: "Ein 15 kg schwerer Hund bekommt einen 20-prozentigen Eierlikör nach folgender Empfehlung: 15 (Körpergewicht) x 0,4 x 100 / 20 (Alkoholanteil des Eierlikörs) = 30 ml Eierlikör. Davon einen Esslöffel (ca. 15 ml) um 21.30 Uhr und einen weiteren um 23.30 Uhr. Oder eben 10 ml um 19.30 Uhr, 10 wieder um 21.30 Uhr und noch einmal 10 ml um 23.30 Uhr. Letztere Aufteilung ist vor allem sinnvoll, wenn Sie einerseits erst schauen wollen, wie Ihr Tier auf den Alkohol reagiert oder andererseits in einer Gegend wohnen, in der auch weit vor Mitternacht schon viel geknallt wird.

Es muss nicht Eierlikör sein: So können Sie Ihr Tier anderweitig beruhigen

Aber es muss natürlich auch kein Alkohol sein. Zum Glück gibt es andere Wege, Hunde zu beruhigen. Bei sehr panischen Hunden, rät Rütter, können etwa auch Medikamente helfen. Dies muss aber natürlich mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Das ist übrigens auch ratsam, wenn Sie sich mit dem Eierlikör nicht sicher sind.

Wer ganz auf Mittel wie Medikamente oder Alkohol verzichten möchte, kann es außerdem mit Beruhigungsmaßnahmen versuchen. Die sollten Sie generell beherzigen: Etwa dem Tier einen geeigneten Rückzugsort bieten, sich noch mehr um es kümmern, am besten auch Rolläden herunterlassen, wenn möglich. Tipps für ein stressfreies Silvester mit Hund und Katze lesen Sie hier.

Tipps wie Ablenkung durch Kauknochen, Musik im Innenraum, Rückzugsorte sind übrigens auch die, die Martin Rütter in seinem Beitrag weit vor dem umstrittenen Eierlikör-Tipp anführt. Sehen wir es also als letzten Ausweg, wenn sanftere Maßnahmen sich als unwirksam erwiesen haben.

Vorsicht! Für Katzen gilt der Tipp nicht!

Katzenhalter aufgepasst! Katzen sollten anders als Hunde nicht mit Eierlikör oder anderem Alkohol beruhigt werden. Denn sie neigen laut Tierarzt Rückert danach zu "paradoxen Reaktionen". Für Katzen gilt: Dunkler sicherer Rückzugsort und als höchstes aller Gefühle beispielsweise ein Pheromon-Verdampfer, den man in die Steckdose stecken kann.

Der Tipp mit Eierlikör für den Hund an Silvester sowie alle anderen Ratschläge sind aber auch nur Symptom-Bekämpfung. Weniger Silvester-Knallerei würde den Tieren, egal ob Haustier oder Wildtier (denn die müssen auch ganz besonders darunter leiden) und wohl auch vielen Menschen, ganz zu schweigen von der Umwelt, wohl am besten helfen. In vielen Städten ist privates Feuerwerk mittlerweile verboten – auch schon vor den Corona-Einschränkungen. Der Verkauf für dieses Jahr ist gestoppt. Wir sind der Meinung: Kann gerne so bleiben – und stellen die Frage, ob Silvester-Böller tatsächlich Tradition oder unnötige Umweltbelastung sind. Wie wäre es stattdessen mit ein paar tierfreundlicheren und umweltfreundlicheren Alternativen zum klassischen Feuerwerk?

Den Blog-Eintrag von Tierarzt Ralph Rückert lesen Sie hier.

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