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Schnecken naturnah loswerden

Schnecke im Garten und Redakteur
In einem naturnahen Garten ist es gar nicht so leicht, Schnecken zu reduzieren. Doch ich habe eine gute Strategie entwickelt
© Mattias Nemeth
15.05.2026 • 07:00 Uhr
Mattias Nemeth

In einem naturnahen Garten ist es gar nicht so leicht, Schnecken zu reduzieren. Doch ich habe eine gute Strategie entwickelt. 

Im letzten Monat habe ich damit begonnen, meinen Gartenvögeln anderes Futter zu geben. Jetzt, zur Brutzeit, brauchen sie sehr energiereiches Futter mit kleineren, fettärmeren Samen und getrocknete Insekten. Außerdem habe ich auch Vogeltränken aufgestellt.

Damit ist es im Mai aber natürlich nicht getan. Jetzt muss ich vor allem darauf achten, dass die Futterstationen vor Mäusen, Ratten und vor allem Katzen sicher sind. Wenn das nicht der Fall ist, bekommen sie einen neuen Standort. Auch die Vogeltränken müssen regelmäßig sauber gemacht werden, sonst kippt die gute Tat schnell in eine ziemlich unappetitliche Richtung.

Lustigerweise habe ich, seit ich im April darüber geschrieben habe, sogar schon zwei Bienenschwärme eingefangen. Manchmal habe ich das Gefühl, der Garten liest still mit und sorgt dann selbst für das passende Anschlussprogramm.

Insekten im Mai unterstützen

Natürlich kümmere ich mich jetzt auch um meine wilden Bienen und die vielen Falter. Wenn es trockener wird, baue ich kleine Bienentränken. Dafür nehme ich einen Untersetzer und fülle ihn mit Moos, Steinen, Rinde oder kleinen Holzstücken. Dann kommt Wasser hinein. So können Bienen und Schmetterlinge trinken, ohne dabei zu ertrinken.

Außerdem habe ich Wilde Karden und Frauenmantel gepflanzt. Beide halten bei Regen kleine Wassermengen fest und werden so zu lebendigen Trinkstellen. Ich mag solche Lösungen besonders, weil sie nicht nach aufgestellter Notlösung aussehen, sondern sich ganz selbstverständlich in den Garten einfügen.

Was ich im Mai ebenfalls mache: Ich führe eine Liste, wie viel in welchem Monat blüht. So sehe ich ziemlich schnell, wo es noch Lücken gibt, und kann nachsteuern. Mein Ziel ist schließlich, dass meine Gartenbewohner möglichst das ganze Jahr über Nahrung finden und nicht nur dann, wenn gerade zufällig etwas besonders üppig blüht.

Schnecken richtig loswerden

Die letzten Tage war es in meinen Gärten mal wieder so weit. Es hat geregnet, der Boden ist feucht, und plötzlich scheint alles voller Schnecken zu sein. Ganz verhindern lässt sich das nicht. Besonders in einem Bio- und naturnahen Garten wie meinem, wo Schneckenkorn für mich nicht infrage kommt. Also habe ich über die Jahre einiges ausprobiert. Manche Tipps sind aber eher Placebo als wirklich lohnenswerte Methoden. Aber ich habe eine recht effektive Kombination aus verschiedenen Tricks herausgefunden, mit denen ich die Schneckenpflage gut in den Griff bekomme. 

Schnecken finden und absammeln

Anfangs habe ich überall nach den Schnecken gesucht. Dann habe ich angefangen, den Schnecken die Verstecke selbst anzubieten. So weiß ich immer, wo sie sind. Dazu habe ich Bretter ausgelegt und morgens unter diesen die Schnecken abgesammelt. Schnecken lieben kühle, feuchte und schattige Rückzugsorte. Genau das mache ich mir zunutze. Nach der ersten Tasse Kaffee schaue ich unter die Bretter und sammle die Schnecken ab. Diese darfst du aber auf keinen Fall in der Natur aussetzen, damit kannst du nämlich ganze Ökosysteme stören. 

