Aktualisiert: 12.05.2021 - 16:05

Expertinnenrat für mehr Lust auf Sex Libido in den Wechseljahren: Wie sie sich verändert, was Sie tun können

Von Susanne Kretschmann

Auch die Libido verändert sich im Laufe des Lebens, vor allem in den Wechseljahren. Was Sie dagegen tun können.

Foto: Getty Images / franckreporter

Auch die Libido verändert sich im Laufe des Lebens, vor allem in den Wechseljahren. Was Sie dagegen tun können.

Lust auf Sex ist keine Selbstverständlichkeit: Die Libido verändert sich in den Wechseljahren – und ist für die Menopause genauso charakteristisch wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen. Wie Sie dagegen angehen können.

Mit der hormonellen Umstellung in der Menopause verändert sich auch die Lust auf Sex. BILD der FRAU hat mit zwei Expertinnen darüber gesprochen, wie sich die Libido in den Wechseljahren verändert, was Frauen tun können und wie Männer darauf reagieren.

Wechseljahre
Wechseljahre

Veränderungen der Libido in den Wechseljahren

Vanessa del Rae ist Sexual-Coach und Buch-Autorin. In ihren Seminaren ist die Menopause häufig ein Thema. Frauen erleben sie individuell. "Manche Teilnehmerinnen berichten, dass an sich die Lust wohl da ist, allerdings stellt sie sich nicht von selbst ein", erklärt Vanessa del Rae. "Andere Frauen wünschen sich mal wieder so richtig Lust auf Sex."

Die Hamburger Heilpraktikerin (immunologischer Ansatz) und Ernährungsexpertin Sarah Rodeck erklärt die Veränderungen der Libido in der Menopause anhand eines Bildes von einem Baum, der mit Wasser bzw. Energie versorgt wird: "Im Grunde wird Frau im Laufe ihres Lebens immer selbstsicherer was ihre eigene Sexualität angeht. Wie ein älterer Baum auch in Trockenzeiten besser weiß, wie er seinen Wasserhaushalt aufrechterhält, als ein Jungspund. Von daher ist die Sexualität eigentlich ausgeprägter, doch da Frau häufig in einer sexuell unbefriedigenden Beziehung lebt oder großem Stress ausgesetzt ist, zieht sie sich eher zurück und versucht ihren energetischen Haushalt anders zu organisieren." Immerhin würde ein Baum seine Wurzeln auch nicht in Regionen wachsen lassen, die ihn nicht versorgen können.

Manchmal steht der Lust auf Sex die häufig auftretende Scheidentrockenheit (Lubrikation) im Weg. Mit der Menopause wird die Scheidenschleimhaut dünner. Da hilft nur: "Gleitgel, Gleitgel, Gleitgel", sagt Vanessa del Rae. "Ohne kann es zu Verletzungen kommen und wenn der Sex weh tut, kann Vermeidungsverhalten die Folge sein." Am besten benutzt man es, bevor es zu Schmerzen kommt.

Was verändert sich auf körperlicher Ebene?

Scheidentrockenheit ist eines von vielen Symptomen der einsetzenden Wechseljahre, die für Frauen zur Herausforderung werden können. Durch die hormonelle Umstellung hat der Körper einiges zu bewältigen. Die Liste der möglichen Symptome in den Wechseljahren ist lang: Hitzewallungen, Launenhaftigkeit, Schlafstörungen, Blasenschwäche, Gewichtszunahme, Haarausfall, Herz- und Kreislaufbeschwerden, Herzrasen, Osteoporose, Schwindel, Zyklusstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen können auftreten.

Sarah Rodeck beobachtet in ihrer Praxis alarmierende Veränderungen. "Aus medizinischer Sicht habe ich die ersten Jahre meiner Tätigkeit immer gesagt, dass wir es mit einem physiologischen und damit normalen Prozess zu tun haben, doch im Verlaufe der Jahre haben sich die hormonellen Probleme, nicht nur bei Frauen in den Wechseljahren, sehr gehäuft", erklärt die Heilpraktikerin. Aber: "Aus naturheilkundlicher Sicht ist es ist nicht nötig, dass Frauen den Wechsel durchleiden. Ich teile diese Auffassung und arbeite dementsprechend mit den natürlichen Vorgängen, ohne in sie destruierend einzuwirken. Dies hat positive Auswirkungen auf den Körper und die Lust der Frau."

