07.07.2020 - 21:07

Sie machte ihre Träume wahr Julia Kautz: Von der Chefreporterin zur Popsängerin & Songwriterin

Sängerin Julia Kautz möchte jetzt groß durchstarten, nachdem sie jahrelang auf der "falschen" Seite gestanden hat und nur über Stars berichtete, ist sie nun auf dem Weg selbst einer zu werden.

Foto: Sascha Wernicke

Sängerin Julia Kautz möchte jetzt groß durchstarten, nachdem sie jahrelang auf der "falschen" Seite gestanden hat und nur über Stars berichtete, ist sie nun auf dem Weg selbst einer zu werden.

Das aufstrebende Popsternchen Julia Kautz blickt auf eine facettenreiche Laufbahn zurück. Von der Chefreporterin eines Jugendmagazins hin zur Autorin und Songwriterin. Weiter als Supportact, nun eigenständige Sängerin. Wie tickt jemand, der so viel zu bieten hat? BILD der FRAU hat nachgefragt…

Vielleicht hören Sie diesen Namen zum ersten Mal: Julia Kautz. Doch sicher nicht zum letzten Mal, denn die junge Künstlerin hat noch viel vor. Aber auch schon viel hinter sich. Die heutige Popsängerin hat hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo sie jetzt steht. Als Bravo-Chefreporterin hatte sie bereits einen Job, von dem viele träumen. Ganz nah dran an den größten Stars berichtete sie über die Welt der Promis. Dann setzte sie alles auf eine Karte und wechselte die Seiten. Heute macht sie als Sängerin deutschen Poesie-Pops auf sich aufmerksam und schreibt Songs für ihre namhaften Musikkollegen und -kolleginnen. Diesen Herbst erscheint ihr Werk "Amnesie" und bald noch folgt ein Roman.

Zu ihrem außergewöhnlichen Werdegang und ihrem musikalischen Weg nach oben hat uns die vielfältige 39-Jährige ein paar Fragen beantwortet. Im Interview mit BILD der FRAU sprach sie von verwirklichten Träumen, schmerzhafter Liebe und ließ ganz privat blicken in die Dinge, die sie erden.

Popsängerin und Songwriterin Julia Kautz: "Ich wollte endlich alles auf eine Karte setzen"

Warum haben Sie als Chefreporterin bei der Bravo aufgehört?

Mein Job war großartig – ich habe ihn geliebt und immer mit großer Leidenschaft ausgeübt! Ich durfte als Chefreporterin um die Welt fliegen und Stars wie Katy Perry, Lady Gaga oder Bruno Mars interviewen. Allerdings wurde der Drang, mit meiner eigenen Musik auf der Bühne zu stehen, immer größer und irgendwann hatte ich einfach das Gefühl, auf der falschen Seite zu stehen. Ich durfte immer nur darüber schreiben, wie toll der Kuchen schmecken mag, anstatt ihn selbst mal zu probieren. Ich erinnere mich noch an einen Schlüsselmoment, als ich von einem Interview mit Lady Gaga nach Hause geflogen bin. Ich habe im Flieger leise angefangen, zu weinen, weil das Gefühl, haarscharf an meiner eigenen Bestimmung vorbei zu leben, immer stärker wurde. Ich hatte zu dieser Zeit auch einen immer wiederkehrenden Traum von mir als alte Frau in meinem eigenen Sterbebett. Darin habe ich es zutiefst bereut, dass ich mich nicht getraut hatte, mein Leben so zu leben, wie ich es mir eigentlich immer gewünscht hatte. Das war extrem belastend. Als ich dann wenig später meinen ersten Plattenvertrag angeboten bekommen habe, habe ich keine Sekunde gezögert. Ich wollte endlich alles auf eine Karte setzen. Auch wenn mich damals viele für verrückt erklärt haben, so einen tollen Job aufzugeben, habe ich es in keiner Sekunde bereut! Der Traum ist übrigens nie mehr zurückgekehrt.

In Ihrem Job als Bravo-Chefreporterin haben Sie schon einige Stars interviewt. Haben Sie auch schon mal ein ganz katastrophales Interview erlebt, von dem Sie am Ende völlig überrascht waren?

