Eine Marke von
Menü Zurück

Preisträgerin Dr. Juliane Kronen verwandelt Überfluss in Hilfe

Hier lagert Hilfe: Juliane zwischen den Hochregalen, in denen sich die Paletten stapeln
Hier lagert Hilfe: Juliane zwischen den Hochregalen, in denen sich die Paletten stapeln
© BILD der FRAU / Georg Lukas

Shampoo, Putzmittel, Schulsachen: Jedes Jahr landen fabrikneue Waren im Wert von 7 Milliarden Euro im Müll. Mit der „innatura GmbH“ rettet die Kölnerin Juliane Kronen sie für soziale Einrichtungen.

Amilia (4) malt einen Baum. Mit nagelneuen Buntstiften, die sie im „beratungsCentrum e.V.“ in Monheim bekommen hat. Ihre Mama Nadira (40) freut sich über Waschmittel und Duschgel. 220 Kilometer weiter erhalten in der „Lernwerkstatt Offenbach e.V.“ auch die alleinerziehenden Mütter Azmera (24) und Nora (30) Hygieneartikel für ihre Familien. Was die Frauen verbindet: Die Hilfe kommt über „innatura“ – eine Organisation, die überschüssige Neuwaren vermittelt.

Gegründet wurde sie 2011 von Dr. Juliane Kronen. „Für soziale Einrichtungen ist das ein echter Durchbruch“, sagt sie. „Es bleibt mehr Geld fürs Wesentliche.“ Mehr Menschen können dadurch versorgt werden. Auf die Idee bringt sie damals ein ehemaliger Kollege. „Er musste plötzlich 200.000 Flaschen Markenshampoo loswerden“, erzählt Juliane. „Fabrikneu, aber falsch etikettiert.“ Sie versucht zu helfen, findet aber keine soziale Einrichtung, die solche Mengen schnell abnehmen kann. „Wegwerfen war am einfachsten. Das fand ich erschreckend.“ Juliane recherchiert und entdeckt in Großbritannien eine Charity, die Überfluss sinnvoll umleitet – Gründungs-Schirmherr: König Charles III. Sofort ist ihr klar: „So etwas brauchen wir auch in Deutschland.“

Heute steht die 63-Jährige im „innatura“-Logistikzentrum in Köln. Auf 3000 Quadratmetern lagern Hygieneartikel, Bettwäsche, Schulmaterialien oder Haushaltsgeräte. 1500 neuwertige Artikel von 300 Firmen. Alles Dinge, die entsorgt werden sollten. Wegen Überproduktion, neuer Verpackung, kleiner Fehler auf dem Etikett. 3300 gemeinnützige Organisationen haben bislang Waren über den Online-Katalog bestellt – schnell und bedarfsgerecht. „Für 1 Euro Vermittlungsgebühr erhalten sie Waren im Wert von bis zu 8,61 Euro“, erklärt Juliane. Alltagsprodukte, die Menschen in Frauenhäusern, Mutter-Kind-Heimen oder Obdachlosenunterkünften helfen. Die ein Stück Würde zurückgeben. 

Was Juliane ärgert: „In Deutschland ist wegwerfen für Unternehmen um ein Vielfaches günstiger als spenden – wegen der Umsatzsteuer.“ Seit Jahren versucht ihr Team, das auf politischer Ebene zu ändern. Auch wenn das noch nicht geklappt hat, beeindruckt ihr Erfolg: Seit Gründung hat „innatura“ 6300 Tonnen Abfall vermieden, sozialen Einrichtungen fast 60 Millionen Euro eingespart – und gleichzeitig mehr als 100.000 Menschen geholfen. Wie der kleinen Amilia, die gerade Blätter an ihren Baum malt. So sieht Hilfe aus, wenn sie ankommt.

Infos

 www.innatura.org
INSTAGRAM: @innaturaspenden

SPENDEN: DE72 4306 0967 4051 1729 00

Neue Ware eingetroffen! Azubi Mert Colac (26) sortiert die Spenden | © BILD der FRAU / Georg Lukas
© BILD der FRAU / Georg Lukas