Frühling oder Frost?

Osterwetter 2026: Winterjacke, Sonne oder Regen? Das sagt der Experte

Eine leuchtend gelbe Narzisse ist von Schnee bedeckt, ihre Blütenblätter ragen aus dem frostigen Weiß zwischen grünen Halmen.
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Osterwetter 2025: Wird es Frühlingssonne oder Frost und Schnee geben?

Ostern 2026 fällt auf den 5. April – und viele fragen sich: Bleibt es frühlingshaft oder droht uns doch noch Schnee? BILD der FRAU hat beim Wetterexperten Dominik Jung nachgefragt.

Ostern 2026 fällt auf den 5. April und liegt damit in diesem Jahr noch relativ früh im Frühling. Aber was bedeutet das für die Osterferien und die Feiertage? Tragen wir bei der Ostereiersuche eine Winterjacke, ein Frühlingskleid oder fallen die freien Tage ganz ins Wasser? Genau das haben wir Meteorologen Dominik Jung von wetter.net gefragt. 
Hasen-Körbchen: Das perfekte Geschenk zu Ostern
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Dominik Jung, Diplom-Meteorologe von wetter.net.

Prognose-Falle Ostern: So zuverlässig ist der Wetterbericht wirklich

Bild der Frau: Wie verlässlich sind Wetterprognosen speziell über die Osterfeiertage wirklich?

Dominik Jung: Wetterprognosen sind heute deutlich präziser als noch vor einigen Jahrzehnten, dennoch stößt die Vorhersagbarkeit gerade rund um Ostern an natürliche Grenzen. Der Zeitraum fällt in eine meteorologisch hochdynamische Phase: Die Atmosphäre ist im Frühling besonders "unruhig", weil sich Temperaturgegensätze zwischen Nord und Süd verstärken. Kurzfristige Vorhersagen bis etwa drei Tage im Voraus gelten als sehr zuverlässig. Darüber hinaus – insbesondere bei 5 bis 7 Tagen – liefern Modelle eher Trends als konkrete Aussagen. Für die Osterfeiertage bedeutet das: Eine erste Einschätzung ist früh möglich, belastbare Details ergeben sich jedoch oft erst wenige Tage vorher.

Winterjacke oder Frühlingskleid? Das erwartet dich zu Ostern wirklich

Bild der Frau:  Womit müssen wir dieses Jahr realistischerweise rechnen – eher Winterjacke oder Frühlingskleid?

Dominik Jung:  Klimatologisch liegt Ostern genau in der Übergangsphase zwischen Winter und Frühsommer. Entsprechend sind große Spannweiten möglich: Von kühlen 8 Grad mit Wind bis hin zu milden 20 Grad bei Sonnenschein ist alles denkbar. Häufig zeigt sich ein typisches „Aprilwetter“-Muster mit wechselhaften Bedingungen. Realistisch ist daher kein eindeutiges Szenario, sondern ein Mix – warme Phasen am Tag, aber kühle Morgen- und Abendstunden. Wer vorbereitet sein will, setzt auf flexible Kleidung im Zwiebellook.

Bild der Frau: Welche typischen Wetterfallen gibt es an Ostern, auf die man sich vorbereiten sollte?

Dominik Jung: Eine der größten Fallen ist die trügerische Stabilität am Vormittag: Ein sonniger Start in den Tag kann schnell von Schauern oder sogar kurzen Gewittern abgelöst werden. Hinzu kommt der oft unterschätzte Wind, der die gefühlte Temperatur deutlich senkt. Auch große Temperaturunterschiede innerhalb eines Tages – teilweise mehr als 10 Grad – sind typisch. Besonders tückisch: Schauer treten häufig lokal und kurzzeitig auf, sodass Prognosen zwar "Regen möglich" anzeigen, der genaue Ort aber schwer vorherzusagen ist.

Bild der Frau: Wann sollte man den Osterausflug am besten planen – gibt es "klassische" Schönwetter-Zeitfenster?

