29.04.2016

Riskante Kinderkrankheit Scharlach bei Erwachsenen – alles andere als harmlos

Zuerst ist die Zunge belegt, dann wird sie himbeerrot: ein Anzeichen für Scharlach.

Foto: ©iStock/4FR

Zuerst ist die Zunge belegt, dann wird sie himbeerrot: ein Anzeichen für Scharlach.

Scharlach kann auf Herz und Gelenke gehen. Lesen Sie, welche Symptome Scharlach bei Erwachsenen macht, alles über die Ansteckung und Behandlung.

Plötzlich starke Halsschmerzen, Fieber und Kopfschmerz: Wenn Sie diese Beschwerden bekommen, denken Sie vermutlich, dass Sie sich erkältet haben, aber nicht, dass es sich um Scharlach handeln könnte. Doch die Kinderkrankheit kann auch Erwachsene treffen.

Scharlach gefährdet das Herz

Besonders schlimm daran: Das Risiko für Komplikationen und Spätfolgen dieser Kinderkrankheit ist vor allem bei Erwachsenen hoch. Dazu gehören etwa:

  • Gelenkbeschwerden (Polyarthritis)

  • Lungenentzündung

  • Herzmuskelentzündung (Endokarditis)

  • Nierenschäden

  • Hirnhautentzündung

  • rheumatisches Fieber (tritt vier bis sechs Wochen nach der Scharlach-Erkrankung auf)

  • toxisches Schocksyndrom mit Multiorganversagen

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Das toxische Schocksyndrom wird von Giftstoffen ausgelöst, welche die Scharlach-Bakterien produzieren. Scharlach wird durch Streptokokken der Gruppe A verursacht, in erster Linie die Spezies Streptococcus pyogenes. Die Keime lassen sich im Winter bei etwa jedem vierten Deutschen auf der Nasen- und Rachenschleimhaut nachweisen, ohne dass Betroffene an Scharlach erkrankt sind.

Scharlach: Ansteckung erfolgt über die Luft

Die Ansteckung mit Scharlach erfolgt manchmal über diese symptomfreien Keimträger, meist jedoch über akut Erkrankte. Die Bakterien gelangen beim Sprechen und Husten in die Luft, beim Übertragungsweg handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion. Die Staphylokokken werden jedoch auch per Händedruck weitergereicht oder haften etwa an Griffen und anderen Gegenständen.

Symptome von Scharlach: Halsschmerzen, Ausschlag, Himbeerzunge

Zwei bis vier Tage nach der Ansteckung treten dann die ersten Symptome auf:

  • starke Halsschmerzen

  • Kopfschmerzen

  • manchmal auch Bauchschmerzen

  • Husten

  • Fieber

  • Erbrechen

  • Die Zunge ist anfangs weiß belegt, nach wenigen Tagen glänzend rot mit hellen Erhebungen („Himbeerzunge“)

  • dunkelroter Ausschlag, der an den Leisten und Achseln beginnt und sich über den ganzen Körper ausbreiten kann. Mund und Kinnpartie bleiben verschont und sehen neben dem roten Ausschlag sehr weiß aus. Deshalb wird dieses Phänomen auch als „Milchbart“ bezeichnet.

Ursache für den Hautausschlag sind die bakteriellen Toxine. Diese Giftstoffe sind auch schuld daran, wenn es zu Komplikationen wie einen Kreislaufzusammenbruch und Schock kommt. Nach gut einer Woche verschwindet der Ausschlag normalerweise wieder und die Haut beginnt zu schuppen.

Scharlach mit Antibiotika sicher behandeln

Starke Halsschmerzen und Fieber sollten Sie deshalb am besten gleich vom Arzt abklären lassen, womöglich noch bevor Scharlach als Vollbild ausbricht. Mit einem kurzen Rachenabstrich stellt der Arzt fest, ob es sich um einen Streptokokken-Befall handelt. Bestätigt sich der Verdacht, ist meist eine Behandlung mit Antibiotika nötig.

Die verschriebenen Antibiotika greifen in der Regel gut und die Beschwerden klingen ab. Schon 24 Stunden nach Beginn der Einnahme sind Scharlachpatienten übrigens nicht mehr ansteckend – unbehandelt besteht dieses Risiko noch drei bis vier Wochen.

Scharlach in der Schwangerschaft – was tun?

Auch in der Schwangerschaft kann Scharlach auftreten. Auch wenn jemand früher bereits Scharlach hatte, besteht keine lebenslange Immunität gegen die Kinderkrankheit.

Es gibt mehrere Streptokokken-Typen, die Scharlach auslösen. Nur, wenn Sie wieder mit der gleichen Bakterienart konfrontiert werden, erkranken Sie nicht nochmals. Handelt es sich jedoch um eine andere, können Sie erneut Scharlach bekommen. Eine Impfung gegen Scharlach wurde bis jetzt nicht entwickelt.

Für Schwangere bedeutet das: Bei Krankheitsanzeichen auf jeden Fall zum Arzt gehen! Werden Streptokokken festgestellt, verordnet der Arzt Antibiotika, die dem Kind nicht schaden, die Erkrankung bei der Mutter verkürzen und Komplikationen verhindern. Und keine Angst: Wenn die Mutter Scharlach hat und die verordneten Medikamente einnimmt, muss sie keine Fehlbildungen beim Kind befürchten.

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