Aktualisiert: 22.01.2021 - 21:53

Der Berg, den wir erklimmen Wie die 22-jährige Amanda Gorman mit ihren Worten die Welt bewegte

Mit nur 22 Jahren war Amanda Gorman die jüngste Schriftstellerin, die jemals bei der Amtseinführung eines US-Präsidenten gesprochen hat. Mit ihrem Gedicht "The Hill We Climb" bewegte sie die Welt.

Foto: Getty Images / Pool

Mit nur 22 Jahren war Amanda Gorman die jüngste Schriftstellerin, die jemals bei der Amtseinführung eines US-Präsidenten gesprochen hat. Mit ihrem Gedicht "The Hill We Climb" bewegte sie die Welt.

Ihr Stern funkelte bei der Amtseinführung von Joe Biden besonders hell: Die 22-jährige Lyrikerin Amanda Gorman bekannte sich mit glühenden Worten zur Demokratie.

Dass Schriftsteller bei der Inauguration des US-Präsidenten Texte vortragen, ist nicht neu. Doch Amanda Gorman, die bei Joe Bidens Amtseinführung mit ihrem Gedicht "The Hill We Climb" (Deutsch: "Der Berg, den wir erklimmen") die Welt bewegte, stellte einen neuen Rekord auf: Mit ihren 22 Jahren ist sie die jüngste Poetin, die je bei einer solchen Zeremonie aufgetreten ist.

Amanda Gorman: Aus ihrer Feder stammt "The Hill We Climb"

Amanda Gorman wurde 1998 in Los Angeles geboren, wuchs mit einer alleinerziehenden Mutter auf und studierte Soziologie an der renommierten Harvard-Universität. In der Literaturszene ist sie kein unbeschriebenes Blatt: Mit nur 16 Jahren gewann sie ihren ersten Lyrikpreis, ihr erster Gedichtband "The One for Whom Food is Not Enough" (Deutsch: "Die Eine, für die Essen nicht genug ist") erschien 2015. Damals war sie gerade einmal 17 Jahre alt. Jetzt, mit 22, stellte sie bei Joe Bidens Amtseinführung erneut ihr Talent unter Beweis, die richtigen Töne zu treffen, und setzte ein starkes Zeichen für ein neues Amerika.

Abgesehen vom Rahmenprogramm hätte die Veranstaltung, bei der der 46. Präsident der Vereinigten Staaten, Joe Biden, und Vizepräsidentin Kamala Harris vereidigt wurden, der Amtseinführung Donald Trumps nicht unähnlicher sein können. Während dieser sich kampflustiger Rhetorik bedient und das Motto "America First" ausgerufen hatte, zeigte sich Joe Biden bescheiden und versöhnlich. Und verletzlich: Mit Blick auf den Sturm auf das Kapitols im Januar gestand er ein, dass sogar einer der Grundpfeiler der amerikanischen Gesellschaft, die Demokratie, zerbrechlich sei.

Inspiriert von Maya Angelou, Abraham Lincoln und Martin Luther King Jr.

Von der Zerbrechlichkeit der Demokratie und den Fehlern der amerikanischen Gesellschaft sprach auch Amanda Gorman, die einen weiteren Kontrast zur Amtseinführung Donald Trumps verkörperte. Schließlich ist es nur schwer vorstellbar, dass der 45. US-Präsident bei einer ihm gewidmeten Zeremonie einer jungen, schwarzen Frau eine Bühne gegeben hätte…

Doch Joe Biden tat genau dies. Am 30. Dezember fragte seine Ehefrau Jill Biden bei Amanda Gorman an, ob sie ein Gedicht für die Amtseinführung ihres Mannes am 20. Januar verfassen könnte. Amanda Gorman machte sich an die Arbeit. Zu Inspirationszwecken studierte sie die Reden historischer Persönlichkeiten, beispielsweise Abraham Lincoln, Martin Luther King Jr. und Winston Churchill, und analysierte frühere Eröffnungsgedichte, zum Beispiel das von Maya Angelou. Zusätzlich befeuert wurde sie in ihrem Schreibprozess vom Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar.