Schneckenjäger ausbilden

Ich habe Hühner und Wachteln. Da will ich mir nicht auch noch Laufenten zulegen. Der Platz würde auch nicht ausreichen, um ihnen auch noch zusätzlich eine artgerechte Umgebung zu schaffen. Außerdem würden den Laufenten auch meine Gemüsepflanzen ganz vorzüglich schmecken. Also habe ich meine Hühner zu Schneckenjägern ausgebildet. Sie fressen zwar gerne mal Schneckeneier, für ausgewachsene Nacktschnecken brauchen sie aber etwas Motivationsarbeit. Die abgesammelten Schnecken habe ich mit getrockneten Mehlwürmern zusammen in den Hühnerstall gegeben. Später brauchte ich die Mehlwürmer nicht mehr. Mittlerweile jagen sie sie ganz von alleine. Im Frühjahr lasse ich meine Hühner und Wachteln gemeinsam meine Gewächshäuser und meinen Folientunnel nach Schneckengelegen durchwühlen. 

 

Ein weißes Sussex-Huhn auf einer Wiese.  | © Mattias Nemeth
© Mattias Nemeth

Schutzwall vor Schnecken

Bewährt hat sich bei mir außerdem die Kombination aus stabilen Schneckenkragen und Schafwolle. Gute Kragen halten Schnecken tatsächlich auf, wenn sie sauber gesetzt sind. Und rundherum keine Kletterhillfen für sie bereitsstehen. Ein Grashalm alleine reicht schon als Brücke über den Kragen. Die Schafwolle drumherum mögen Schnecken ebenfalls nicht besonders. Gleichzeitig verbessert sie noch den Boden. Für mich ist das eine der besten Kombinationen überhaupt.

Schnecken füttern 

Dieser Tipp klingt ersteinmal verrückt. Aber Opferpflanzen sind tatsächlich ziemlich effizient. Schnecken sind ja keine zerstörerischen Monster, sondern Lebewesen auf der Suche nach Futter. Damit ihr Hunger sie nicht in dein Gemüsebeet treibt, kannst du es wie ich machen. Ich säe alte Salatsamen, Tagetes am Rande des Beetes aus oder schmeiße abgeerntete Kohlrabi- Salatblätter an den Rand des Beetes. Als Schnecken-Ablenkung funktioniert das sehr gut. 

Gegenspieler fördern

Und die effektivste Methode ist ein naturnaher Garten! In einem gesundem Ökosystem reguliert sich die Natur selbst. Die Gegenspieler der Schnecken kommen in einem naturnahen Garten von ganz allein. Es gibt sogar Schnecken und Schnegel die sich um die Gelege und Jungschnecken kümmern. Also nicht jede Schnecke ist automatisch ein Problem. Weinbergschnecken oder Tigerschnegel gehören für mich nicht in dieselbe Kategorie wie eine hungrige Nacktschnecke im Salatbeet. Im Naturgarten geht es mir deshalb nicht darum, jede Schnecke zu beseitigen. Ich will den Druck reduzieren, nicht das Gleichgewicht zerstören.

Weinbergschnecke:

Eine Weinbergschnecke in einem leeren, roten Pflanzstein. | © Mattias Nemeth
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Tigerschnegel:

Ein ausgewachsener Tigerschnegel auf Holz.  | © Mattias Nemeth
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Aber nicht nur andere Schnecken sind eine große Hilfe. Es gibt noch mehr Gegenspieler: Kröten, Frösche, Laufkäfer, Blindschleichen, schwarzer Moderkäfer oder Amseln. Deshalb sorge ich für wilde Ecken, Laub, Totholz und Wasserstellen. Gerade Laufkäfer sind für mich wichtige Helfer, weil sie sich um Eier und Jungschnecken kümmern.

Mythos Bierfalle

Es gibt seit Jahren den Tipp Bierfallen gegen Schnecken aufzustellen. Mal abgesehen davon, dass diese nicht gerade tierfreundlich sind, funktionieren sie auch nicht so, wie oft behauptet wird. Was du nämlich neben einem Glas Bier vor allem brauchst, ist ein/e Nachbar*in, den/die du nicht magst, der aber auf dich hört. Mit deiner Überzeugungskraft verbreitest du dann, wie effektiv Bierfallen sind. Sobald dieser die Bierfalle aufstellt, lockt die Schneckenkneipe alle Schnecken aus der Nachbarschaft an. Ach ja, Nacktschnecken mögen übrigens kein alkoholfreies Bier. 

Damit haben wir unseren Gartentieren für diesen Monat schon sehr geholfen und Schnecken eingedämmt. Im nächsten Monaten gibts hier wieder Neues aus dem Garten!