Hier geht es um mehr als Futter: Mit ihrer „Tiertafel Hamburg e.V.“ sorgt Kara dafür, dass Tiere satt werden – und ihre Menschen nicht vergessen.
Um 12.55 Uhr schallt es durch die Halle: „Noch fünf Minuten!“ Kartons werden geschoben, Dosen gestapelt, Leinen sortiert. Hunde- und Katzenfutter, daneben Konserven, Kleidung, Hygieneartikel. Hier geht es längst nicht mehr nur um Tiere.„Viele, die zu uns kommen, haben selbst kaum das Nötigste“, sagt Kara Schott. „Keine Zahnbürste, keine Binden, keine warmen Sachen.“ Also hat die „Tiertafel Hamburg“ ihr Angebot erweitert. Für die Tiere. Und ihre Menschen. Seit zwei Jahren leitet die 43-Jährige hauptamtlich den Verein, davor war sie zwei Jahrzehnte ehrenamtlich im Einsatz. Helfen gehört für sie dazu. „Ich bin so aufgewachsen. Meine Mutter und Großmutter haben mir das vorgelebt.“ Und sie weiß, was auf dem Spiel steht: „Ohne uns müssten viele ihr Tier abgeben.“ Wer sein Tier verliert, verliert mehr als nur einen Begleiter. Halt. Nähe. Einen Grund, morgens aufzustehen. „Helfen wir den Tieren, helfen wir auch den Menschen.“ Aber es gibt Kriterien: Nur wer seinen Vierbeiner schon hatte, bevor er in Not geraten ist, bekommt Unterstützung.
13 Uhr. Das Rolltor in Hamburg-Wandsbek öffnet sich. Draußen warten Füße. Und Pfoten. Rentnerin Anke Klein (69) ist mit ihrem kleinen Rüden „Cooper“ (7) gekommen. „Ich bin so froh, dass es das hier gibt“, sagt sie leise. 350 Euro im Monat bleiben ihr zum Leben. „Ich verzichte auf Essen – Hauptsache, ,Cooper’ geht es gut.“ Sie streicht ihm übers Fell. Bei Kara bekommt die frühere Busfahrerin nicht nur Futter für ihn, sondern auch Essen und Kleidung für sich. „Allein würde ich das nicht schaffen.“ Auch Antje Stettnisch (61) wartet. Burnout, Depressionen, chronische Krankheiten: „Jeden Monat rechne ich neu“, sagt die Frührentnerin. „Es zählt wirklich jeder Cent.“ Die reguläre Tafel hat keinen Platz mehr für sie. Bei Kara erhalten sie und ihr Tier eine Grundversorgung – und noch viel mehr: „Man kann reden. Mit Menschen, die Ähnliches durchmachen. Das tut gut.“ Bei jeder Ausgabe sind Sozialberater, psychologische Hilfe und eine Tierärztin vor Ort.
Alle zwei Wochen stehen rund 170 Menschen hier an. 170 Geschichten. 170 Leben, die ins Wanken geraten sind. Und mittendrin: Kara. „Nach jedem Termin bin ich erfüllt – und aufgewühlt“, sagt sie. „So viele Emotionen auf einmal.“ Dann lächelt sie. „Aber es ist auch wunderschön: zu sehen, wie Menschen und ihr Tier zusammenbleiben. Wie sie noch bei einer warmen Suppe im Innenhof beisammensitzen.“ Ein kurzer Moment Normalität. Würde. Manchmal ist genau das alles.