Aktualisiert: 08.03.2021 - 19:54

Die Sängerin ganz privat Interview mit Leslie Clio: Mein Hund zeigt mir immer wieder, worauf es ankommt

Leslie Clio ist eine gefeierte Sängerin, die auch sonst noch allerhand macht und tut in ihrem Leben. Im Interview mit BILD der FRAU spricht sie darüber.

Foto: Sarah Köster

Leslie Clio ist eine gefeierte Sängerin, die auch sonst noch allerhand macht und tut in ihrem Leben. Im Interview mit BILD der FRAU spricht sie darüber.

Zum Internationalen Frauentag hat BILD der FRAU mit einer echten Power-Frau geredet: Sängerin Leslie Clio verrät, wie sie auf den Hund gekommen ist, warum sie gerne auf Hawaii gelebt hat und warum sie nie wirklich zur Ruhe kommt.

Von Leslie Clio haben Sie garantiert schon gehört – ihre Songs laufen seit Jahren nicht nur im Radio: Vor der Corona-Pandemie stand die Wahlberlinerin schon oft auf großen Bühnen und gab Ohrwürmer wie "Eureka" oder "I Couldn’t Care Less" zum Besten. Album Nummer vier ist gerade in der Mache, die dritte Single daraus jetzt erschienen, "die vierte ist gerade in Vorbereitung, und so werden wir auch weitermachen, bis das Album dann da ist", erzählt Leslie Clio im Interview mit BILD der FRAU.

Als wäre das Dasein als Sängerin nicht schon ausfüllend genug, ist die 34-Jährige auch noch Unternehmerin, schreibt und produziert bei ihren Songs mit und setzt sich für den Tierschutz ein. Ein Gespräch mit einer Power-Frau – genau richtig zum Internationalen Frauentag!

Interview mit Leslie Clio: Ich bin keine Frau, die sich mit Mitte 30 noch irgendwie im Liebeskummer wälzt

BILD der FRAU: Liebe Leslie Clio, Sie sagen "Mein innerer Kompass ist ausgerichtet und stark geworden". Was heißt das genau?

Das heißt, dass ich seit der Veröffentlichung meines letzten Albums ein Stück weit weitergekommen und 'erwachsener' geworden bin. Was beim letzten Album noch so eine Momentaufnahme von Dunkelheit oder Traurigkeit war oder wo man sich Fragen gestellt hat wie 'Warum liebt er mich nicht?' oder einfach Liebeskummer-Themen behandelt hat, ist das bei dem Album, das in diesem Jahr erscheint, gar nicht das Thema. Themen sind viel mehr Self-Empowerment und im Leben stehen; wissen, wer man ist; sein Ding machen und eher Happiness.

Leslie Clio: "Strangers Again"

Wie schwer ist es für Sie als Sängerin in der Corona-Krise?

Also, das eine Standbein, nämlich das Live-Spielen, ist natürlich komplett eingebrochen. Keine Einnahmen zu haben, ist die eine Sache, aber die andere, den Beruf als solches nicht mehr ausüben zu können, weil man ihn ja nicht nur für das Geld macht, sondern einfach vor Publikum spielen möchte. Einfach zu singen und sein Geschenk in die Welt zu tragen, das fehlt mir wirklich sehr.

Ich habe aber natürlich das Beste aus der Situation gemacht und mehr Zeit im Studio verbracht, habe viele Songs geschrieben und mein neues Album vorangebracht, außerdem noch ein Kinderprojekt namens Kid Clio komplett geschrieben und die erste EP dazu veröffentlicht, bald folgt ein ganzes Album. Es ist also einiges daraus entsprungen und hat gefruchtet, aber ich freue mich auch sehr, wenn alles bald wieder losgeht.

Sie sagten, Sie wollten nach Dramen eine andere und stärkere Frau sein. Warum?

Ich habe ein ganz klares Bild davon gehabt, wer ich in fünf Jahren und in zehn Jahren sein will. Und das ist definitiv nicht eine Frau, die sich mit Mitte 30 noch irgendwie im Liebeskummer wälzt und so dramatische Themen hat, wie man das vielleicht in seinen Zwanzigern hat und ich etwa auf meinen ersten Alben noch habe stattfinden lassen. Man ist dem ein bisschen entwachsen sozusagen und stellt sich manche Fragen nicht mehr, weil man es einfach mittlerweile besser weiß – hofft man zumindest.

Schreiben und produzieren Sie alles selbst?

