16.04.2021 - 10:20

Royal-Expertin Julia Melchior Trauerfeier für Prinz Philip könnte "alte Wunden aufreißen"

Von Spot-on-news

Prinz Philip in seiner Rolle als Captain General der Royal Marines bei seinem letzten offiziellen Solo-Auftritt am 2. August 2017 vor dem Londoner Buckingham Palast.

Foto: imago images/PA Images

Prinz Philip in seiner Rolle als Captain General der Royal Marines bei seinem letzten offiziellen Solo-Auftritt am 2. August 2017 vor dem Londoner Buckingham Palast.

Die Trauerfeier für Prinz Philip könnte bei Prinz William und Prinz Harry "alte Wunden aufreißen", sagt Royal-Expertin Julia Melchior im Interview.

Nach dem Tod von Prinz Philip (1921-2021) am 9. April auf Schloss Windsor findet am Samstag (17. April) die Beerdigung ebenfalls in Windsor statt. Das ZDF überträgt die Zeremonie zum Abschied vom Ehemann (1947-2021) der britischen Königin Elizabeth II. (94) von 15:10 Uhr bis 17:08 Uhr live aus Mainz und London.

Die Royal-Expertin Julia Melchior wird "Die Trauerfeier für den Duke von Edinburgh" kommentieren. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verspricht sie eine "bildgewaltige und würdevolle Veranstaltung". Und obwohl sie "nicht mit emotionalen Ausbrüchen" seitens der königlichen Familie rechnet, "könnte der Abschied von ihrem Großvater bei William und Harry alte Wunden aufreißen".

Was erwartet die Zuschauer in der Sendung "ZDF spezial: Die Trauerfeier für den Duke von Edinburgh"?

Julia Melchior: Die BBC liefert die Bilder aus Schloss Windsor und Norbert Lehmann und ich kommentieren vom Studio in Mainz aus. Dazu gibt es Live-Schalten zu den London-Korrespondenten Diana Zimmermann und Andreas Stamm. Wir dürfen wegen Corona und den Quarantänebedingungen nicht einreisen. Eine Live-Berichterstattung vor Ort ist vom Königshaus auch nicht erwünscht. Menschenansammlungen sollen unbedingt vermieden werden. So wird es auch keine Prozession durch Windsor geben. Die royale Trauergesellschaft wird das Gelände von Schloss Windsor nicht verlassen, auf diese Weise werden Schaulustige in Windsor nichts sehen können. Die einzigen Bilder von den Feierlichkeiten liefert das Fernsehen.

Wie nah wird die BBC rangehen?

Melchior: Die Kameras halten einen pietätvollen Abstand und liefern sicherlich keine Nahaufnahmen von der trauernden Königin. Ich gehe aber fest davon aus, dass es eine sehr bildgewaltige und würdevolle Veranstaltung wird, obwohl ja nur 30 Teilnehmer an der Trauerfeier teilnehmen dürfen, also der engste Familienkreis. Umso privater und stimmungsvoller wird der Abschied sein.

Wird es Bilder davon geben, wie Prinz William und Prinz Harry hinter dem Sarg von Prinz Philip herlaufen?

Melchior: Ganz bestimmt wird es Bilder der beiden Brüder zusammen geben. Es ist traditionell so, dass die Familienmitglieder hinter dem Sarg gehen.

Rechnen Sie mit größeren Überraschungen?

Melchior: Ich glaube, es wird ein sehr feierlicher Abschied werden. Ich rechne nicht mit Überraschungen oder gar mit emotionalen Ausbrüchen. Vor allem nicht von Seiten der Königin. Haltung zu wahren, ist eine ihrer großen Tugenden. Wir haben es ja nur ein einziges Mal erlebt, dass sie in der Öffentlichkeit zu Tränen gerührt war. Das war, als ihr Schiff Britannia, mit dem sie viele private Erinnerungen verbindet, im Jahr 1997 außer Dienst gestellt wurde. Die königliche Familie wird bei der Trauerfeier Haltung bewahren. Auch die beiden Brüder werden sich schon vor der Zeremonie begegnet sein, Prinz Harry ist ja seit Anfang der Woche in London.

Inwiefern werden die Bilder an Prinzessin Dianas (1961-1997) Trauerfeier erinnern?

Melchior: Der Rahmen bei Prinzessin Dianas Trauerfeier war natürlich ein anderer. Aber damals war Prinz Philip die große Stütze für William und Harry. Und wenn die beiden nun hinter Philips Sarg hergehen werden, werden sie sich sicher an die Rolle erinnern, die er nach dem Tod ihrer Mutter gespielt hat. Prinz Philip stand Diana ja sehr nahe, sie haben sich sehr geschätzt. Prinz Philip war auch der Matchmaker, der Prinz Charles aufgefordert hatte, sich Diana Spencer gegenüber zu erklären. Philip hatte die Hochzeit sehr befürwortet und auch danach ein sehr vertrauensvolles und väterliches Verhältnis zu ihr gehabt. Insofern könnte der Abschied von ihrem Großvater bei William und Harry alte Wunden aufreißen. Aber es ist auch eine Chance für die beiden.

Was halten Sie davon, dass die schwangere Herzogin Meghan nicht mit ihrem Mann, Prinz Harry, nach London gereist ist?

