05.07.2019

Wie Abstinenz wirkt Alkoholverzicht repariert den Körper – schon nach 5 Tagen

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Fit und agil: Wer sich über einen längeren Zeitraum mal nicht das abendliche Gläschen gönnt, sondern es mit Alkoholverzicht versucht, bemerkt schnell Veränderungen am Körper. Ausprobieren lohnt sich! Und ja: Die Stimmung steigt auch ohne Alkohol – oder gerade deswegen!

Foto: Shutterstock/Dragana Gordic

Fit und agil: Wer sich über einen längeren Zeitraum mal nicht das abendliche Gläschen gönnt, sondern es mit Alkoholverzicht versucht, bemerkt schnell Veränderungen am Körper. Ausprobieren lohnt sich! Und ja: Die Stimmung steigt auch ohne Alkohol – oder gerade deswegen!

Schon 5 Tage Alkoholverzicht regenerieren und verjüngen den Körper. Was tut sich nach einem Monat und einem halben Jahr Abstinenz?

Wenn wir entspannen wollen, trinken wir – das erste Glas Aperol Spritz und der Urlaub kann beginnen; wenn etwas Gutes passiert, trinken wir – mit Sekt wird auf die Beförderung, die Hochzeit, das Wiedersehen angestoßen; wenn etwas Schlechtes passiert, trinken wir – die beste Freundin und eine Flasche Wein scheinen oft das einzige, was bei Liebeskummer hilft... Kurz: In unserer Kultur gibt es IMMER einen Anlass zum Trinken.

Tatsächlich entscheiden sich aber auch Leute freiwillig zum (vorübergehenden) Alkoholverzicht, um zu sehen, wie die Abstinenz ihren Körper, ihre Psyche und ihr Leben verändert. Denn dass Alkohol einen Einfluss auf die Gesundheit hat, wird kaum einer bestreiten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO vertritt mittlerweile den Standpunkt, dass man keine sichere Menge für den Alkoholkonsum definieren kann. Je mehr getrunken wird, desto mehr steigt das Risiko für Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall und verschiedene Arten von Krebs.

Und auch wenn es nicht die ganz drastischen Auswirkungen sind, einen üblen Kater oder ein paar Pfunde zu viel bekommen die meisten irgendwann mal vom Trinken. Also: Mal sehen, wie es ohne ist! Wir haben bei Sportwissenschaftler und Gesundheitsexperte Prof. Dr. Ingo Froböse nachgefragt, was man erwarten kann, wenn man sich für eine Woche, einen Monat, ein halbes bzw. ein ganzes Jahr zum Alkoholverzicht entscheidet. Erstaunlich, wie schnell der Körper sich regeneriert:

Ab welchem Zeitraum profitiert man überhaupt vom Alkoholverzicht?

Prof. Froböse: "Man muss zunächst verstehen, dass Alkohol etwas ist, das den Körper immer belastet. Über Nacht ist es eigentlich seine wichtigste Aufgabe, sich zu regenerieren. Wenn gleichzeitig Alkohol abgebaut werden muss, bleiben die wichtigen Reparaturen an den Zellen auf der Strecke, der Alterungsprozess wird forciert. Pro Stunde werden etwa 0,1 Promille abgebaut, wenn Sie insgesamt 0,8 Promille hatten, bedeutet das, dass frühestens nach acht Stunden der Alkohol verstoffwechselt ist. Für Zellerneuerung bleibt in dieser Nacht schon mal keine Kapazität."

Was ist der mindeste Zeitraum für Abstinenz, den man einhalten sollte?

Prof. Froböse: "Damit die Regenerationsprozesse nicht so sehr gestört werden, empfehle ich, unter der Woche gar nicht zu trinken und sich nur am Wochenende ein paar Gläser zu gönnen. Das ist gesünder als jeden Tag ein bisschen zu trinken."

Ab wann merkt man selbst positive Auswirkungen der Alkohol-Abstinenz?

