30.04.2019

Schmerzen in Wade, Oberschenkel, Arm Muskelfaserriss: So lange dauert die Behandlung

Ein Muskelfaserriss ist schnell geschehen, wenn Sie sich zum Beispiel nicht richtig aufwärmen und dann abrupt beim Laufen bremsen. Alles zu Symptomen, Ursachen und Behandlung.

Foto: ©iStock/lzf

Ein Muskelfaserriss ist schnell geschehen, wenn Sie sich zum Beispiel nicht richtig aufwärmen und dann abrupt beim Laufen bremsen. Alles zu Symptomen, Ursachen und Behandlung.

Nicht nur Sportler bekommen einen Muskelfaserriss. Welche Risikofaktoren es gibt und ab wann Sie den Muskel wieder belasten dürfen...

Vom Fußball, Tennis und Radsport kennen viele diese Sportverletzung, die oft zu wochenlanger Trainingspause zwingt – aber auch Nicht-Sportlern widerfahren kann. Beim Muskelfaserriss ist – wie der Name schon sagt – eine Muskelfaser gerissen.

Ursache ist ein abrupter Stopp, schnelles Sprinten, aber auch ein Schlag auf den angespannten Muskel. Muskelfaserrisse passieren also nicht nur beim Sport, sondern möglicherweise auch bei einem Unfall, etwa zu Hause beim Aufräumen, Reinemachen oder einfach beim Stolpern. Daneben gibt es noch Risikofaktoren, die einen Muskelfaserriss begünstigen, wie chronische Entzündungen im Körper, beispielsweise Parodontitis.

Symptome bei Muskelfaserriss

Die Anzeichen sind meist eindeutig: plötzlich einsetzender und stechender Schmerz, der die Bewegung des betroffenen Muskels fast unerträglich macht – etwa in Wade, Oberschenkel oder Oberarm. Das sind die Bereiche, in denen ein Muskelfaserriss besonders häufig auftritt. Der Schmerz kann sich anfühlen wie Messerstiche oder Nadelstiche, manche berichten sogar von einem Gefühl wie Peitschenhiebe. Unwillkürlich wird eine Schonhaltung eingenommen, um die Stelle nicht weiter zu belasten. Zusätzlich ist die betroffene Muskelpartie verhärtet, der Muskeltonus ist erhöht, ein Spannungsgefühl tritt auf. Zudem können Sie eine Delle im Muskel ertasten, die Stelle schmerzt zudem bei Druck.

Außerdem kann ein Bluterguss entstehen, wenn beim Riss die feinen Gefäße zwischen Venen und Arterien, die Kapillaren, verletzt werden. Sichtbar ist dieser jedoch meist nicht, weil der Muskel in der Regel zu tief unter der Haut liegt.

Behandlung nach der PECH-Regel

Erste Hilfe bei einem Muskelfaserriss fassen Orthopäden mit der sogenannten PECH-Regel zusammen. Die Abkürzung steht für:

  • Pause, also betroffenen Muskel entlasten und absolut schonen

  • Eis, mit Kälte behandeln, also Eiswürfeln, Kältekissen oder Kältespray (Eis und Kühlpads immer mit Tuch unterlegen, sonst kann es zu Erfrierungen kommen!)

  • Compression (Druckverband)

  • Hochlagern des betroffenen Beins/Arms

Nach dieser ersten Hilfe sollte ein Arzt die Verletzung untersuchen. Er tastet nach Schwellungen ab und stellt fest, um welche Form es sich handelt und wird die entsprechende Therapie einleiten. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall und MRT können eine endgültige Diagnose stellen.

Beim Muskelfaserriss sind entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente sinnvoll, etwa Tabletten sowie schmerzlindernde und entzündungshemmende Gele. Auch Cremes mit Arnika können helfen, und Zinkverband hat sich bewährt. Zusätzlich helfen Physiotherapie sowie Massagen.

Muskelfaserriss dauert mindestens drei Wochen

Manchmal heilt ein Muskelfaserriss spontan nach wenigen Tagen. Das ist aber eher die Ausnahme. Normalerweise dauert es mindestens drei Wochen, bis der Körper den Schaden wieder repariert hat und der Riss vernarbt ist. Manchmal muss man sich auch viele Monate gedulden, bis der Muskel wieder voll belastbar ist. Allerdings bleibt an dieser Stelle in Zukunft ein Risiko für weitere Muskelverletzungen.

Der Unterschied zum Muskelriss

Hin und wieder stolpert man auch über den Begriff "Muskelriss", der sich aber vom Muskelfaserriss in der Anzahl der gerissenen Muskelfasern unterscheidet. Bei einem Muskelriss sind alle Fasern beschädigt. Den Muskelfaserriss hingegen kann man in zwei Schweregrade aufteilen:

  • Grad 1: Wenn weniger als 5 Prozent der Muskelfasern gerissen sind, wird von einer leichten Muskelzerrung gesprochen
  • Grad 2: Der "klassische" Muskelfaserriss beschreibt einen Riss einzelner oder zusammenhängender Muskelfasern über diesen 5 Prozent sowie unter 100 Prozent.

Da Muskelriss und Muskelfaserriss ähnliche Symptome zeigen, sollte ein Arzt die Diagnose stellen und anschließend die Behandlung übernehmen. Ist der Muskel zu mehr als der Hälfte oder gar komplett gerissen, kann eine Operation notwendig sein.

Wie kann ich mich vor einem Muskelfaserriss schützen?

Wer regelmäßig Sport macht, stärkt einerseits seine Muskeln. Je nach Sportart aber gilt: Sind abrupte Bewegungen, etwa schnelle Beschleunigungen oder Abbremsmanöver, zu erwarten, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  1. Wärmen Sie sich vor dem Sport gut auf: Locker laufen, Muskeln und Gelenke vorher gut dehnen, so dass sie in Schwung kommen und nicht kalt belastet werden. Auch vor Sportarten wie Nordic Walking sind Dehnübungen sinnvoll.
  2. Übertreiben Sie es nicht und versuchen Sie, Ihre körperliche Fitness vernünftig einzuschätzen. Wer sich übernimmt und zu viel Ehrgeiz zeigt, riskiert schnellere Muskelfaserrisse.
  3. Hören Sie auf Ihren Körper: Schmerzen die Muskeln schon und wirken übermüdet? Dann vermeiden Sie zu hohe Belastung!

Auch falsch gewählte oder abgelaufene Schuhe oder unebener Boden können zu einem Muskelfaserriss beitragen.

Versorgen Sie Ihre Muskeln und Knochen außerdem mit wichtigen Nährstoffen. Weiterhin kann Faszientrainig helfen, die Muskeln geschmeidig zu halten.

Auch Muskelkater sollten Sie ernst nehmen – und nicht gleich trotz Schmerzen weitertrainieren. Mehr zu den Themen Sport und Fitness können Sie auf unserer Themenseite nachlesen. Denken Sie dran: Bewegung ist gut für Körper und Geist, ein Zuviel kann aber auch schaden. Hören Sie auf Ihren Körper!

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