27.01.2017

Gesundheit Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?

Von

Nahrungsergänzungsmittel können niemals eine ausgewogene Ernährung ersetzen.

Foto: istock/ronstik

Nahrungsergänzungsmittel können niemals eine ausgewogene Ernährung ersetzen.

Jeder vierte Deutsche schluckt täglich zusätzlich Vitamine, Mineralien oder Spurenelemente in der Hoffnung, dadurch fit und gesund zu bleiben. Doch wie nützlich sind solche Präparate wirklich?

Vitamin C für das Immunsystem, Vitamin D für die Knochen, Ginseng für die Denkleistung, B-Vitamine für starke Nerven und Vitalität – das ist nur ein kleiner Teil der unzähligen Nahrungsergänzungsmittel, die es alleine auf dem deutschen Markt gibt. Das Angebot ist groß, die Kaufbereitschaft ebenso. So verzeichnete die Branche für 2016 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz, Tendenz steigend. Hinzu landen jährlich knapp hundert neue Tabletten, Pülverchen und Ampullen in den Regalen, die allesamt Gesundheit, Wohlbefinden, frische Energie oder gar Gewichtsverlust suggerieren. Pille gut, alles gut! Aber stimmt das wirklich?

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nach EU-Recht gelten mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Präparate als Lebensmittel und nicht als Arznei. Das heißt, sie dürfen weder Heilung oder sonst irgendeinen therapeutischen Nutzen versprechen. Anders als bei Medikamenten ist bei Nahrungsergänzungsmitteln ein Wirksamkeitsnachweis nicht erforderlich. Wie der Begriff schon sagt, können sie die Ernährung ergänzen, aber keineswegs ersetzen. „Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise“, ist auf jeder Packung beziehungsweise Packungsbeilage zu lesen. Damit sind die Hersteller rechtlich gesehen auf der sicheren Seite, denn wie zahlreiche Studien bereits bewiesen haben, kommen künstlich hergestellte Vitaminpillen gegen die natürlichen und bio-wirksamen Nährstoffe aus frischem Obst und Gemüse keineswegs ran.

Laut des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) sind Nahrungsergänzungsmittel für alle, die sich nur von Fastfood und Süßigkeiten ernähren und sich durch teure Präparate Ausgleich erhoffen, absolut nutzlos. Genauso für diejenigen, bei denen abwechslungsreiche und gesunde Kost auf den Teller kommt. Unser Wohlbefinden hängt nicht nur von den allgemein bekannten Vitaminen ab, sondern von schätzungsweise mehr als 10.0000 Nährstoffen, die erst in einem komplexen Zusammenspiel miteinander wirken. Viele davon sind sogar noch weitestgehend unerforscht. Keine noch so ausgeklügelte Pille kann das bieten. Wer sich normal ernährt, hat keinen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen. Auch wenn die Werbung das gerne suggeriert, so das BfR.

Die unterschätze Gefahr

Meist sind es allerdings gerade die Ernährungsbewussten, die gerne zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Da sie aber bereits optimal mit allem versorgt sind, können zu viele künstliche Nährstoffe nicht nur das Gleichgewicht im Köper stören, es kann sogar zu gefährlichen Überdosierungen kommen. Bedenklich sind vor allem die fettlöslichen Vitamine E, D, K und A. Massenhaft geschluckt, lagern sie sich im Körper ab, lösen Durchfall aus, begünstigen Nierensteine und schädigen mitunter lebenswichtige Organe. Ein Zuviel an Beta Carotin steht sogar im Verdacht, Krebs auszulösen. Hinzu kommt, dass synthetisch hergestellte Vitamine nur schlecht von den Zellen aufgenommen und verwerten werden. So ist das künstliche Vitamin C – auch bekannt als Ascorbinsäure – dem natürlichen Vitamin C in Zitrusfrüchten weit unterlegen.

Wann und für wen sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Es gibt allerdings auch Ausnahmen. So sind beispielsweise Hochleistungssportler, Veganer, chronisch Kranke oder auch ältere Menschen, die oft mit Appetitlosigkeit zu kämpfen haben, auf Unterstützung von bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln angewiesen. Besonders der Bedarf an Eisen und Vitamin B12 ist mit rein pflanzlicher Kost nur schwer zu decken. Das gilt auch für Patienten, die unter Morbus Crohn leiden. Folsäure hilft nachweislich bei Schwangeren, Missbildungen des Kindes vorzubeugen. Wer sich abgeschlagen, müde oder kränklich fühlt, sollte deshalb nicht in die Drogerie, sondern zum Arzt gehen. Durch eine Blutuntersuchung lässt sich schnell herausfinden, ob und in welcher Form Nährstoffmangel herrscht. Falls Bedarf festgestellt wird, kann dieser nicht durch Brausetabletten aus dem Supermarkt ausgeglichen werden, sondern mit hochwertigen Präparaten aus der Apotheke.

Nahrungsergänzungsmittel können also in bestimmten Fällen und unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll sein. Meist nützen sie allerdings eher den Herstellern als den Konsumenten. Das gilt besonders für Schlankheitsmittelchen, die zwar wirksam den Geldbeutel schmälern, aber nicht die Taille. „Mutter Natur“ bleibt eben unübertroffen und sie hat es so eingerichtet, dass es uns an nichts fehlt. Erst recht nicht, wenn wir das Glück haben in einer Zeit zu leben, die es uns ermöglicht im Supermarkt um die Ecke alles zu bekommen, was wir brauchen.

Mehr zum Thema Nahrungsergänzungsmittel

Seite