Aktualisiert: 24.08.2020 - 13:40

Das Bauchhirn Diese 5 Tipps helfen bei Verstopfungen durch Stress

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Magen-Dam-Beschwerden werden häufig durch Stress ausgelöst – vor allem Verstopfungen.

Foto: iStock.com/Marjan_Apostolovic

Magen-Dam-Beschwerden werden häufig durch Stress ausgelöst – vor allem Verstopfungen.

Stress kann uns schnell mal "auf den Magen schlagen". Doch Druck, Kummer oder Sorgen können nicht nur den Appetit verderben, sondern auch für Verstopfung sorgen. Warum – und was dann hilft.

Dass die Psyche einen entscheidenden Einfluss auf unsere Verdauung hat, können wir am eigenen Leib spüren. Wenn wir verliebt sind, haben wir "Schmetterlinge im Bauch". Druck, Sorgen und Kummer können dagegen schnell "auf den Magen oder die Verdauung schlagen" und bei Nervosität wird einigen oft "flau im Magen". Daher rücken Stressfaktoren immer mehr in den Fokus, die nicht selten mit Magen-Darm-Beschwerden einhergehen – allen voran stressbedingte Verstopfung, medizinisch Obstipation genannt. Warum die Psyche so schnell auf die Verdauung schlägt und was Sie gegen die Beschwerden tun können.

Verstopfung und Bauchschmerzen durch Stress – Wie hängen Psyche und Darm zusammen?

Schon lange ist bekannt, dass wir sozusagen ein zweites Gehirn haben, und zwar in unserem Verdauungssystem. Wenn Mediziner vom "Bauchhirn" oder "Darmhirn" sprechen, meinen sie damit das sogenannte enterische Nervensystem, das mit weit über 100 Millionen Nervenzellen den Verdauungstrakt steuert. Im Bauchhirn finden sich alle Botenstoffe, die auch unser Gehirn bildet, etwa Serotonin oder Dopamin.

Kopfhirn und Bauchhirn kommunizieren miteinander

Dass wir über ein Bauchhirn verfügen, erklärt allerdings noch nicht, weshalb Stress und andere psychische Belastungen schnell zu Verdauungsbeschwerden führen. Der entscheidende Punkt ist der, dass beide Gehirne über die sogenannte "Darm-Hirn-Achse" miteinander in ständigem Austausch stehen. Egal, ob uns etwas "sauer aufstößt" oder "sich uns der Magen umdreht": Der Grund liegt in Signalen, die unser Gehirn an das "Bauchhirn" übermittelt. Und diese Kommunikation läuft automatisch ab. Das heißt jedoch nicht, dass wir Magen-Darm-Beschwerden auf Grund von Stress, Kummer oder Angst hilflos ausgeliefert sind.

Verstopfung und Schmerzen werden besonders häufig durch Stress verursacht

Stress ist allgegenwärtig. Die Mehrfachbelastung aus Karriere, Familie und Haushalt bestimmen vor allem den Alltag vieler Frauen. Kommen dann noch die Menopause oder Probleme in der Partnerschaft hinzu, erhöhen solche Lebensumstände das Stresslevel zusätzlich.

Das bleibt nicht immer ohne Folgen für die Magen-Darm-Gesundheit. Auf Stress reagieren manche Frauen schnell mit Durchfall, besonders viele aber unterdrücken bei Stress den Stuhlgang, wenn auch oft unbewusst. Nach einiger Zeit meldet sich der Körper dann mit typischen Beschwerden wie Verstopfung, häufig in Begleitung von Blähungen und Bauchschmerzen.

Abgesehen davon, dass solche Symptome das Wohlbefinden im Alltag massiv beeinträchtigen, gibt es weitere Gründe, weshalb Sie Ihrer Verdauung bei Verstopfung möglichst schnell auf die Sprünge helfen sollten:

Wird der Stuhlgang nicht ausgeschieden, sobald es Zeit dafür ist, bleiben mit ihm auch Abfallprodukte länger als nötig im Körper. Zudem wird der Stuhl mit der Zeit immer fester, was einen reibungslosen Toilettengang erschwert. Wer etwa in Folge von Stress regelmäßig und über einen längeren Zeitraum unter Verstopfung leidet, hat ein erhöhtes Risiko, ein Hämorrhoidalleiden zu entwickeln. Denn übermäßiges Pressen fördert eine krankhafte Veränderung der Hämorrhoiden. Das alles sind gute Gründe, aktiv zu werden, wenn die Darmentleerung erschwert ist.

Was hilft bei Verstopfung und Bauchschmerzen durch Stress? 5 Tipps!

Bewegung: Bewegung schlägt bei Verstopfung und schmerzen durch Stress gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zunächst regt körperliche Aktivität die Durchblutung und damit auch die Darmtätigkeit an. Dabei muss es kein übermäßiges Sportprogramm sein: Wer einmal täglich eine Stunde im flotten Schritt spazieren geht, tut seiner Verdauung bereits sehr viel Gutes. Gleichzeitig wird bei Bewegung, Sport und Fitness Stress abgebaut. Die stresslösende Wirkung lässt sich zusätzlich erhöhen, wenn das tägliche Bewegungsprogramm an der frischen Luft, vielleicht sogar im Grünen, absolviert wird.

