22.06.2018

Typische kolikartige Schmerzen Blinddarmentzündung: Symptome erkennen und schnell handeln!

Blinddarmentzündung erkennen

Blinddarmentzündung ist immer ein medizinischer Notfall. Die Symptome deuten nicht immer explizit auf eine Appendizitis hin. Was für die gefährliche Erkrankung spricht – und warum Sie damit immer zum Arzt gehen sollten.
Di, 04.12.2018, 16.14 Uhr

Blinddarmentzündung erkennen

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Blinddarmentzündung ist immer ein medizinischer Notfall. Die Symptome deuten nicht immer explizit auf eine Appendizitis hin. Was für die gefährliche Erkrankung spricht – und warum Sie damit immer zum Arzt gehen sollten.

Meist kommt eine Blinddarmentzündung plötzlich, und nur selten heilt sie wieder von alleine ab. Meist helfen nur Antibiotika oder eine Operation. Ursache einer Blinddarmentzündung, medizinisch Appendizitis, sind meist Bakterien. Ist die Darmflora gestört, kann etwa eine Verstopfung den Blinddarm, einen knapp zehn Zentimeter langen Wurmfortsatz am Anfang des Dickdarms, entzünden. Manchmal können auch Obstkerne oder Kotsteine die kleine Öffnung des Blinddarms verstopfen und damit eine Entzündung auslösen.

Auftreten kann die Appendizitis in jedem Alter, oft kommt sie aber bei Teenagern vor. Bei Kleinkindern und älteren Menschen hingegen ist sie eher selten.

Wie Sie eine Blinddarmentzündung erkennen

Die Symptome einer Blinddarmentzündung kommen oft plötzlich, werden aber mit kurzer Zeit schlimmer und ausschweifender.

  • Plötzlich einsetzende, kolikartige Schmerzen, die anfangs im Bauchbereich hinter dem Nabel bzw. der Magengegend auftreten

  • die Schmerzen wandern nach 8 bis 12 Stunden in den rechten Unterbauch

  • beim Stehen, Gehen, Springen, Husten und Lachen wird der Schmerz stärker (Erschütterungsschmerzen)

  • Liegen und Anziehen der Beine macht den Schmerz etwas erträglicher

  • Fieber, Übelkeit und Erbrechen sowie stärkeres Schwitzen und erhöhter Puls können dazukommen

  • Manche Patienten haben Probleme, das rechte Bein zu heben

Aufpassen sollte man bei Kindern, älteren Personen und auch Schwangeren. Hier können die Schmerzen nämlich vor allem am Anfang an unüblicheren Stellen auftreten und etwas schwächer ausfallen. Bei Kindern sollten Sie hellhörig werden, wenn über drei Stunden hinweg krampfartige Schmerzen im Unterbauch auftreten. Auch das Problem, das rechte Bein zu heben, tritt bei Kindern oft auf.

Test auf Blinddarmentzündung – McBurney-Punkt

Kolikartige Bauchschmerzen sollten immer von einem Arzt abgeklärt werden. Ursache können etwa Gallensteine, Dickdarmerkrankungen wie Divertikulose, aber auch eine massive Magen-Darm-Grippe oder eben eine Blinddarmentzündung sein. Mit ein paar einfachen Tests und Untersuchungen kann ein Mediziner rasch feststellen, ob der Blinddarm nur gereizt oder bereits entzündet ist, und ob operiert werden muss.

Bauchschmerzen können viele Ursachen haben. Zum Test auf eine Blinddarmentzündung tastet der Arzt etwa nach dem sogenannten McBurney-Punkt. Dieser Punkt befindet sich auf dem äußeren Drittel einer gedachten Linie zwischen oberem Beckenkamm rechts und Bauchnabel. Ist er äußerst schmerzempfindlich, kann das auf eine Blinddarmentzündung hindeuten.

Zwei Arten: Einfach und zerstörerisch

Unterschieden wird je nach Schweregrad in zwei Arten der Entzündung:

Die einfache Blinddarmentzündung (Appendizitis simplex) ist leicht zu behandeln. Das Gewebe ist lediglich entzündet, aber noch nicht zerstört.

Im katharrischen Stadium kommt es zur Rötung und Schwellung des Appendix. Diese Art der Appendizitis kann sich sogar spontan selbst zurückbilden. Eiter entsteht hier keiner.

Sammelt sich Eiter im Wurmfortsatz bei einer Entzündung an, spricht man vom seropurulenten Stadium. Aus dieser Art kann sich der zweite Schweregrad entwickeln:

Die zerstörerische, oder auch destruktive Blinddarmentzündung zeichnet sich dadurch aus, dass das Gewebe während der Entzündungsphase zerfällt und es zum Platzen des Wurmfortsatzes kommen kann.

Blinddarmentzündung – im schlimmsten Fall droht der Durchbruch

Eine Ultraschalluntersuchung und ein Bluttest auf Entzündungsmarker runden dann die Diagnose ab. Je nach Ergebnis wird der Arzt zu einer entsprechenden Behandlung raten. Ist die Entzündung sehr ausgeprägt, ist eine Operation meist unumgänglich. Sonst droht ein Durchbruch (Perforation) des Darms. Das bedeutet, der entzündete Wurmfortsatz reißt. Keime und Eiter gelangen in den Bauchraum und in die Blutbahn. Eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung droht, und auch zur Blutvergiftung kann es unter Umständen kommen. Eine Bauchfellentzündung kann lebensbedrohlich sein! Daher sollten Sie bei Blinddarmbeschwerden innerhalb von 48 Stunden einen Arzt aufsuchen, denn nach dieser Zeit steigt das Risiko für eine zerstörerische Entzündung und damit für einen Durchbruch.

Blinddarm entfernen – oder nicht

Während früher bei einer Blinddarmentzündung rasch zum Skalpell gegriffen wurde, ist das heute meist nur noch bei einer akuten Appendizitis der Fall. Die Operation selbst ist Routine, wird häufig minimal-invasiv durchgeführt und dauert nicht allzu lange. Die Wundheilung klappt bei dieser OP-Methode auch wesentlich besser.

Nach einer OP müssen Betroffene meist noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben, damit die Darmfunktion überwacht werden kann. Dabei wird am Tag der OP auf feste Nahrung verzichtet. In den ersten Tagen kann auch das Gehen etwas schwerfallen. Arbeitnehmer werden in der Regel für zwei bis drei Wochen krankgeschrieben, um sich genügend zu erholen.

Man weiß inzwischen, dass der Blinddarm kein unnützes Anhängsel ist, wie noch vor wenigen Jahren angenommen. Er gilt als Reservoir für nützliche Bakterien, ist also für unser Immunsystem wichtig – allerdings nicht lebensnotwendig. Im Zweifelsfall ist deshalb die Operation das kleinere Übel, um eine Blinddarmentzündung rasch zu beenden.

Übrigens kann auch Verstopfung zu Blinddarmentzündungen führen. Was Sie dagegen tun können, lesen Sie auf unserer Themenseite.

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