Ja, haha. Oft sind die Interviews, von denen man nichts erwartet, am Ende die besten. Und die Künstler, auf die man sich persönlich am meisten freut, können einen auch schon mal ordentlich enttäuschen. So war es bei mir zum Beispiel mit Avril Lavigne. Ich habe sie an ihrem Geburtstag auf Tour backstage in ihrer Garderobe getroffen. Ich hatte sogar eine Geburtstagstorte dabei und habe "Happy Birthday" für sie gesungen. Doch selbst das konnte ihre Laune nicht heben. Als Antworten bekam ich immer nur ein zickiges "Ja" oder "Nein" gepaart mit hochgradig genervtem Augenrollen. Das war ziemlich frustrierend.

Wie sind Sie zum Singen gekommen?

Ich habe schon als kleines Kind angefangen, Songs zu schreiben und zu singen. Noch bevor ich schreiben konnte, bin ich Zuhause mit einem Kassettenrekorder herumgelaufen und habe Texte und Melodien eingesungen. Es war immer schon mein Instinkt, Geschichten durch Musik erzählen. Die Beatles-Platten meines Vaters, die bei uns rauf- und runterliefen, haben mich dazu inspiriert. Als ich älter wurde, habe ich dann in verschiedenen Bands unterschiedlichster Genres gesungen. Da war von Reggae über Punk, bis hin zu Jazz oder Metal so ziemlich alles dabei. Ich habe auch immer viel Zeit im Studio verbracht, um Songs zu schreiben. Die Musik war meine große Leidenschaft, seitdem ich denken kann.

Sie schreiben Lieder unter anderem für Wincent Weiss, Casandra Steen und Max Mutzke. Passen Sie die Lieder direkt beim Schreiben an die jeweiligen Künstler an oder entwerfen Sie erst einen Song und geben ihn dann an einen Sänger weiter?

Der Prozess ist immer sehr unterschiedlich. Meistens sitze ich mit dem Künstler, für den ich schreiben soll, zusammen im Studio. So lässt es sich am besten arbeiten. Ich führe dann erst einmal eine Art Interview, so wie ich es früher als Reporterin gemacht habe. Dadurch gelingt es mir, schnell herauszufinden, was der Künstler gerade fühlt, denkt, wovor er Angst hat, was ihn berührt und was er liebt. Das hilft sehr, um ihm dann einen sehr persönlichen Song auf den Leib schneidern zu können. Je authentischer die Musik eines Künstler ist, desto mehr kann sie das Publikum am Ende berühren. Deshalb versuche ich, wie ein Schauspieler, für den Prozess des Schreibens in den Kopf des anderen hineinzuschlüpfen. Manchmal läuft es aber auch ganz anders: Den Song "Bis es wehtut" hatte ich zum Beispiel für mein eigenes Album geschrieben. Dann kam die Band Luxuslärm, die den Song zufällig gehört hatte, auf mich zu, und bat mich, ihn singen zu dürfen. Das war erst einmal eine sehr schwierige Entscheidung, weil man natürlich an den eigenen Babys sehr hängt. Ich habe mich aber letztendlich dazu entschlossen, den Song weiterzugeben. Die Band hat dann ihre ganz eigene Version daraus gemacht und noch den Ausnahmesänger Max Mutzke mit ins Boot geholt. Das Ergebnis hat mich so sehr berührt, dass ich es nie bereut habe, den Song weitergegeben zu haben.

Über Ihre Single "Liebe diese Liebe" sagten Sie Folgendes: "Der Song sagt aus, dass man selbst nach einer schlimmen Enttäuschung nicht aufhören sollte, an die Liebe zu glauben. Auch wenn es gerade keine bestimmte Person in meinem Leben gibt, werde ich immer in das Gefühl der Liebe verliebt sein." Haben Sie selbst auch schon mal eine schlimme Enttäuschung in der Liebe erlebt und können deswegen besonders gut diese Botschaft in Ihrem Song vermitteln?

Ja, einige Male schon. Ich würde sogar von mir behaupten, dass ich ein kleiner Pechvogel in Sachen Liebe bin. "Liebe diese Liebe" handelt von einer ganz bestimmten, extrem schmerzhaften Trennung, die ich vor kurzem erlebt habe und die mir wirklich um ein Haar das Herz herausgerissen hätte. Aber auch wenn ich zu dieser Zeit am Boden war, habe ich mich selbst wieder hochgezogen und mich dazu entschlossen, nicht aufzugeben. Ich wollte trotz der schlimmen Enttäuschung nicht den Glauben an die Liebe verlieren! Genau in dieser Phase habe ich "Liebe diese Liebe" geschrieben, um auch anderen Mut zu machen. Aber: Es geht in diesem Lied nicht nur um die partnerschaftliche Liebe, sondern um das Gefühl an sich. Um Leidenschaft, Träume, Familie, Freundschaft, generell ein respektvolles Miteinander. Und Selbstliebe! Denn ich bin der festen Überzeugung, dass man Liebe nur dann weitergeben kann, wenn man sich auch selbst liebt. Und gerade in der heutigen Zeit, da die Welt ziemlich Kopf steht, ist Liebe das einzige, was uns retten kann!

