Höhere Krankenkassenbeiträge, Senkung der Energiesteuer und die Abschaffung der Riester-Rente. Aber was bringen all diese Reformen wirklich?
Reformen über Reformen. Aber was bringen die Entlastungspläne der Regierung wirklich? Finanztip-Experte Hermann-Josef Tenhagen ordnet ein, was Verbraucherinnen und Verbraucher wirklich entlastet und was viel mehr Schall und Rauch ist.
1. Altersvorsorge
Die Riester-Rente, wie es sie bisher gab, wurde abgeschafft. Stattdessen hat die Regierung das sogenannte Altersvorsorgedepot eingeführt. Die Reform soll die private Vorsorge günstiger, flexibler und einfacher machen. Aber ist das wirklich so?
Experte Hermann-Josef Tenhagen sieht in der Reform eine klare Verbesserung. Jedoch betont er, dass der Vorteil nur besteht, „wenn die Gebühren für alle geförderten Depots gedeckelt werden – auf maximal 0,5 % pro Jahr.“ Ansonsten verlieren Verbraucherinnen und Verbraucher im Ruhestand eine Menge Geld.
Das bedeutet jedoch nicht, dass man nicht privat vorsorgen muss: „Frauen bekommen ohnehin im Schnitt oft 40 % weniger Rente“, erklärt Tenhagen. Der Grund liegt laut Experte vor allem darin, dass Frauen weniger arbeiten, weil sie mehr Care-Arbeit übernehmen als Männer. Zusätzlich arbeiten sie oft in schlechter bezahlten Berufen.
Der Experte ermutigt daher, besser spät als nie mit der Vorsorge anzufangen. Wer mit 55 startet und jeden Monat 250 Euro in einen ETF mit 6 % Rendite investiert, kann bis zum Renteneintritt über 50.000 € ansparen.
2. Gesundheit
Die steigenden Krankenkassenbeiträge belasten den Geldbeutel ebenfalls. Der Experte geht jedoch davon aus, dass die Beiträge zukünftig deutlich weniger stark ansteigen werden.
Den Wegfall der Familienversicherung sieht Tenhagen sogar als Chance, vor allem für Frauen. Denn nach wie vor sind sie es meist, die aufgrund von Care-Arbeit eher Minijobs ausüben und ein geringeres Einkommen haben. Sie lassen sich dann meist bei ihrem Partner mitversichern.
Ist das nicht mehr möglich, steigt der Druck, einen besser bezahlten Job auszuüben. Dann wiederum wird man über den Arbeitgeber krankenversichert und ist dementsprechend unabhängiger.
3. Sprit
Durch die Senkung der Energiesteuer, sollen wir an den Zapfsäulen zwei Monate lang circa 0,17 € pro Liter sparen. Der Experte hält das dennoch nicht für eine dauerhafte Entlastung.
Gegenüber der Pendlerpauschale findet er ebenfalls deutliche Worte: „Sie bevorteilt Gutverdiener. Wer mehr verdient, hat mehr davon. Besser wäre ein Energiegeld pro Kilometer. Direkt ausgezahlt. Für alle gleich – einkommensunabhängig.“
Entlasten könne man Pendlerinnen und Pendler eher, indem man das Deutschlandticket für zwei Monate lang 20 Euro günstiger macht.
Nachgefragt: Wenn Sie drei Dinge sofort durchsetzen könnten – was würden Sie tun?
Finanztip-Experte Hermann-Josef Tenhagen verrät drei Dinge, die er sofort reformieren würde:
„Den aktuellen Spitzensteuersatz viel später beginnen lassen, erst bei 80 000 oder 90 000 Euro, und dafür bei sehr hohen Einkommen über 150 000 Euro mehr verlangen. Dann lohnt sich einerseits Leistung für Gutverdiener mehr, und starke Schultern tragen die Last.
„Den Grundfreibetrag auf 17 000 Euro anheben. Heißt: Mehr Geld bleibt steuerfrei. Das motiviert, besser bezahlte Jobs anzunehmen – statt Mini-Jobs."
„Die Erbschaftssteuer neu regeln. Das Bundesverfassungsgericht wird im Sommer wohl erneut feststellen: Aktuell ist es unfair. Milliardäre dürfen sich nicht länger drücken."
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