08.10.2020 - 12:51

"Ich bin jetzt tot" Herbert Feuerstein: Eigener Nachruf des TV-Urgesteins

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Der gerade verstorbene Kabarettist, Entertainer und Journalist Herbert Feuerstein hat bereits vor Jahren einen eigenen Nachruf verfasst.

Foto: imago images/Sven Simon

Der gerade verstorbene Kabarettist, Entertainer und Journalist Herbert Feuerstein hat bereits vor Jahren einen eigenen Nachruf verfasst.

"Ich will nicht lange drumrum reden, ich bin jetzt tot." Mit diesen Worten leitet Herbert Feuerstein seinen Nachruf ein, in dem er den Zuhörern "ein paar Stellen seiner Erinnerung" nacherzählt.

Er war Journalist, Entertainer, Kabarettist – und ein Urgestein des deutschen Fernsehens. Herbert Feuerstein ist am 6. Oktober im Alter von 83 Jahren gestorben, wie der WDR mitteilte. "Feuerstein war ein Genie – das hat er mir selbst gesagt, und ich habe es ihm bestätigt", sagte Kollege Harald Schmidt (63) zum Tod seines Kollegen. Als Geniestreich gilt auch dieses Werk Feuersteins: Der WDR hat auf seiner Webseite einen rund zweistündigen Nachruf veröffentlicht, der im Radio auf WDR5 zu hören war und den Feuerstein bereits 2015 selbst aufgenommen hatte.

Herbert Feuerstein: So unterhält er selbst nach seinem Tod noch

Zu Beginn erklingt dramatische Bach-Musik, die abrupt endet. So pathetisch fange gerade er seinen Nachruf nicht an, kommentiert Feuerstein. Stattdessen erklärt er: "Ich will nicht lange drumrum reden, ich bin jetzt tot. Und Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, werden das eines Tages auch sein. Spätestens dann sind wir quitt und vorher möchte ich Sie noch einmal 115 Minuten lang unterhalten. Gewissermaßen als 22. und letzte meiner SpielArt-Sendungen [WDR-Sendung, Anm.d.Red.]."

Er biete den Zuhörern "ein paar Stellen seiner Erinnerungen" an, eingebettet in Musik, die ihm naheliege. Der Nachruf erzählt von Feuersteins Kindheit, dem Abbruch seines Musikstudiums in Salzburg, seine entdeckte Begeisterung für den Journalismus, sein Umzug nach New York und seine späte TV-Karriere. Dabei nimmt Feuerstein auch Bezug auf seine Autobiographie, die die "neun Leben des Herrn F." (2014) beschreibt. Die Nachruf-Sendung beendet er mit den Worten: "Heute ist der 15. Januar 2015, zu gerne hätte ich das Sendedatum gewusst... Na ja, vielleicht doch lieber nicht. Aber danke, dass sie mir noch einmal zugehört haben. Tschüss."

Kollegen traten ebenfalls ans Mikro

In dem selbstverfassten Nachruf kommt nicht nur Feuerstein zu Wort. Er habe Kollegen aus der Sprecher-Riege des WDR wie Katja Ruppenthal gebeten, aus seinen Erinnerungen vorzulesen - "als Beweis meiner Rücksichtnahme, meine Damen und Herren. Weil ich Ihnen nicht zumuten will, zwei Stunden lang eine einzige Stimme zu ertragen, und noch dazu die meine." Die Sprecher habe er dem jeweiligen Alter angepasst, von dem der Text gerade handle.

In Erinnerung an Herbert Feuerstein zeigte der WDR am vergangenen Mittwoch den Film "Herr Feuerstein schreibt seinen Nachruf - Und lebt noch 2091 Tage". Darin wird der selbstverfasste Nachruf des Entertainers vom Januar 2015 sowie dessen im selben Jahr entstandene Home-Story dokumentiert. Der Film sowie der Nachruf sind in der Mediathek des WDR abrufbar. Der Nachruf entstand laut des WDR kurz vor Feuersteins Rückzug aus der Öffentlichkeit. Auf die Kolleginnen und Kollegen vom Feuilleton wollte er sich da lieber nicht verlassen.

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