Melchior: Es ist für alle Beteiligten besser, dass sie nicht mitgekommen ist. Meghan hätte die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen, obwohl es jetzt nicht um sie geht. Dass Harry allein zu den Trauerfeierlichkeiten kommt, um Abschied zu nehmen von seinem Großvater, ist aber auch ein Sinnbild dafür, dass er alles, was seine Herkunft betrifft, heute und auch in Zukunft alleine schultern muss. Das ist keine Partnerschaft wie bei William und Kate oder eben Elizabeth und Philip. Zwischen Prinz Harry und seine Familie wurde ein Keil getrieben und ich glaube, dass das Verhältnis von Herzogin Meghan und seiner Familie irreparabel beschädigt ist.

Wie wird es Herzogin Meghan unterdessen in der gemeinsamen Wahlheimat Kalifornien gehen? Wird sie Angst haben, dass Harry in London beeinflusst wird?

Melchior: Es ist nur schwer vorstellbar, dass die königliche Familie den gleichen Fehler macht wie Meghan, indem sie versucht, Harry zu manipulieren. Es geht ja auch eigentlich viel mehr darum, die Vorwürfe geradezurücken, die im Raum stehen, die Wogen zu glätten und die Schärfe aus diesem Konflikt zu nehmen. Vor diesem Hintergrund ist es sicherlich sehr gut, dass Meghan nicht dabei ist, und dass die Royals jetzt mal Zeit haben, sich auf die Königsfamilie zu besinnen.

Ist eine Versöhnung zwischen Prinz William und Prinz Harry denkbar?

Melchior: Das ist für beide zu hoffen, wenn es sicherlich auch seine Zeit braucht. Aber in Anbetracht der Trauerfeier werden sie sich die Hand reichen können. Ihr Großvater war ein starkes verbindendes Element in der Geschichte der beiden Prinzen. Sie müssen es schaffen, sich auf das Wesentliche zu besinnen, auf das, was die Familie ausmacht, denn sie brauchen einander.

Was hat Prinz Philip sich für seine Trauerfeier gewünscht?

Melchior: Er wollte kein großes Tamtam. Er wünschte sich eine "One-day-ceremonie", also Trauerfeier und Beisetzung am selben Tag. So wie es auch bei Queen Mum [1900-2002] im Jahr 2002 der Fall war. Durch Corona wird aus der Trauerfeier mit königlichem Zeremoniell ein privater Abschied. Aber auch das ist ganz in seinem Sinne. Er hat nie viel Aufhebens um seine Person gemacht. Wichtig war ihm aber, dass das Militär eine Rolle spielt. Seine aktive Zeit bei der Royal Navy hat ihn sehr geprägt und seine militärischen Ehrenämter waren ihm sehr wichtig. Das hatte er auch bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand im August 2017 gezeigt. Sein letzter Akt galt den Royal Marines, deren Captain General er jahrelang war. In seinem Trenchcoat stand der damals 96-Jährige im strömenden Regen vor dem Buckingham Palast und hat sich von den Royal Marines verabschiedet.

Wird die trauernde Queen Schwarz tragen und wenn ja wie lange?

Melchior: Die Königin hat eine Trauerzeit von zwei Wochen für die königliche Familie angeordnet. Die allgemeine Staatstrauer gilt bis einschließlich des Begräbnistages. Ob und wie lange sie Schwarz tragen wird, ist eine interessante Frage. Queen Victoria [1819-1901] hat ja nach Prinz Alberts [1819-1861] Tod bis zu ihrem Lebensende, also vierzig Jahre lang, Trauer getragen. Bei Queen Elizabeth, die wir alle nur in Apfelgrün oder Kanarienvogelgelb kennen, ist das kaum vorstellbar. Es wäre auch schade, wenn sie nur noch Trauer tragen würde, weil wir sie so gerne in ihren bunten Kostümen sehen und es ein Stück weit auch ihr Markenzeichen ist. Auch Philip würde sie so wohl nicht sehen wollen.

Wann wird die Queen wieder in ihren beruflichen Alltag einsteigen?

Melchior: In den letzten Jahren hat sie ja schon einen Gang zurückgeschaltet und immer mehr an die nächsten beiden Generationen übergeben. Ihr Amt betrachtet sie dennoch als von Gott gegeben und wird es in jedem Fall bis zum Lebensende wahrnehmen. Dazu gehören auch offizielle Auftritte. Wir werden sie also sicher bald wiedersehen.

Mehr über Prinz Philip erfährt man auch in Ihrer neuen Doku "Prinzgemahle" (ZDF/Arte), deren Ausstrahlung eigentlich anlässlich seines 100. Geburtstages am 10. Juni 2021 geplant war. Sie wird am Sonntag (18.4.) auf ZDF History gezeigt und ist auch in der Mediathek zu sehen. Was erwartet die Zuschauer darin?

Melchior: In der Doku "Prinzgemahle" geht es neben Prinz Philip auch um Prinz Albert, den Ehemann der britischen Königin Victoria, und Prinz Claus [1926-2002], den Ehemann der ehemaligen Königin Beatrix der Niederlande [83]. Die drei Prinzgemahle eint, dass sie Deutsche waren, dass die Königinnen sehr glückliche Ehen mit ihnen geführt haben und dass das eine große Rolle für ihre erfolgreichen Regentschaften gespielt hat. Es sind drei Erfolgsgeschichten in einer total undankbaren Rolle.

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