Aktualisiert: 25.01.2021 - 22:11

Roman? Nein, Wirklichkeit! Plötzlich Prinzessin… in Sierra Leone!

Als sie Ende 20 war, fand Sarah Culberson heraus, dass sie in dem afrikanischen Land Sierra Leone eine Prinzessin ist.

Foto: Getty Images / MediaNews Group/Orange County Register via Getty Images

Als sie Ende 20 war, fand Sarah Culberson heraus, dass sie in dem afrikanischen Land Sierra Leone eine Prinzessin ist.

Viele von uns haben als Kind davon geträumt – und manche malen sich dieses Szenario in ihren Tagträumen vielleicht noch immer aus: plötzlich Prinzessin sein. Für diese Frau wurde der Traum wahr…

Bestimmt kennen Sie die "Plötzlich Prinzessin"-Jugendromane von Meg Cabot oder zumindest die Verfilmung mit Anne Hathaway. Die in New York lebende Schülerin Mia hält sich für ein ziemlich normales Mädchen – bis sie eines Tages erfährt, dass sie die Prinzessin eines kleinen Fürstentums ist. Von diesem Tag an ist in ihrem Leben nichts mehr, wie es einmal war…

Sarah Culberson (44) ist nicht in New York, sondern in West Virginia aufgewachsen. Geboren wurde sie aber in Sierra Leone, ein amerikanisches Paar hatte sie als kleines Mädchen adoptiert. Als sie sich mit Ende 20 auf die Suche nach ihren Wurzeln machte, war sie auf einmal mittendrin in ihrer ganz eigenen "Plötzlich Prinzessin"-Geschichte: Sarah Culberson fand heraus, dass sie einer königlichen Familie in Sierra Leone angehört!

Sarah Culberson: Eine Prinzessin aus Sierra Leone

Was wissen Sie eigentlich über Sierra Leone? Vermutlich kommen Ihnen als Erstes Krieg und Armut in den Sinn. Kein Wunder: Von 1991 bis 2002 herrschte in dem afrikanischen Land ein erbitterter Bürgerkrieg, zu dessen hässlichen Auswirkungen neben Zehntausenden Toten und Kindersoldaten auch eine stark geschädigte Wirtschaft gehören. Als mögliche Perspektive für das Land gilt heute der Tourismus, der bisher nur eine untergeordnete Rolle spielt – dabei wird Sierra Leone wegen seiner tollen Sandstrände auch die "Karibik Afrikas" genannt.

In Sierra Leone gibt es offiziell 15 verschiedene Ethnien, die größte Volksgruppe sind die Mende. Die Mende sind auch die herrschende Volksgruppe in Bumpe, einer Kleinstadt im Süden des Landes. Als Sarah Culberson vor 16 Jahren damit begann, über ihre biologische Familie zu recherchieren, fand sie heraus, dass hier ihre Wurzeln liegen.

Sarah Culbersons ungewöhnliche Geschichte

Zuvor hatte der amerikanische Fernsehsender NBS bereits über Sarah Culbersons ungewöhnliche Geschichte berichtet. Nachdem sie sich als Baby in einer Pflegeunterbringung befunden hatte, war sie im Alter von einem Jahr von einem US-amerikanischen Paar adoptiert worden. 2004 beauftragte sie einen Privatdetektiv damit, Nachforschungen über ihre biologische Familie anzustellen.

Die Recherche des Privatdetektivs ergab, dass Sarah Culbersons Mutter, die ebenfalls Amerikanerin gewesen war, bereits vor vielen Jahren gestorben war. Ihr Vater hingegen, der aus Sierra Leone stammte, war nach wie vor am Leben. Sie nahm Kontakt mit ihm auf und erfuhr, dass er einst für ein Auslandsstudium in die USA gekommen war. Als ihre Mutter von ihm schwanger wurde, entschieden die beiden gemeinsam, zu jung und finanziell zu schlecht aufgestellt zu sein, um für ein Kind sorgen zu können.

