Aktualisiert: 24.09.2020 - 16:38

Kinoabend Filmtipp: "Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution"

Ab dem 1. Oktober im Kino: "Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution" mit Gugu Mbatha-Raw, Keira Knightley und Jessie Buckley.

Foto: eOne / "Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution"

Ab dem 1. Oktober im Kino: "Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution" mit Gugu Mbatha-Raw, Keira Knightley und Jessie Buckley.

Der Herbst kommt! Und damit verbinden wir nicht nur buntes Laub, warme Klamotten und Kürbissuppe, sondern auch, sich in einem dunklen Kinosaal in vergangene Zeiten und ferne Welten zu träumen. Zum Beispiel bei diesem Film!

Allen Fernsehproduktionen und Streaming-Anbietern zum Trotz ist ein Besuch im Kino nach wie vor etwas Besonderes. Zum einen natürlich wegen der Atmosphäre: Das gedimmte Licht, der langsam zur Seite gleitende Samtvorhang, Dutzende Augen, die sich erwartungsvoll nach vorne richten… Zum anderen aber auch, weil manche Geschichten einfach auf der großen Leinwand erzählt werden müssen. Ein Beispiel dafür: Der Film "Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution", der am 10. Oktober in die Kinos kommt.

"Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution": Geschichten von Frauen

"Die Misswahl" erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des Schönheitswettbewerbs der Miss World 1970. Was diesen Wettbewerb so besonders machte? So einiges! Bereits im Vorfeld des Wettbewerbs sorgte die Tatsache für Aufruhr, dass für das Land Südafrika zwei Frauen antraten – eine Weiße und eine Schwarze. Kritiker warfen den Veranstaltern vor, auf diese Weise das Apartheid-System in Südafrika zu unterstützen.

"Die Misswahl" - Trailer

Das nächste aufsehenerregende Ereignis war, dass zum ersten Mal eine Woman of Color den heißbegehrten Titel ergatterte: Jennifer Hosten, Repräsentantin des karibischen Inselstaats Grenada. Als ob eine schwarze Frau als Siegerin nicht schon für genug Aufregung sorgte, nutzte auch noch die Frauenbewegung den Wettbewerb, um international auf sich aufmerksam zu machen: Aktivistinnen, die sich an der Bewertung von Frauen anhand ihrem Aussehen störten, verschafften sich Einlass zu dem von 100 Millionen Zuschauern live vor dem TV verfolgten Event und störten dessen Ablauf, indem sie lautstark protestierten.

Frauenpower vor und hinter der Kamera

Der Film wartet – wie könnte es bei einem solchen Thema anders sein? – mit einer exzellenten weiblichen Besetzung auf, vor und hinter der Kamera: Das Drehbuch stammt von der Dokumentarfilmmacherin und (Drehbuch-)Autorin Rebecca Frayn. Die Regisseurin ist Philippa Lowthorpe, die für "Call the Midwife" als erste Frau mit einem BAFTA in der Kategorie Fernsehen ausgezeichnet wurde und auch für einzelne Episoden der Netflix-Serie "The Crown" Regie geführt hat. Vor der Kamera überzeugen vor allem Gugu Mbatha-Raw als Miss Grenada Jennifer Hosten, Keira Knightley als späte Studentin und Frauenrechtlerin Sally Alexander und Jessie Buckley als rebellische Aktivistin Jo Robinson.

Das Erfolgsrezept: Happy End und Gänsehautmomente

Alles in allem ist "Die Misswahl" ein gelungener Film, dem es gelingt, historische Ereignisse unterhaltsam und leicht verdaulich zu verpacken. ZuschauerInnen erleben den ein oder anderen Gänsehautmoment, beispielsweise, wenn die Aktivistinnen gemeinsam protestieren oder sich Jennifer Hosten und Sally Alexander unterhalten. Insbesondere diese Unterhaltung ist interessant, weil sie zeigt, dass Feminismus nicht immer gleich Feminismus ist und Selbstermächtigung für Frauen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe ganz unterschiedliches bedeuten konnte und kann.

In der Realität endete die Geschichte mit Miss Grenadas Krönung zur Miss World übrigens nicht: In ihrer Autobiographie "Miss World 1970" schildert Jennifer Hosten die Anfeindungen und Kritik die ihr als erste schwarze Siegerin entgegengebracht wurden. Unter anderem wurden Vorwürfe laut, der Premierminister von Grenada hätte die Wahl beeinflusst.

Weiß man das, wünscht man sich unweigerlich, dass der Film noch weitergegangen wäre und auch diese Kontroversen beleuchtet hätte. Doch wie bereits gesagt: Manche Geschichten müssen im Kino erzählt werden – das bedeutet aber auch, dass sie den Zeitrahmen eines Kinofilms nicht sprengen dürfen. "Die Misswahl" dauert 1 Stunde und 46 Minuten und hat damit genau die richtige Länge, um einerseits einen Einblick in die Frauenbewegung von 1970 zu geben und andererseits eine Geschichte mit Happy End zu erzählen – ein Happy End für Miss Grenada.

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