Aktualisiert: 07.12.2020 - 15:36

Riskante Kinderkrankheit Scharlach bei Erwachsenen – alles andere als harmlos!

Scharlach Therapie

Scharlach Therapie

Scharlach bei Erwachsenen – alles andere als harmlos. Das sollten Sie bei der Therapie beachten.

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Scharlach kann auf Herz und Gelenke gehen. Lesen Sie, warum die Kinderkrankheit auch bei Erwachsenen auftreten kann, welche Symptome Scharlach bei Erwachsenen auslöst sowie alles über Ansteckung und Behandlung.

Plötzlich starke Halsschmerzen, Fieber und Kopfschmerzen: Wenn Sie diese Beschwerden bei sich spüren, denken Sie vermutlich, dass Sie sich erkältet haben – aber bestimmt nicht, dass es sich um eine typische Kinderkrankheit handeln könnte. Doch auch bei Erwachsenen kann Scharlach auftreten.

Scharlach bei Erwachsenen: Auslöser Streptokokken

An der Infektionskrankheit Scharlach erkranken vor allem Kinder zwischen vier und sieben Jahren, denn deren Immunsystem ist gerade in diesem Alter sehr anfällig für Infektionen. Doch die die Krankheit auslösenden Streptokokken können auch Erwachsene in sich tragen. Scharlach wird durch Streptokokken der Gruppe A verursacht, in erster Linie die Spezies Streptococcus pyogenes.

Tatsächlich können die Bakterien bei jedem zehnten Menschen nachgewiesen werden, im Winter sogar bei jedem vierten – auch wenn es nicht zum Ausbruch der Krankheit kommen muss. Das Immunsystem erwachsener Menschen ist – bei gesundem Körper – meist in der Lage, Strepktokokken zu bekämpfen. Doch wenn das Immunsystem sowieso schon geschwächt ist, können sie angreifen.

Scharlach gefährdet das Herz und den ganzen Körper – auch später noch

Besonders schlimm daran: Das Risiko für Komplikationen und Spätfolgen dieser Kinderkrankheit ist bei Erwachsenen besonders hoch. Dazu gehören etwa:

Das toxische Schocksyndrom wird von Giftstoffen ausgelöst, die die Scharlach-Bakterien produzieren.

Scharlach: Ansteckung erfolgt über die Luft

Die Ansteckung mit Scharlach erfolgt manchmal über symptomfreie Keimträger, meist jedoch über akut Erkrankte. Die Bakterien gelangen beim Sprechen und Husten in die Luft, beim Übertragungsweg handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion. Die Streptokokken werden jedoch auch per Händedruck weitergereicht oder haften etwa an Griffen und anderen Gegenständen. Gerade wenn jemand im Haushalt akut erkrankt ist, gilt es daher: möglichst Abstand halten, Hände richtig waschen, Gegenstände und Türgriffe desinfizieren. Auch die derzeit aufgrund der Corona-Pandemie geltenden AHA-Regeln schützen ebenso wie gegen Grippe und Erkältung damit auch gegen Scharlach.

Symptome von Scharlach: Halsschmerzen, Ausschlag, Himbeerzunge

Zwei bis vier Tage nach der Ansteckung treten dann die ersten Symptome auf:

  • starke Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • geschwollene Mandeln und Lymphknoten
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Gliederschmerzen
  • Schüttelfrost
  • manchmal auch Bauchschmerzen
  • Husten
  • Erbrechen
  • die Zunge ist anfangs weiß belegt, nach wenigen Tagen glänzend rot mit hellen Erhebungen ("Himbeerzunge")
  • dunkelroter, stecknadelgroßer Hautausschlag, der an den Leisten und Achseln beginnt und sich über den ganzen Körper ausbreiten kann. Mund und Kinnpartie bleiben verschont und sehen neben dem roten Ausschlag sehr weiß aus. Deshalb wird dieses Phänomen auch als "Milchbart" bezeichnet.

Medizinisch heißt Scharlach übrigens Scarlatina – und im Englischen "scarlet fever". Der Name rührt von den Hautrötungen.