Ein feierlicher Empfang

Doch damit nicht genug: Ihr Vater, Prince Joseph Konia Kposowa, war außerdem Mitglied einer königlichen Mende-Familie. Sarah Culbersons Großvater war das Stammesoberhaupt von Bumpe gewesen – und das machte Sarah Culberson wiederum zu einer Mahaloi, einer Nachfahrin des Stammesoberhaupts und damit zur Prinzessin von Bumpe.

Um ihren Vater kennenzulernen und mehr über ihre Herkunft zu erfahren, reiste Sarah Culberon 2006 gemeinsam mit ihren Adoptiveltern zum ersten Mal nach Sierra Leone. Dort wurde sie freudig begrüßt: Hunderte Einwohner Bumpes hießen sie mit Tanz, Gesang und Festivitäten willkommen. Ihr Vater überreichte ihr als Willkommensgeschenk ein grünes Kleid, wie es die anderen Frauen ebenfalls trugen. In der Sprache der Mende sangen die Menschen: "Wir bereiten uns auf Sarah vor".

"Diese Erfahrung hat mein Leben verändert", sagte Sarah Culberson gegenüber NBC. "Es war schockierend, großartig, überwältigend, aufregend. Es war wunderschön, prachtvoll und erhebend."

Verantwortung statt Reichtum

Ab diesem Zeitpunkt lernte Sarah Culberson, was es wirklich bedeutet, eine Prinzessin zu sein: Statt Reichtum ging die Position mit großer Verantwortung einher. "Alles, was ich über Prinzessinnen wusste, hatte ich in Filmen gesehen", erzählte sie. "Aber es geht eigentlich um Verantwortung. Es geht darum, in die Fußstapfen meines Großvaters und meines Urgroßvaters zu treten, die so viel für das Land getan haben. Ich habe gelernt, dass meine Rolle als Prinzessin bedeutet, die Dinge im Land voranzutreiben."

Ihre Verantwortung nimmt die Prinzessin sehr ernst: Anstatt ihre Karriere als Schauspielerin und Tänzerin weiter zu verfolgen, sieht sie es heute als ihre Aufgabe, sich für das Wohl Sierra Leones zu engagieren. Gemeinsam mit ihrem biologischen Bruder Hindo Kposowa gründete sie die Kposowa-Stiftung, die später in Sierra Leone Rising umbenannt wurde. Die Stiftung half nicht nur dabei, die Schule in Bumpe wiederaufzubauen und Bildung zu fördern, sie setzt sich auch für sauberes Trinkwasser ein und ist bisher für den Bau von neun Brunnen verantwortlich, die mehr als 12.000 Menschen mit Wasser versorgen. Außerdem stellt die Stiftung wiederverwendbare Menstruationsbinden zur Verfügung. Seit Beginn der Corona-Krise hat das Geschwisterpaar weiterhin eine Kampagne ins Leben gerufen, um für Mund-Nasen-Bedeckungen zu werben und so bei der Eindämmung der Pandemie zu helfen.

In Buch und Film: Sarah Culberson erzählt ihre Geschichte

2009 veröffentlichte Sarah Culberson das Buch "A Princess Found: An American Family, an African Chiefdom, and the Daughter Who Connected Them All" (Deutsch: Eine gefundene Prinzessin: Eine amerikanische Familie, ein afrikanisches Stammesfürstentum und die Tochter, die beides miteinander verband). Das Buch soll die Grundlage für einen neuen Film der Filmproduzentin Stephanie Allain liefern, die 2020 als erste schwarze Frau an der Inszenierung der Oscar-Verleihung mitgewirkt hatte.

Obwohl sie Sierra Leone oft besucht, lebt und arbeitet Sarah Culberson derzeit in den USA, wo sie unter anderem auch Vorträge über Diversität und Inklusion am Arbeitsplatz hält. Sie und ihr Partner überlegen jedoch, nach Sierra Leone umzuziehen.

Ihr Engagement macht Sarah Culberson definitiv zu einer starken Frau. Doch nicht nur sie hat eine Geschichte á la "Plötzlich Prinzessin" zu erzählen: Diese Deutsche regiert als Prinzessin eine Mikronation in Italien. Und auch sie war eine Prinzessin, die ihresgleichen sucht: Prinzessin Diana. Das war der Stil der Königin der Herzen!

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