Entspannungstechniken: Yoga, Meditation, Atemübungen, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder Qi Gong – die Palette an Techniken zur Entspannung und Stressbewältigung ist lang, sodass eigentlich für jeden etwas Passendes dabei ist. Und falls es mit dem Meditieren nicht gleich klappen will, weil Ihre Gedanken ständig abschweifen, nehmen Sie es gelassen und stecken Sie den Kopf nicht in den Sand. Denn das ist eher die Regel als die Ausnahme. Übung, Geduld und Wiederholung sind hier gefragt.

Bauchmassage: Eine etwa zehnminütige Massage vor dem Aufstehen kann den Weitertransport des Verdauungsbreis im Darm fördern. Fahren sie bei der Bauchmassage mit sanften, kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn über Ihren Bauch. Schaffen Sie sich dabei eine ruhige, angenehme Atmosphäre und sorgen Sie im Vorfeld dafür, dass Störfaktoren wie ein klingelndes Smartphone keine Chance haben.

Pflanzliche Helfer: Die Natur hält einige Heilpflanzen bereit, die auch bei Verdauungsbeschwerden wie bei Blähungen, Verstopfung und Bauchschmerzen helfen. Besonders bewährt haben sich zum Beispiel Kamille, Fenchel, Kümmel oder Pfefferminze. Sie beruhigen den Magen-Darm-Trakt und regen gleichzeitig die Verdauung an, etwa als Teeaufguss. Um Ihrer Verdauung noch schneller auf die Sprünge zu helfen, sind auch Kapseln erhältlich, die das Öl in konzentriert Form enthalten.

Ballaststoffe: Eine ausgewogene Ernährung ist in puncto Verdauung einer der wichtigsten Grundpfeiler. Bei Verstopfung das richtige Stichwort: "Ballaststoffe". Diese unverdaulichen Nahrungsbestandteile quellen im Körper auf und erhöhen so das Volumen im Darm und damit auch den Stuhl. Ersetzen Sie in Ihrem täglichen Speiseplan Weißmehlprodukte am besten durch ballaststoffreiche Alternativen aus Vollkorn. Auch die tägliche Einnahme von Flohsamenschalen oder Chia-Samen, zum Beispiel im morgendlichen Porridge oder Müsli eingerührt, kann der Darmtätigkeit auf die Sprünge helfen. Dabei bitte ausreichend trinken, da Ballaststoffe dem Körper sonst Flüssigkeit entziehen.

Wenn diese Tipps nicht helfen, kann in Einzelfällen auch ein Abführmittel kurzfristig helfen. Die Einnahme sollte aber immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen! Leiden Sie über mehrere Tage unter Verstopfung, sollten Sie Ihren Arzt ohnehin um Rat fragen. Das gilt vor allem, wenn weitere Beschwerden wie Krämpfe hinzukommen, Vorerkrankungen bestehen sowie in höherem Alter.

Stressfaktoren identifizieren und ganzheitlich gegensteuern

Auch, wenn die oben genannten Tipps psychisch bedingte Magen-Darm-Beschwerden oft lindern können, ist es damit manchmal nicht getan. Bei anhaltenden Beschwerden sollten ernstere Ursachen ausgeschlossen werden.

Oft ist auch ein langfristiger, ganzheitlicher Ansatz gefragt. Wer schon lange unter Magen-Darm-Beschwerden leidet und vermutet, dass Dauerstress oder andere psychische Auslöser die Ursache hierfür sind, sollte sein Leiden nicht auf die leichte Schulter oder gar einfach hinnehmen. Erste Anlaufstelle ist für Betroffene der Hausarzt. Mit ihm können Sie gemeinsam mögliche Ursachen identifizieren und ganzheitliche Lösungsansätze für eine Leben mit weniger Stress und mehr Wohlbefinden für Magen und Darm suchen.

Mehr zum Thema Verdauung und unserem #SuperheldDarm können Sie auf unseren Themenseiten entdecken.

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Quellen:

Enck, P. et al.: Darm an Hirn! Der geheime Dialog unserer beiden Nervensysteme und sein Einfluss auf unser Leben. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 2017.

Rieser-Lembang, B.: Der Darm und seine Gefühle. In: Pirker-Binder, I. (Hrsg.): Prävention von Erschöpfung in der Arbeitswelt - Betriebliches Gesundheitsmanagement, interdisziplinäre Konzepte, Biofeedback. Springer Verlag Berlin, Heidelberg, 2016.

Hasler, G.: Die Darm-Hirn-Connection - Revolutionäres Wissen für unsere psychische und körperliche Gesundheit. J. G. Cotta'sche Buchhandkung Nachfolger GmbH, Stuttgart, 2019.

Axt-Gadermann, M.: Schlau mit Darm - Glücklich und vital durch ein gesundes Darmhirn. Südwest Verlag, München, 2016.

Siedentopp, U. Stress und Ernährung. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur 59, 44–47 (2016).

Werdecker L., Esch T. (2019) Stress und Gesundheit. In: Haring R. (eds) Gesundheitswissenschaften. Springer Reference Pflege – Therapie – Gesundheit. Springer, Berlin, Heidelberg, 2019.

Schwartz, J. et al.: Obstipation, Passagestörung, Ileus. In: Oechsele, K. et al. (Hrsg.): FAQ Palliativmedizin - Antworten - prägnant und praxisnah. Elsevier, München, 2019.

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