Ausgerechnet eine intakte Sexualität kann sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken und helfen, den Energie- und Hormonhaushalt der Frau zu harmonisieren. Rodeck: "Wir können medizinisch sagen, dass, um den Wechsel möglichst milde zu erleben, ein effizientes Sexleben außerordentlich wünschenswert ist, da es das Verhältnis zwischen den beiden hauptbeteiligten Hormonen Progesteron und Östrogen gut bilanziert und obendrein für ein gutes Stressmanagement sorgt. Auf diesem sehr natürlichen Weg kann sich bereits vieles im Körper selbstregulieren."

Übrigens: Nicht nur ein erfülltes Sexleben, auch mehr Genuss und Spaß im Alter ganz allgemein ist ein wunderbares Mittel, um uns jung zu halten, sagt auch ein Anti-Aging-Experte. Sein Rat: Weg von Askese und Abstinenz im reiferen Alter!

Wie reagieren Männer?

"Männer sind häufig einfach nur verunsichert", sagt Sexual-Coach Vanessa del Rae. "Aber wenn die Frauen gut für sich sorgen, können sie die Männer dort auch gut abholen."

Dazu gehört zum Beispiel, klar seine sexuellen Bedürfnisse zu äußern. Vanessa del Rae: "Wenn beide Seiten verunsichert sind und nicht geredet wird, kommt es zu Missverständnissen: Männer denken, Frauen haben keine Lust mehr auf sie. Dann kann es durchaus sein, dass sie sich eine neue Partnerin suchen." Was tun, wenn mein Partner nie Lust auf Sex hat? Dieses Problem lässt sich zum Glück klären.

Dass Männer an Frauen nach ihren Wechseljahren kein Interesse mehr haben, kann der Sex-Coach nicht bestätigen. "Natürlich verändert sich der Körper sehr schnell in kürzester Zeit", erklärt Vanessa del Rae. "Damit muss man erst mal klarkommen. Aber es ist auch immer die Frage, was ich selbst aus mir mache. Jede Frau kann etwas für ihre Attraktivität tun, wenn sie will." Das beginnt bei der täglichen Pflegeroutine und dem sexy Spitzenhöschen drunter und endet bei der persönlichen Einstellung.

Frau sein und bleiben: Der Sex während und nach der Menopause

Mit den körperlichen Umstellungen reift ein neues Selbstverständnis. Viele Frauen erleben die Menopause als einen Prozess der Besinnung. Die gute Nachricht: Nach der Menopause ist es mit lustvollem Sex ganz und gar nicht vorbei. Im Gegenteil! "Der Sex kann viel gelassener werden", sagt Vanessa del Rae. "Auch, weil sich das Paar nicht mehr um Verhütung kümmern muss."

"Gerade Frauen vor, in und nach den Wechseljahren sind eigentlich offener für Sex, haben aber eigene Vorstellungen von der für sie effizienten Erfüllung", sagt Sarah Rodeck. Oft wird Energie bei der Libido eingespart, wenn sie in anderen Lebensbereichen benötigt wird. "Das kann körperliche Ursachen aber auch Lebensumstände umfassen. Auch die Verschiebung der hormonellen Quotienten aus anderen Gründen fördert den Libido-Verlust. Werden diese Quotienten reguliert, kehrt auch vermehrt Lust zurück."

Eigeninitiative ist gefragt, wenn es darum geht, Situationen zu schaffen, die die eigene Lust fördern. Ein Schritt ist, die Veränderung zu akzeptieren. Immerhin handelt es sich um einen Prozess, der nicht umkehrbar ist und der zum Frausein dazugehört. "Anstatt traurig in den Spiegel zu schauen, kann man auch auf das eigene Leben zurückblicken ­– und Altersflecken erzählen auch eine Geschichte", sagt Vanessa del Rea. "Außerdem geht es beim Sex nicht um Leistung, sondern um Lebensqualität."

Sex in den Wechseljahren: Was gegen die häufige erotische Flaute im Bett noch hilft, lesen Sie hier.

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