Ich schreibe und produziere meine Songs immer mit anderen Menschen, ich lasse mir nur nichts schreiben. Ich mache dann eine Session mit ein, zwei anderen Songwritern, dann schreiben wir ein Demo, anschließend suche ich mir jemanden, mit dem ich das produziere – oder ich produziere es vor. Ich setze immer auf Zusammenarbeit. Vier (oder mehr) Ohren hören mehr, ich würde niemals alles alleine machen wollen. Es geht auch gar nicht darum, ob man das kann oder nicht, sondern einfach weil Zusammenarbeit wunderbar ist. Ich mache immer alles mit vielen Leuten – es entspringt nur alles aus mir, sprich: Ich gebe den Impuls dazu.

Mir hat keiner gesagt, was ich machen soll – das war gut und schlecht

Haben Sie ein (musikalisches) Vorbild?

Musikalische bzw. in der Öffentlichkeit stehenden Vorbilder habe ich viele, das geht von Jane Fonda über Diane von Fürstenberg, Diana Ross, Beyoncé und Celine Dion bis hin zu M.I.A.. Wirklich geprägt haben mich auf jeden Fall Lauryn Hill und Alanis Morissette. Das sind so meine musikalischen Vorbilder. Oder eben auch Sängerinnen wie Sarah Vaughn, Peggy Lee, Aretha Franklin, Etta James, Mahalia, Julie London oder Roberta Flack.

Sie sind früh zu Hause ausgezogen: Was war daran gut, was schlecht?

Gut war, dass ich früh auf eigenen Beinen gestanden habe, dass ich früh allein klargekommen bin. Manchmal gibt es Momente, in denen man sich Sachen nicht aussuchen kann und in denen man Sachen nehmen muss, wie sie sind, und das Beste draus machen muss – ob das jetzt Corona ist, ein Unfall, Schicksalsschläge oder alles Mögliche im Leben. Insofern habe ich das einfach so genommen. Mit dem Ergebnis, dass ich früh mein eigenes Ding gemacht habe, dass ich früh auf jedem Kontinent war, dass ich zwei Jahre durch die Welt gereist bin, dass ich einfach schon sehr viel im Leben gemacht habe und nie um Erlaubnis fragen musste oder auf jemanden gewartet habe, der mir gesagt hat, was ich machen soll. Das ist dementsprechend immer schon ganz weit weg von mir gewesen.

Schlecht war daran, dass man sich natürlich manchmal auch gewünscht hätte, jemand sagt auch mal, was man machen soll. Oder jemand hilft einem bei so alltägliche Sachen wie Wäsche waschen oder Essen kochen – Dinge, die man eigentlich noch lange hat, wenn man länger zu Hause wohnt. Das hätte ich schon gern gehabt, weil man sich dann mehr auf sein Leben hätte konzentrieren können. Das wäre natürlich einfacher gewesen, aber wie gesagt, so denke ich gar nicht. Ich denk da wirklich ganz positiv, denn es hat mich hierhin gebracht.

Wenn ich Badelatschen anhaben kann, ist alles leichter

Sie haben schon länger in Asien, London und Hawaii gelebt, sind regelmäßig in den USA: Wo lebt es sich am besten?

Am besten für mich persönlich lebt es sich in Ländern, wo man immer Badelatschen anhaben kann. Ich bin tatsächlich modisch und vom Lifestyle her ein absoluter Sommertyp – wenn ich Badelatschen anhaben kann und die Sonnenbrille auf der Nase sitzt, dann ist für mich alles andere leichter. Insofern war Hawaii ein wunderbarer Ort. Das würde ich wieder machen, allerdings ist das jetzt schwer, mit meinem Hund nach Hawaii zu gehen, das wird dort sehr streng gehandhabt. Und auch einfach Asien. Asien ist für mich persönlich ein super Kontinent, um glücklich zu sein. Ich bin ich da sehr gerne.

Wer ist Ihr wichtigster Ratgeber?

Oh, eine gute Frage. Mein wichtigster Ratgeber ist wahrscheinlich meine Tante. Meine Tante rufe ich nicht oft an, alle zwei bis drei Monate mal, aber irgendwie lerne ich jedes Mal etwas aus dem Telefonat. Und natürlich im täglichen Leben mein Hund, weil er mir immer wieder zeigt, worauf es ankommt – und dass man im Moment sein darf.

Als ich Harper sah, wusste ich: Das ist mein Hund

Apropos: Erzählen Sie uns von Ihrem Hund Harper?

Da, wo wir den Hund her hatten, hieß er schon Harper. Als ich ihn gesehen habe mit dem Namen dazu, war das für mich absolut klar, dass das mein Hund ist, weil es irgendwie kein gewöhnlicher Hundename war, aber absolut als Name auf meiner Namensliste stand. Es war einfach perfekt. Ich wusste: Das ist mein Hund, jetzt habe ich ihn gefunden. Ich habe lange gesucht, fast zwei Jahre hatte ich immer mal wieder Kontakt zu Tierheimen aufgenommen. Und dann habe ich Harper gesehen! Dementsprechend habe ich den Namen nicht geändert. Sein ganzer Name ist Harper Posey. Kurz Harpie.