Prof. Froböse: "Nach etwa 14 Tagen Alkoholverzicht bemerken viele einen Motivationsschub. Sie stellen fest, dass es auch ohne Alkohol ganz gut geht und sie nicht so darauf angewiesen sind, wie sie dachten. Nach einem Monat zeigen sich meist schon deutliche Effekte, etwa:

  • Gesteigerte sportliche Leistungsfähigkeit und verbesserte Muskelarbeit, da der Körper sich besser regenerieren kann.
  • Gewichtsverlust, da die flüssigen Kalorien durch alkoholische Getränke meistens unbewusst zusätzlich aufgenommen wurden. Wenn Sie auf ein großes Glas Bier verzichten, sparen Sie schon 200 Kalorien ein.
  • Verbesserte Schlafqualität, da man betrunken zwar leichter einschläft, die Stoffwechselaktivität dann aber erhöht ist, woraufhin man in der zweiten Nachthälfte wieder aufwacht.
  • Frischeres, ausgeruhtes Aussehen, da auch die Hautzellen durch Alkoholverzicht besser repariert werden.
  • Verbesserte Leberwerte und geringere Entzündungswerte im Blut.

Was wäre die nächste Etappe des Alkoholverzichts?

Prof. Froböse: "Ich würde sagen, wer sechs Monate Abstinenz durchhält, hat seinen Körper einer gründlichen Reinigung unterzogen. Die Gesundheit profitiert nochmal auf vielfältige Weise, u. a.:

  • Höhere Stressresistenz und verbesserte, stabile Stimmung. Viele Menschen trinken, um sich (vermeintlich) zu beruhigen. Allerdings betäuben sie sich nur, die psychischen Belastungssymptome werden nur zugedeckt, die Neigung zu Depression steigt sogar. Durch den Alkoholverzicht können sie ganz bewusst gesündere Strategien entwickeln.
  • Das Herz-Kreislauf-System ist deutlich leistungsfähiger geworden, Sie merken das zum Beispiel daran, dass Sie beim Treppen steigen nicht mehr so schnell aus der Puste kommen oder größere Lasten tragen können.

Man geht mittlerweile davon aus, dass nur 7-10 Prozent unserer Gesundheit von der genetischen Veranlagung bestimmt werden. Rund 90 Prozent bestimmen wir also selbst durch unser Verhalten, so ist es nicht verwunderlich, dass auch bei schon bestehenden Herz-Kreislauferkrankungen Alkoholverzicht deutlich positive Auswirkungen hat."

Wie geht es nach der Abstinenz-Phase am besten weiter?

Prof. Froböse: "Wer den Zeitraum von sechs Monaten ohne Alkohol geschafft hat, hat sich von ungesunden Verhaltensweisen distanziert und kann nun lernen, nur noch eingeschränkt zum Genuss zu trinken. Ich empfehle, sich hierfür klare Regeln und Limits zu setzen, z. B. nur an den Wochenenden zu trinken, vorher die maximale Menge festzulegen und eine klare Strategie zu entwickeln, wie es Ihnen am leichtesten fällt, das einzuhalten."

Probieren Sie's aus: Mit ein wenig Achtsamkeit im Alltag schmecken Bier, Wein und Co beim gelegentlichen Trinken nach Genuss dann auch gleich besser.

Professionelle Beratung zum Alkoholverzicht

Wenn Sie merken, dass Sie Ihren Alkoholkonsum nicht (mehr) im Griff haben oder sich Sorgen machen, ob die Grenze zur Abhängigkeit bereits überschritten ist: Schämen Sie sich nicht! Alkohol ist ein Stoff mit Suchtpotential. Sie bekommen Beratung und Hilfe bei zahlreichen Anlaufstellen. Einen Überblick gibt das bundesweite Verzeichnis der Beratungsstellen der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Mehr über Prof. Dr. Ingo Froböse erfahren Sie auf seiner Website.

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