Es ist zum Heulen: Mein Garten stand gerade in voller Blüte, als ein Unwetter mit Hagel, Sturm und Starkregen binnen weniger Minuten zerstörte, wofür ich monatelang gearbeitet hatte. Die wichtigsten Fragen jetzt: Zahlt die Versicherung den Schaden und was kann ich tun, damit sich meine Pflanzen erholen?
Vor wenigen Tagen stand ich noch mit meinem Kaffee im Garten und war einfach glücklich.
Mein japanischer Blumenhartriegel sah wunderschön aus. Seine filigranen Äste waren übersät mit cremeweißen Blüten. Davor blühten die weißen Beetrosen so üppig wie lange nicht mehr. Und mein Eisenkraut hatte endlich genau die Größe erreicht, auf die ich den ganzen Frühling hingearbeitet hatte.
Dann kam das Unwetter.
Hagelkörner so groß wie Wachteleier donnerten vom Himmel. Der Wind peitschte durch die Beete. Starkregen verwandelte den Rasen in einen Sumpf. Als ich danach nach draußen ging, traf mich der Anblick wie ein Schlag.
Äste lagen auf dem Boden. Die Blüten meines Blumenhartriegels waren zerfetzt. Das Eisenkraut war abgeknickt. Die Blätter meiner Hortensien sind durchlöchert. Die Margeriten umgemäht. Wer einen Garten liebt, weiß: Das tut weh.
Und als wäre das nicht schon ironisch genug: Etwa eine Stunde vor dem Unwetter stand ich noch im Garten und habe jede Blüte meiner Margeriten penibel mit Seifenlauge besprüht, um die Blattläuse loszuwerden.
Die gute Nachricht: Die Blattläuse sind definitiv Geschichte. Die schlechte Nachricht: Nach Hagel und Sturm leider auch die Hälfte aller Margeritenblüten.
Zahlt die Versicherung, wenn Pflanzen durch Unwetter zerstört wurden?
Wer wie ich einen Unwetterschaden im Garten hat, fragt sich natürlich, ob eine Versicherung zahlt, wenn Blumen oder Sträucher beschädigt wurden. Und hier kommt direkt die schlechte Nachricht: Normale Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen ersetzen Schäden an Blumen, Stauden, Gemüsepflanzen oder Sträuchern in der Regel nicht.
Sind nach Hagel wie bei mir die Hortensien ruiniert oder die Sommerblumen zerstört, bleiben Gartenbesitzerinnen meist auf den Kosten sitzen.
Bei Bäumen kann es anders aussehen
Anders sieht die Lage bei größeren Gehölzen aus. Einige Wohngebäudeversicherungen schließen sogenannte Gartenanlagen mit ein. Dazu können Bäume, Hecken oder größere Sträucher gehören.
Das kann wichtig werden, wenn ein frisch gepflanzter Baum durch Sturm oder Hagel so stark beschädigt wird, dass er ersetzt werden muss. Gerade hochwertige Ziergehölze wie große Blumenhartriegel, ein japanischer Ahorn oder Obstbäume kosten schnell mehrere Hundert Euro.
Ob die Versicherung zahlt, hängt aber immer vom individuellen Vertrag ab. Ein Blick in die Unterlagen lohnt sich deshalb unbedingt.
Gartenexperte Mattias Nemeth kennt solche Schäden aus eigener Erfahrung
Mein BILD der FRAU-Kollege Mattias Nemeth, neuer Host des Podcasts „Mit Herz & Harke“, Tomaten- und Paprikazüchter sowie Experte für naturnahes Gärtnern, musste 2023 selbst erleben, wie zerstörerisch die Natur sein kann.
Ein schweres Unwetter samt extremem Hagel verwüstete damals seinen Garten und zerstörte sogar all seine Gewächshäuser.
Sein wichtigster Rat: Dokumentiere jeden Schaden sofort. „Lieber zehn Fotos zu viel als eines zu wenig“, sagt Mattias. Fotografiere beschädigte Pflanzen, abgebrochene Äste, umgestürzte Bäume und zerstörte Gartenbauten möglichst detailliert. Falls die Versicherung einspringt, können diese Bilder später entscheidend sein.
Was tun, wenn Pflanzen Hagelschäden haben?
Viele Hobbygärtnerinnen möchten nach einem Unwetter sofort aufräumen. Verständlich. Trotzdem solltest du zunächst dokumentieren und dann gezielt handeln.
Abgebrochene Triebe, eingerissene Zweige und stark beschädigte Pflanzenteile solltest du mit einer sauberen Gartenschere entfernen.
Der Grund: Offene Wunden bieten Krankheitserregern eine ideale Angriffsfläche. Vor allem Pilze und Fäulniserreger können über verletzte Stellen in die Pflanze eindringen und weitere Schäden verursachen. Außerdem regt bei einigen Pflanzen ein beherzter Schnitt die Bildung einer zweiten Blüte an. Dazu gehören zum Beispiel die Beetrosen in meinem Garten.
So hilfst du deinem Garten nach dem Unwetter
- Schäden fotografieren.
- Versicherungsunterlagen prüfen.
- Abgebrochene Triebe sauber zurückschneiden.
- Beschädigte Pflanzenteile entfernen.
- Umgestürzte Pflanzen aufrichten und stützen.
- In den nächsten Wochen auf Pilzbefall achten.
Besonders hohe Stauden wie Katzeminze, Margeriten oder Eisenkraut sehen nach Hagel oft schlimmer aus, als die Schäden tatsächlich sind. Mit etwas Pflege treiben sie häufig wieder kräftig aus und richten sich auf, sobald das Wasser abgetrocknet ist.
Gärtnern heißt auch, loslassen lernen
Als ich die zerfetzten Blüten meines Blumenhartriegels vom Boden aufhob, war ich natürlich traurig. Nicht nur wegen des Geldes. Sondern weil in jedem Beet Zeit, Geduld und Herzblut stecken. Doch genau das gehört zum Gärtnern dazu: loslassen lernen.
Wir können pflanzen, pflegen, düngen und uns kümmern. Aber die Natur haben wir nicht in der Hand. Manchmal erinnert sie uns sehr deutlich daran, wer am Ende die Regeln macht.
Was wir tun können, ist unseren Garten bestmöglich zu unterstützen. Schäden dokumentieren, verletzte Pflanzen zurückschneiden, umgestürzte Gehölze sichern und darauf vertrauen, dass vieles wieder nachwächst.