Aktualisiert: 16.12.2020 - 19:39

"Kleine"?! Autor fordert: First Lady Jill Biden soll auf Doktortitel verzichten

Essayist und Autor Joseph Epstein verlangte in einem Beitrag im Wall Street Journal, die zukünftige First Lady Jill Biden solle ihren Doktortitel ablegen. Das steckt hinter der Forderung.

Foto: Getty Images / ANGELA WEISS

Essayist und Autor Joseph Epstein verlangte in einem Beitrag im Wall Street Journal, die zukünftige First Lady Jill Biden solle ihren Doktortitel ablegen. Das steckt hinter der Forderung.

Ein Autor verlangt von der zukünftigen First Lady Jill Biden, auf ihren Doktortitel zu verzichten. Kritik am Hochschulsystem oder sexistischer Angriff?

Die meisten kennen Jill Biden (69) vermutlich als Ehefrau des zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Joe Biden (78), und damit als zukünftige First Lady. Doch selbstverständlich ist sie viel mehr als das – die Zeiten, in denen Frauen hauptsächlich als "Ehefrau von" definiert wurden, sind glücklicherweise vorbei. Jill Biden ist auch eine Frau mit einer Leidenschaft: Ihre Passion ist das Unterrichten, sie ist Englischlehrerin. Seit Langem ist sie am Northern Virginia Community College als Englischdozentin tätig, unterrichtete sogar als Second Lady weiter. Jill Biden führt auch einen Doktortitel, sie promovierte 2007 an der University of Delaware. Letzte Woche sorgte die Forderung eines Autors für Aufruhr: Er verlangte, Jill Biden solle auf ihren Doktortitel verzichten.

Deshalb soll Jill Biden auf ihren Doktortitel verzichten

Natürlich kann nicht einfach jeder Englisch an einem College unterrichten, der sich dazu berufen fühlt. Man muss dafür qualifiziert sein. Von Jill Bidens Qualifikation zeugt unter anderem ihr Doktortitel, sie hat den akademischen Grad "Doctor of Education", der mit dem Grad eines PhD vergleichbar ist. Jill Biden trägt diesen Titel mit Stolz – auf Instagram und Twitter nennt sie sich kurz und bündig Dr. Biden.

Die zukünftige First Lady verwendet also einen Titel, den sie rechtmäßig erworben hat. Wo liegt das Problem? Warum forderte der Autor und Essayist Joseph Epstein (83) in seinem Beitrag im Wall Street Journal Jill Biden dazu auf, auf das Führen ihres Doktortitels zu verzichten?

"Betrügerisch und komisch"

"Madame First Lady – Mrs. Biden – Jill – Kleine": Ja wirklich: Kleine?!. Auf denkbar herablassende Weise beginnt der Text, dessen spöttischer Titel lautet: "Gibt es einen Doktor im Weißen Haus? Nicht, falls Sie einen Mediziner brauchen". Im weiteren Verlauf bezeichnet er die Anrede "Dr. Jill Biden" als betrügerisch und sogar als komisch und beschreibt den Titel ihrer Dissertation über die Bedürfnisse von Studenten als "wenig vielversprechend". Doch warum stößt ihm Jill Bidens Titel so auf?

Offenbar ist Joseph Epstein der Meinung, Dokortitel würden heute zu leichtfertig vergeben. Neben der Verleihung von Ehrendoktortiteln stellt er vor allem die Qualität des Grades PhD in Frage, spricht von einer "generellen Abnutzung der Ernsthaftigkeit und einer Lockerung der Standards in der Hochschulbildung, überall außer in den Naturwissenschaften". So führt er an, dass, wer einen akademischen Titel erreichen wollte, früher noch Griechisch oder Latein beherrschen musste und die Prüfungen damals so hart waren, dass Prüflinge in Ohnmacht fielen.

Joseph Epstein beendet seinen Beitrag mit einer klaren Forderung: "Vergessen Sie den kleinen Kick, Dr. Jill zu sein, und konzentrieren Sie sich auf den größeren Kick, die nächsten vier Jahre in der besten öffentlichen Wohnung der Welt als First Lady Jill Biden zu wohnen".

"Ihr Name ist Dr. Jill Biden" – So reagiert die Öffentlichkeit

Nun ist Kritik am Bildungssystem ja durchaus erlaubt, meistens notwendig und oft sogar erwünscht. Die überhebliche Weise, auf die der Artikel verfasst ist sowie die Tatsache, dass sich Joseph Epstein ausgerechnet eine Frau als Ziel seiner Kritik aussucht, die ihren Titel mit Stolz trägt, sorgten allerdings weltweit für Empörung.

Fungiert Jill Biden hier wirklich nur als Aufhänger für eine allgemeine Kritik an den amerikanischen Hochschulen? Oder ging es Joseph Epstein doch um die persönliche Attacke einer Frau, die zu Recht stolz auf ihre Berufstätigkeit und ihre im Rahmen dieser erbrachten Leistungen ist? Ist sein Appell nicht lediglich eine etwas netter verpackte Version der Aufforderung, die eigenen beruflichen Leistungen zurückzustellen, um stattdessen dem Ehemann den Rücken freizuhalten?

Jill Bidens Kommunikationsdirektorin Elizabeth Alexander bezeichnete Joseph Epsteins Text auf Twitter als "sexistisch und beschämend". Michelle Obama, die während ihrer Zeit als First Lady eng mit Jill Biden zusammengearbeitet hatte, postete auf Instagram ein Statement, in dem sie unter anderem schreibt: "Viel zu oft begegnet man unseren Leistungen mit Skepsis, sogar mit Spott. Wir werden angezweifelt von jenen, die die Schwäche des Hohns der Stärke des Respekts vorziehen. Und doch, irgendwie bleiben ihre Worte – nach jahrzehntelanger Arbeit werden wir dazu gezwungen, uns wieder aufs Neue zu beweisen."

Kürzer fasste sich Hillary Clinton. Sie forderte knapp: "Ihr Name ist Dr. Jill Biden, gewöhnen Sie sich daran."

Und Jill Biden selbst? Ihre Antwort hatte genau die Art Klasse, die man von einer zukünftigen First Lady erwartet: "Zusammen werden wir eine Welt aufbauen, in der die Leistungen unserer Töchter nicht abgewertet, sondern gefeiert werden."

Sie wollen mehr über die passionierte Englischlehrerin wissen? Jill Biden: Wer ist eigentlich die zukünftige First Lady? Außerdem beleuchten wir die Unterschiede zwischen der zukünftigen First Lady Jill Biden und ihrer Vorgängerin Melania Trump.

Mehr Geschichten über starke Frauen finden Sie auf unserer Themenseite. Kannten Sie zum Beispiel bereits diese 10 Fakten über die zukünftige Vizepräsidentin Kamala Harris?

Joe und Jill Biden – Ein starkes Team für die Vereinigten Staaten
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