Jens Spahn grenzt sich ab davon 

CDU-Politiker will nicht queer sein: Was bedeutet der Begriff eigentlich?

Regenbogen- und Transgender-Flagge wehen nebeneinander in kräftigen Farben vor klarem, tiefblauem Himmel.
© Canva
Warum sich nicht alle unter dem Begriff queer wiederfinden ? Jens Spahn liefert den aktuellen Anlass. Lies mal, was queer eigentlich bedeutet.

Der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn stellte gerade erst klar: "Ich bin schwul, nicht queer." Damit grenzt er sich bewusst von dem Begriff ab, der häufig als Sammelbezeichnung für sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten verwendet wird. Weißt du, was mit queer eigentlich gemeint ist?

Neu ist er ja nicht, der Begriff queer. Momentan ist er allerdings wieder häufiger zu hören. Der Grund: CDU-Politiker Jens Spahn machte jetzt im Magazin "Zeit" im Zuge eines Interviews deutlich, dass er nicht als queer bezeichnet werden will.

Spahn kritisiert vor allem, dass queer für ihn zu stark mit Identitätspolitik aufgeladen sei, es sei keine passende Beschreibung seiner eigenen Identität. Seine Aussage zeigt: Selbst innerhalb der LGBTQIA+-Community gibt es unterschiedliche Haltungen dazu, welche Begriffe sich richtig anfühlen – und welche nicht.          

Auch auf Plattformen wie queer.de wird immer wieder deutlich, dass die Debatte rund um den Begriff vielschichtig ist: Für die einen ist queer ein offenes, inklusives Konzept, für andere eine zu ungenaue oder politisch geprägte Bezeichnung.

Die aktuelle Diskussion macht außerdem klar, dass es immer noch ein Thema ist, sobald Menschen von der sogenannten Norm abweichen.

Grund genug, einmal genauer hinzuschauen: Was bedeutet queer eigentlich – und warum identifizieren sich manche Menschen damit, andere aber ganz bewusst nicht?

Was bedeutet es ein Straight Ally zu sein?

Queer sein: Was bedeutet das?

Die deutsche Übersetzung des englischen Wortes "queer" ist "komisch", "merkwürdig", "seltsam". Während anfänglich überwiegend gleichgeschlechtliche Menschen den Ausdruck gebrauchten, um von – ihrer Meinung nach – zu bürgerlichen, angepassten Homosexuellen abrücken zu können, ist er mittlerweile zum Sammelbecken für all diejenigen geworden, die sich in der gesellschaftlich vorherrschenden Cis-Heteronormativität nicht wiederfinden. Anders gesagt: Ist ein Mensch laut seinem Geburtsgeschlecht männlich und fühlt sich nicht (ausschließlich) zu Frauen hingezogen – gleiches gilt für weiblich eingetragene Menschen in Bezug auf Männer –, wird er heute auch als queer bezeichnet.

Doch nicht alle fühlen sich unter der Haube der Begrifflichkeit wohl. So ist sie für Jan Feddersen von der "Taz" eine zu beliebige Sammelformel, um die peu à peu wachsende Buchstabenkette LGBTQIA+ zu vermeiden: "'Queer' meint alle, die in die heteronormative Welt nicht passen." Den Ausdruck allerdings als Stilmittel zu gebrauchen, sei ein politisch inkorrekter Versuch, "an der Oberfläche subversiv zu sein".

Ein bisschen ähnlich sieht es "Evangelisch.de"-Redakteurin Katharina Payk – nämlich, dass queer als eine Art "trendiges Über-Label" lesbische, schwule, bisexuelle und trans-Lebensrealitäten verwischen könnte. Andererseits biete der Begriff reichlich Anwendungsvielfalt und passe deshalb gut zum "Konzept Queer", wenn man es denn so nennen möchte: "nie zu Ende gedacht, sondern offen und durchaus uneindeutig."

Queer sein: Das versteht Tilda Swinton darunter

Schauspielerin Tilda Swinton bezeichnet sich als queer. Schon vor Jahren bekannte sie in einem Interview mit Vera von Kreutzbruck, sie wisse nicht, ob sie jemals wirklich sagen könne, dass sie ein Mädchen sei – lange Zeit sei sie eher eine Art Junge gewesen. Sie bewege sich außerdem gerne "auf dem dünnen Drahtseil der Identität", sowohl der sexuellen als auch der geschlechtlichen.

Vor einiger Zeit hat sie in einem Interview in der Vogue zum Thema queer erklärt, sie habe das schon immer gefühlt. Sie habe nur lange nach dem für sie passenden Umfeld gesucht – und es gefunden. Heute führe sie mehrere Familienleben, nicht nur eines. Und dann fügt die wunderbare Schauspielerin noch einen Satz an, der es vielleicht am besten trifft, was es bedeutet, queer zu sein: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass queer ganz einfach mit Sensibilität zu tun hat – für mich gilt das auf jeden Fall."

Sensibel mit dem Thema umzugehen: Was einen selbst betrifft, aber auch, was die Einordnung anderer Menschen angeht – das ist doch ein guter und wichtiger Ansatz!

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