Das Fieber steigt bei Scharlach schnell an. Währenddessen entzündet sich auch der Rachenraum, meist schwellen die Mandeln und Lymphknoten stark an. An den Mandeln ist ein weißer Belag erkennbar, der dann auf die Zunge übergeht und sich dann zur "Himbeerzunge" entwickelt.

Ursache für den Hautausschlag sind die bakteriellen Toxine, Stoffwechselprodukte der Streptokokken. Diese Giftstoffe sind auch schuld daran, wenn es zu Komplikationen wie Kreislaufzusammenbruch und Schock kommt, wenn sie den Körper überschwemmen.

Nach gut einer Woche verschwindet der Ausschlag normalerweise wieder und die Haut beginnt zu schuppen, vor allem an Handflächen und Fußsohlen.

Vorsicht: Es zeigen sich aber nicht immer alle Symptome, sogar die typischen wie "Himbeerzunge" oder Ausschlag können ausbleiben. Daher sollten Sie auch einen Arzt aufsuchen, wenn Sie nur ein paar der Symptome entdecken. Sowieso sollten Sie nie versuchen, Scharlach – egal ob beim Erwachsenen oder beim Kind – selbst zu Hause und dann auch noch mit Hausmitteln behandeln zu wollen. Denn unbehandelt oder nicht richtig behandelt kann Scharlach schnell zu den oben genannten Komplikationen und Spätfolgen führen.

Scharlach mit Antibiotika sicher behandeln

Starke Halsschmerzen und Fieber sollten Sie deshalb am besten gleich vom Arzt abklären lassen, womöglich noch bevor Scharlach als Vollbild ausbricht. Mit einem kurzen Rachenabstrich stellt der Arzt fest, ob es sich um einen Streptokokken-Befall handelt. Bestätigt sich der Verdacht, ist meist eine Behandlung mit Antibiotika nötig, um die Bakterien abzutöten.

Die verschriebenen Antibiotika greifen in der Regel gut und nebenwirkungsfrei, die Beschwerden klingen ab. Schon 24 Stunden nach Beginn der Einnahme sind Scharlachpatienten übrigens nicht mehr ansteckend – unbehandelt besteht dieses Risiko noch drei bis vier Wochen. Dennoch sollte sich der Erkrankte auch nach erfolgreicher Behandlung viel Ruhe gönnen, um dem Körper genügend Zeit zu geben, sich mitsamt der Darmflora wieder aufzubauen.

In der Regel verschreiben Ärzte bei Scharlach eine zehntägige Therapie mit Penicillin.

Scharlach in der Schwangerschaft – was tun?

Was viele nicht wissen: Auch wenn jemand früher bereits Scharlach hatte, besteht keine lebenslange Immunität gegen die Kinderkrankheit. Denn es gibt mehrere Streptokokken-Typen, die Scharlach auslösen. Nur, wenn Sie wieder mit der gleichen Bakterienart konfrontiert werden, erkranken Sie nicht nochmal. Handelt es sich jedoch um eine andere, können Sie erneut Scharlach bekommen. Eine Impfung gegen Scharlach wurde bis jetzt nicht entwickelt – anders als bei anderen Kinderkrankheiten wie Masern, die auch Erwachsene befallen können. Und Kinderkrankheiten sind oft besonders gefährlich für Erwachsene.

Sogar in der Schwangerschaft kann Scharlach auftreten. Für Schwangere bedeutet das: Bei Krankheitsanzeichen auf jeden Fall zum Arzt gehen! Werden Streptokokken festgestellt, verordnet der Arzt Antibiotika, die dem Kind nicht schaden, die Erkrankung bei der Mutter verkürzen und Komplikationen verhindern. Und keine Angst: Wenn die Mutter Scharlach hat und die verordneten Medikamente einnimmt, muss sie keine Fehlbildungen beim Kind befürchten. Auch ist das ungeborene Kind normalerweise nicht gefährdet, sich anzustecken.

Fieber als eines der Hauptanzeichen für Scharlach kann aber noch viele weitere Ursachen haben. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Themenseite.

Mehr Infos zu Scharlach sowie eine Bürgerinformation finden Sie auch auf der Scharlach-Seite von infektionsschutz.de.

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