Die USA ist "nicht gebrochen, sondern unvollendet"

Entstanden ist ein glühendes Bekenntnis zur Demokratie, eine hoffnungsvolle, patriotische Rede, die jedoch gleichzeitig die Fehler der amerikanischen Gesellschaft anerkennt, einer "Nation, die nicht gebrochen, sondern einfach unvollendet" ist. Amanda Gorman ruft dazu auf, diese Fehler zu überwinden. Sie verweist auf die Probleme, mit denen die USA in der Vergangenheit zu kämpfen hatte, und ruft dazu auf, diese zu "reparieren". Dabei erwähnt sie auch, dass sie selbst von Sklaven abstammt.

"Wir sind die Nachfolger eines Landes und einer Zeit, in der ein mageres, schwarzes Mädchen, das von Sklaven abstammt und von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen wurde, davon träumen kann, Präsidentin zu werden – und dann für einen Präsidenten vorzutragen."

Ebenso erwähnt Amanda Gorman die Spannungen, die die amerikanische Bevölkerung entzweien. Sie thematisiert die Gefährdung der Demokratie, die durch den Sturm auf das Kapitol der amerikanischen Bevölkerung schmerzlich bewusst geworden ist.

"Wir haben eine Macht gesehen, die unsere Nation nicht teilen, sondern zerschmettern würde, die unser Land zerstören würde, wenn es darauf ankäme, die Demokratie hinauszuzögern. Und diese Anstrengung war beinahe von Erfolg gekrönt. Aber wenngleich Demokratie auch von Zeit zu Zeit hinausgezögert werden kann, kann sie niemals endgültig besiegt werden."

Dennoch zeigt sich die Poetin hoffnungsvoll. Sie vertritt die Ansicht, dass man all diese Schwierigkeiten meistern kann, wenn man es schafft, "Differenzen beiseitezulegen" und zusammenzuhalten.

"Wir streben danach, eine Union zu schmieden, die ein Ziel verfolgt: Ein Land zu schaffen, das allen Kulturen, Farben, Charakteren und Verfassungen der Menschen verpflichtet ist. Und so heben wir unsere Blicke, sehen nicht das an, was zwischen uns steht, sondern das, was vor uns steht."

Von diesen Stars regnet es Lob

Zahlreiche Prominente drückten nach Amanda Gormans Auftritt ihre Begeisterung aus. So schrieb die Talkshow-Ikone Oprah Winfrey auf Twitter: "Ich war nie stolzer, eine weitere junge Frau aufsteigen zu sehen! Brava brava, Amanda Gorman! Maya Angelou jubelt – und ich auch." Sie verweist dabei auf die Schriftstellerin Maya Angelou, die 1993 bei der Amtseinführung Bill Clintons ein Gedicht vorgetragen hatte. Um Maya Angelou zu würdigen, trug Amanda Gorman bei ihrem Vortrag Schmuck, der einen Vogel im Käfig zeigt – eine Anspielung auf Maya Angelous Autobiographie "I Know Why the Caged Bird Sings" (Deutsch: "Ich weiß, warum der eingesperrte Vogel singt"). Den Schmuck hatte sie von Oprah Winfrey bekommen.

Auch die ehemalige First Lady Michelle Obama und die Kandidatin der Präsidentschaftswahl 2016 Hillary Clinton lobten Amanda Gormans Auftritt. "Mit ihren starken und ergreifenden Worten erinnert uns Amanda Gorman an die Macht, die jeder von uns hat, wenn es darum geht, unsere Demokratie zu bewahren. Strahle auch weiterhin, Amanda Gorman! Ich kann es nicht erwarten zu sehen, was du als Nächstes tust!" Das schrieb Michelle Obama.

Und Hillary Clinton stellte sogar schon ein nächstes Großprojekt in Aussicht: "War Amanda Gormans Gedicht nicht großartig? Sie hat versprochen, 2036 als Präsidentin zu kandidieren, und ich kann es nicht erwarten!"

Amanda Gorman ist ohne Zweifel eine starke Frau. Und sie ist nicht die einzige, die bei Joe Bidens Amtseinführung dabei war: Kennen Sie bereits diese 10 Fakten über die neue Vizepräsidentin der USA, Kamala Harris? Ebenfalls bei der Zeremonie anwesend war natürlich die Ehefrau des Präsidenten: Das ist Jill Biden, die neue First Lady der USA. Erst kürzlich wurde sie mit der Forderung konfrontiert, sie solle ihren Doktortitel abgeben – doch die First Lady bleibt Dr. Jill Biden.

Promis

Promis

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe