Eine Marke von
Menü Zurück

Tomaten ausgeizen: So macht es ein Tomatenzüchter

Eine Tomate bei der gerade mit einer Schere ein Geiztrieb entfernt wird.
© Mattias Nemeth
05.06.2026 • 07:00 Uhr
Mattias Nemeth

Nicht jede Tomate darf ausgegeizt werden. Welche Sorten es brauchen, wann Ausgeizen krank machen kann und warum zu viel davon dem Geschmack schadet.

 

Im Sommer gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als reife Tomaten aus dem eigenen Garten zu pflücken. Doch dazu muss ich jetzt im Juni damit anfangen, sie zu verhätscheln. Das heißt aber nicht nur speziellen Dünger, ausreichend Mulch, optimiertes Gießen, sondern auch richtiges Ausgeizen. Doch nicht jede Tomate wird gleich stark oder überhaupt ausgegeizt. Als Tomatenzüchter und Sortenerhalter von über 600 Tomatensorten verrate ich dir, welche Tomatensorten auf keinen Fall ausgegeizt werden und wie du richtig ausgeizt, ohne dem Geschmack oder der Pflanzengesundheit zu schaden. 

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Nur diese Tomaten ausgeizen

Auch wenn es oft wie ein Gesetz klingt, nicht alle Tomaten werden ausgegeizt. Nur Stabtomaten und die etwas kleineren Stocktomaten werden ausgegeizt. Das sind Sorten mit unbegrenztem Wachstum, also Tomaten, die immer weiter in die Höhe wachsen und laufend neue Seitentriebe bilden.

Dazu zählen viele klassische Salat- und Fleischtomaten, aber auch zahlreiche Cherry- und Cocktailtomaten. Aber es gibt auch Stabtomaten mit begrenztem Wuchs und die bereits genannten Stocktomaten, die sogar noch kleiner bleiben. Bei ihnen ist das Ausgeizen meist sinnvoll, weil die Pflanzen sonst schnell zu dicht werden, schlechter abtrocknen und ihre Kraft auf immer mehr Triebe verteilen. 

Ganz anders sieht es bei Buschtomaten aus. Sie wachsen begrenzt, bleiben kompakter und setzen ihre Fruchtstände genau an den Trieben an, die man beim Ausgeizen entfernen würde. Deshalb werden sie in der Regel nicht ausgegeizt.

Das gilt auch für Zwergtomaten, Ampeltomaten und Wildtomaten, die buschig wachsen sollen und höchstens leicht ausgelichtet werden, wenn sie zu dicht werden. Bei allen Tomatentypen entferne ich allerdings regelmäßig die unteren, bodennahen Blätter sowie kranke oder beschädigte Pflanzenteile.

So geizt du deine Tomaten richtig aus

Beim Ausgeizen entfernst du die Seitentriebe, die in den Blattachseln zwischen Haupttrieb und Blatt entstehen. Am einfachsten geht das, solange die Geiztriebe noch klein und weich sind. Dann kannst du sie mit den Fingern vorsichtig zur Seite ausbrechen. Größere oder schon kräftigere Triebe schneidest du besser mit einem sauberen, scharfen Messer oder einer Schere ab, damit die Wunde möglichst glatt bleibt.

Am besten geizt du bei trockenem Wetter aus, damit die Schnitt- oder Bruchstellen schnell abtrocknen und Krankheitserreger es schwerer haben. Wichtig ist außerdem, wirklich nur die Geiztriebe zu entfernen und nicht versehentlich den Haupttrieb oder einen Fruchtstand zu beschädigen. Ich kontrolliere meine Stabtomaten dafür regelmäßig, damit ich lieber kleine Triebe früh entferne, statt später große Wunden in die Pflanze zu schneiden.

Expertentipp

Wenn du den ein oder anderen Geiztrieb etwas länger wachsen lässt, kannst du diesen in einer Vase mit Wasser bewurzeln und schon hast du eine Gratis-Tomate. 

Ausgeizen schadet dem Geschmack

Der häufigste Fehler ist allerdings nicht das Ausgeizen an sich, sondern das Übertreiben. Vor allem zu starkes Entfernen von Blättern kann die Qualität deiner Tomaten verschlechtern und sie schmecken nicht mehr. Die Blätter bilden durch Fotosynthese Zucker, der später in die Früchte eingelagert wird. Wird zu viel Blattmasse entfernt, sinkt diese Leistung und damit oft auch Aroma und Süße. Das Ergebnis sind häufig kleinere, weniger aromatische Früchte. 

Auch die Ausreife kann darunter leiden. Blätter steuern schließlich nicht nur die Zuckerbildung, sondern auch Wasserhaushalt und Nährstoffverteilung. Werden zu viele entfernt, können Probleme wie ungleichmäßige Reife oder Qualitätsmängel zunehmen.

Deshalb arbeite ich beim Ausgeizen lieber mit Augenmaß. Stabtomaten im Gewächshaus geize ich regelmäßig aus, aber nicht radikal. An luftigen Standorten gehe ich zurückhaltender vor. Busch-, Wild- und Zwergtomaten lasse ich weitgehend in Ruhe. Untere Blätter mit Bodenkontakt sowie kranke oder beschädigte Pflanzenteile entferne ich dagegen konsequent.

Das Wetter entscheidet über das Ausgeizen

Auch das Wetter entscheidet mit. In feuchten Jahren ist stärkeres Ausgeizen oft sinnvoll, um den Krankheitsdruck zu senken. In trockenen, sonnigen Phasen darf mehr Blattmasse stehen bleiben, damit die Pflanze im Gleichgewicht bleibt und die Früchte besser geschützt sind.

Auch der Standort spielt eine wichtige Rolle. Im Freiland mit großzügigem Pflanzabstand und guter Luftbewegung kannst du oft deutlich entspannter bleiben als im Gewächshaus. Dort ist gezieltes Ausgeizen meist sinnvoller, weil dichter Wuchs die Blattnässe verlängert und damit Krankheiten wie Braunfäule, Septoria oder Alternaria begünstigen kann.