Sie sind schon lange Veganerin: Wie kam es dazu?

Dazu gekommen ist es auf jeden Fall durch meinen Ex-Freund. Als wir zusammen gekommen sind, hat er gesagt: Wir sind jetzt vegan. Dann haben wir das so gelebt. Zusammen fällt das natürlich immer leichter, wenn man einen gleichgesinnten Partner hat und man sich zusammen im Haushalt vegan ernährt, das heißt man kocht zusammen vegan und zieht es zusammen durch. Das ist jetzt fast neun Jahre her, und ich habe das so weitergemacht. Ich wohne natürlich aber auch in einer absolut veganen Hochburg in Berlin, das heißt, es fällt mir sehr leicht.

Dass Sie sich für den Tierschutz einsetzen, hat sicher auch damit zu tun...?

Ja, das hat auf jeden Fall damit zu tun, ich war immer schon absoluter Tierliebhaber, wir haben immer schon viele Tiere zu Hause gehabt, insofern war Tierschutz sowieso eigentlich eine logische Folgerung. Aber seit dem Veganismus bzw. seitdem ich meinen Hund habe, das ist jetzt knapp zwei Jahre her, habe ich mich wirklich viel, viel mehr engagiert. Ich habe Patenschaften, monatlichen Spenden an Tierheime und Pflegestellen.

Ich schaffe, so viel es geht, Aufmerksamkeit für die Vermittlung von Tieren, prangere Missstände an und rufe viel zu Spenden auf – ich bin da sehr, sehr viel aktiver, seit ich meinen Hund habe. Damals war ich zwar eigentlich auch immer schon laut, aber eben nicht so viel wie jetzt. Vielleicht einfach, weil man noch viel mehr Empathie entwickelt, wenn man mit einem Tier zusammenlebt.

Wir müssen wieder kapieren, dass jedes Lebewesen ein Recht auf Leben hat

... und dann haben Sie auch noch ein Handyketten-Label gegründet: Haben Sie denn nie genug? Kommen Sie auch mal zur Ruhe?

Tja, Ruhe ist so eine Sache – deswegen bin ich so froh, meinen Hund zu haben, das ist wahrscheinlich wie mit Kindern, wenn man sagt, dass man jetzt Freizeit hat und mal in die Natur fährt. Sonntage sind mir absolut heilig, da mache ich auch gar keine Ausnahmen. Das heißt, ich habe immer mindestens einen Ruhetag die Woche, ansonsten ist alles immer eine Frage der Organisation, und da bin ich zum Glück einigermaßen talentiert, das kann ich ganz gut. Insofern kriege ich alles unter einen Hut. Aber manchmal ist das schon viel. Und ich hätte auf jeden Fall gerne einen achten Wochentag, da hätte ich kein Problem mit.

Haben Sie einen Leitspruch?

Ja, es gibt viele. Ein Leitspruch ist: Was wahr ist, gewinnt.

Der andere ist: Wenn du was erreichen willst, dann darfst du niemals mucken, wer den Teich aussaufen will, der muss auch Kröten schlucken.

Dann gibt's noch mein Motto: Hör auf dein Herz, wette auf dich selbst, warte auf niemanden. Das habe ich mir selber ausgedacht, denn das bringt es auch ganz gut auf den Punkt.

Wollen Sie unseren LeserInnen etwas mit auf den Weg geben?

Hört auf euer Herz, guckt in euch rein, wer ihr seid, was ihr machen wollt, lasst euch nicht von anderen Menschen vorsagen, wie ihr zu leben habt und was richtig und was falsch ist – das weiß man selbst immer am besten.

Für die ganze Menschheit wünsche ich mir, dass wir unseren sechsten Sinn wieder finden, unser Wissen, dass alle Lebewesen auf diesem Planeten miteinander verbunden sind, und dass jedes Lebewesen ein Recht auf Leben hat. Wir Menschen meinen immer, weil wir ein Ich-Bewusstsein haben und evolutionär überlegen sind, uns über alles stellen, ausnutzen und ausbeuten zu dürfen, aber das stimmt nicht. Mensch sein heißt, Tier und Natur zu beschützen, nicht sie auszubeuten. Dass wir zurück auf diesen Weg kommen, wünsche ich mir für uns alle.

Leslie Clio ist eine echte Power-Frau! Mehr von ihrem Schlag, bitte. Auch diese Damen haben es uns angetan: "Omas gegen Rechts" ist eine Initiative, die sich ein- und mitmischen will. Toll, was die Aktivistinnen alles auf die Beine stellen.

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