12.11.2020 - 15:45

MagentaTV-Produktion mit Dominic Cooper "Spy City": Zwischen Kaltem Krieg und warmer "Bond"-Nostalgie

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Gefährlicher Einsatz in Berlin: Dominic Cooper als britischer MI6-Agent Fielding Scott.

Foto: © 2020 Odeon Fiction / Dusan Martincek

Gefährlicher Einsatz in Berlin: Dominic Cooper als britischer MI6-Agent Fielding Scott.

"Spy City" mit "Preacher"-Star Dominic Cooper bietet eine Agenten-Geschichte à la "James Bond", angesiedelt im Berlin der 60er Jahre.

"Eine Mauer ist verdammt nochmal besser als ein Krieg": Mit diesen pragmatischen Worten reagierte US-Präsident John F. Kennedy, als er von den sowjetischen Plänen erfuhr, Ost- und West-Berlin künftig durch eine Mauer zu trennen. 1961 war das, als der Kalte Krieg immer mehr drohte, heiß zu werden und die heutige Hauptstadt Deutschlands nur so vor britischen, US-amerikanischen, sowjetischen sowie französischen Spionen und Doppelagenten wimmelte. Ein Ort voller Intrigen, Verrat und Paranoia, aber auch unverhoffter Verbündeter und verbotener Liebe - und somit ein perfektes Setting für eine nervenaufreibende Thriller-Serie.

Das dachten sich auch die Macher der deutsch-britisch-tschechischen Koproduktion "Spy City". Die erste Staffel der MagentaTV-Produktion in Zusammenarbeit mit dem ZDF wird ab dem 3. Dezember über das Streamingangebot der Deutschen Telekom abrufbar sein. Worauf sich interessierte Hobby-Spione in den sechs Folgen (je 45 Minuten) von Staffel eins gefasst machen dürfen und warum die Serie mehr als nur einen unauffälligen Agenten-Blick über den Rand einer Tageszeitung hinweg wert ist: hier die Antworten.

Auf der Mauer, auf der Lauer - darum geht es

Deutschland, 1961. Set über zehn Jahren ist das besiegte Land nun schon in BRD und DDR gespalten. Der Bau der Berliner Mauer befindet sich zu diesem Zeitpunkt jedoch erst in der Planungsphase der sowjetischen Besatzungsmacht, um seinen Einfluss in der deutschen Stadt im wahrsten Sinne des Wortes zu betonieren. Einer, der den so geschichtsträchtigen wie erschreckenden Ereignissen in Berlin hautnah beiwohnt, ist der britische MI6-Agent Fielding Scott (Dominic Cooper, 42).

Offiziell ist er als Diplomat in der "Schlangengrube Berlin", insgeheim soll er einen Verräter in den eigenen Reihen entlarven. Hilfe bekommt er dabei von der deutschen Fotografin Ulrike Faber (Johanna Wokalek, 45, "Barfuss"). Sein Unterfangen wäre schon unter normalen Umständen schwer genug. Doch seit die Abriegelung Ost-Berlins nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint, ist Vertrauen ein kaum noch zu findendes Gut in der "gefährlichsten Stadt der Welt." Und dann verliebt sich Scott auch noch zu allem Überfluss in die mysteriöse französische Agentin Romane Portail (Severine Bloch)...

Bond in Berlin

"Spy City" lädt die Zuschauer auf eine Zeitreise zu einem Ort ein, der in der heutigen Ära der Globalisierung beinahe schon irreal wirkt. Apropos: Statt eines MI6-Agenten, der sich wie Pierce Brosnan (67) in "James Bond: Stirb an einem anderen Tag" 2002 hinters Steuer eines unsichtbaren Autos setzte und so den Realitäts-Reset unter Daniel Craig (52) unumgänglich machte, besinnt sich "Spy City" allein durch das Setting auf die absoluten Anfänge des berühmtesten Doppelnull-Agenten der Welt zurück. Zur Erinnerung: 1962 feierte Sean Connerys (1930-2020) Jagd auf Dr. No und damit der erste von inzwischen 24 "James Bond"-Filmen seine Premiere.

Ihr blaues Wunder erleben dabei alle Zuschauer, die Hauptdarsteller Dominic Cooper lediglich aus der abgedrehten Serie "Preacher" kennen. Der Priester Jesse Custer, der in der Comic-Adaption das Wort Gottes mit dickem Südstaaten-Akzent verkündet, spricht in der Agentenserie lupenreines British-English. Tatsächlich ist der "Mamma Mia!"-Star gar kein US-Amerikaner, sondern gebürtiger Londoner - und spätestens nach "Spy City" in den Augen vieler wohl auch ein echter Anwärter für die Rolle eines gewissen 007. Fun Fact: Den Erfinder von James Bond, Autor Ian Fleming, verkörperte Cooper bereits in einer britischen Miniserie namens "Fleming: Der Mann, der Bond wurde". Wenn das mal kein Zeichen ist...

Prager Frühling in Berlin

Cooper mag die Hauptfigur der Serie sein, der Star ist aber der Ort der Handlung. Wie im Narrativ von "Spy City" selbst ist aber auch in dieser Hinsicht nichts so, wie es vielleicht den Anschein erweckt. Gedreht wurde die Serie nicht in Deutschland, stattdessen ist die tschechische Hauptstadt Prag in die unsrige verwandelt worden. Und das mit viel Liebe zum historischen Detail und nicht zuletzt unter dem Einsatz von moderner Computertechnik.

Herausgekommen ist eine bislang sechsteilige Serie, die tonal an Filme wie "Dame, König, As, Spion" mit Oscar-Gewinner Gary Oldman (62) oder Serien der Marke "Homeland" erinnert. Ebenfalls im geteilten Berlin angesiedelt, nur aufgrund des Handlungszeitraums (1989) mit deutlich mehr Neue-Deutsche-Welle-Synthie versehen, ist auch der Agenten-Thriller "Atomic Blonde" mit Charlize Theron (45) zu erwähnen. Wie diese drei Beispiele lebt "Spy City" von der bohrenden Frage, wem es bei all dem Doppel- und Dreifachbetrug nun zu trauen und zu misstrauen gilt. Wer derartigen psychologischen Katz-und-Maus-Spielen etwas abgewinnen kann, darf sich ohne Bedenken ab dem 3. Dezember auf MagentaTV auf eine Reise in die "Stadt der Spione" freuen.

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