Dominik Jung: Aus meteorologischer Sicht gelten die späten Vormittagsstunden bis in den frühen Nachmittag hinein häufig als die stabilste Phase des Tages. Zwischen etwa 10 und 14 Uhr ist die Luft oft noch vergleichsweise ruhig, bevor sich durch Sonneneinstrahlung neue Quellwolken bilden. Am Nachmittag steigt dann das Risiko für Schauer oder Gewitter deutlich an. Morgens hingegen kann es noch kühl, feucht oder neblig sein. Diese Zeitfenster sind keine Garantie, aber eine bewährte Orientierung bei wechselhaftem Frühlingswetter.

Die beste Zeit fürs Ostereiersuchen: Dieses Zeitfenster solltest du nutzen

Bild der Frau: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ostereiersuche dieses Jahr ins Wasser fällt?

Dominik Jung: Statistisch gesehen liegt die Niederschlagswahrscheinlichkeit im Frühling in Deutschland an einem beliebigen Tag bei etwa 30 bis 50 Prozent. Das bedeutet jedoch selten Dauerregen. Viel häufiger handelt es sich um einzelne, oft kurze Schauer. Für die Ostereiersuche heißt das: Komplett verregnete Feiertage sind eher die Ausnahme. Mit etwas Flexibilität – etwa beim Timing oder der Wahl des Ortes – lässt sich ein trockenes Zeitfenster meist finden.

Bild der Frau: Gibt es Regionen in Deutschland, wo das Wetter an Ostern meist besser ist?

Dominik Jung: Langjährige Beobachtungen zeigen leichte regionale Unterschiede. Der Südwesten Deutschlands, insbesondere der Oberrheingraben, profitiert häufig von milderen Temperaturen und etwas mehr Sonnenschein. Der Osten ist im Frühling oft trockener, kann jedoch windiger sein. Küstenregionen hingegen sind stärker vom wechselhaften Einfluss der Nord- und Ostsee geprägt, was häufiger zu kühleren und windigeren Bedingungen führt. In Mittelgebirgen und am Alpenrand ist das Schauerrisiko erhöht. Insgesamt bleiben die Unterschiede jedoch im Frühling vergleichsweise moderat.

Bild der Frau: Was empfehlen Sie Familien spontan zu tun, wenn das Wetter kippt?

Dominik Jung: Flexibilität ist der Schlüssel. Familien sollten idealerweise Alternativen einplanen: Indoor-Aktivitäten wie Museen, Tierhäuser oder Spielparks bieten sich an. Auch klassische Traditionen wie die Ostereiersuche lassen sich problemlos nach drinnen verlegen. Bei wechselhaftem Wetter lohnt es sich zudem, gezielt Regenpausen zu nutzen – diese sind im Frühling oft länger als die eigentlichen Schauer. Mit wetterfester Kleidung bleiben viele Outdoor-Aktivitäten weiterhin möglich.

Warum es sich an Ostern kälter anfühlt als es ist

Bild der Frau: Warum fühlt sich das Wetter an Ostern oft kälter an, als es tatsächlich ist?

Dominik Jung: Das subjektive Temperaturempfinden wird stark vom Wind beeinflusst. Selbst bei moderaten Temperaturen kann Wind die gefühlte Kälte deutlich verstärken – ein Effekt, der als Windchill bekannt ist. Hinzu kommt, dass Böden, Gewässer und auch Gebäude nach dem Winter noch vergleichsweise kühl sind und Wärme speichern. Die Sonne hat zwar bereits Kraft, kann diese Kälte aber oft noch nicht vollständig ausgleichen. Dadurch entsteht häufig der Eindruck, es sei kälter, als das Thermometer anzeigt.

Bild der Frau: Warum schwankt das Wetter im Frühling so extrem von warm zu kalt?

Dominik Jung: Der Frühling ist geprägt von starken Gegensätzen in der Atmosphäre. Warme Luftmassen aus südlichen Regionen treffen regelmäßig auf kalte Luft aus dem Norden oder Osten. Gleichzeitig verläuft der Jetstream – das Starkwindband in großer Höhe – in dieser Jahreszeit oft besonders wellenförmig. Diese sogenannten Mäander sorgen dafür, dass sich warme und kalte Luftmassen rasch abwechseln. Das Ergebnis sind teils abrupte Temperaturwechsel innerhalb weniger Tage – ein charakteristisches Merkmal des Frühlingswetters in Mitteleuropa.

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