Julia Kautz mit "Liebe diese Liebe"

"Eine gemeinsame Tour ist ja wie eine Klassenfahrt"

Sie waren als Supportact von Aura Dione unterwegs. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen und mit welchem Künstler würden Sie nochmal auf Tour gehen?

Das war eine wunderschöne Zeit, an die ich sehr gern zurückdenke. Aura und ihr Team haben mich mit offenen Armen in ihre Family aufgenommen. So eine gemeinsame Tour ist ja wie eine Klassenfahrt. Da rückt man von Tag zu Tag näher zusammen. Aura Dione ist eine großartige Künstlerin und ich war jeden Abend aufs Neue fasziniert von ihrer Präsenz auf der Bühne. Das Schöne an Supporttouren ist ja, dass man jeden Abend ein neues Publikum erreicht, das einen vielleicht vorher noch gar nicht kannte. Es gibt viele Künstler, mit denen ich gern auf Tour gehen würde. Aber ein absoluter Traum wäre zum Beispiel der britische Sänger und Gitarrist James Bay. Ich bewundere ihn sehr!

Ihre erste eigene Tour haben Sie bereits hinter sich. Was war ihr größtes Highlight und was Ihr schlimmstes Missgeschick auf der Bühne?

Meine erste eigene Tour war mit Abstand die schönste Zeit meines bisherigen Lebens! Jeden Abend vor den eigenen Fans auf der Bühne zu stehen, die jedes Wort der eigenen Songs mitsingen können, ist ein wahnsinnig schönes Gefühl. Die Tour war unglaublich emotional, weil mich meine Fans, die "Kautzarmy", mit ganz viel Liebe durch diese Zeit getragen haben. Sie sind mir teilweise auf der ganzen Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz hinterhergereist, und saßen oft schon vormittags vor den Clubs, um auf mich zu warten. Das ist nicht selbstverständlich und ich weiß diese unglaubliche Unterstützung und Begeisterung extrem zu schätzen.

Mein schlimmstes Missgeschick auf der Bühne? Ich habe mir einmal mit dem Mikrofon den halben Vorderzahn ausgeschlagen. Trotzdem habe ich bis zum Ende des Konzerts weitergesungen und so getan, als wäre nichts passiert.

Ein von Ihnen geschriebener Song wurde in Japan durch die Band "My Name" ein Nummer-Eins-Hit. Was meinen Sie, hätte dieser Song mit einer anderen Band auch in Deutschland einen solchen Erfolg gehabt? Falls nein, was ist in Japan anders?

Ich glaube fest daran, dass ein guter Song überall Erfolg haben kann! Es kommt nur immer darauf an, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu sein. Es gibt viele Faktoren, die eine große Rolle spielen, ob ein Song zum Hit wird! Die Geschichte dieses Liedes ist ein bisschen ungewöhnlich: Ich habe den Song mit ein paar amerikanischen Songwriterinnen in Los Angeles für Justin Bieber geschrieben. Wir haben ihn dann auch an sein Management geschickt. Justin und sein Team fanden den Song wohl auch sehr gut, wir waren aber für sein Album ein paar Tage zu spät dran. Darüber war ich natürlich sehr enttäuscht. Dann ist das Lied aber über Umwege an eine koreanische Boyband gelangt, die dann damit in Japan auf Platz Eins gegangen ist. Schon verrückt, welche unberechenbaren Wege die Lieder, die man schreibt, manchmal gehen.

Julia Kautz hält Informationen zu ihrem neuen Roman noch geheim

2011 schrieben Sie den Roman "Im Bus ganz hinten", die Biografie des Rappers Fler. Wie kamen Sie zum Schreiben? Warum haben Sie gerade dieses Thema gewählt? Und arbeiten Sie aktuell an einem anderen Werk?

In meiner Zeit bei Bravo hat Fler meinen Kollegen Sascha Wernicke und mich gebeten, sein Leben für ihn aufzuschreiben. Das war eine große Ehre und schließlich eine sehr intensive Arbeit! Wir haben damals viel Zeit mit Fler verbracht haben, in der er uns schonungslos ehrlich sein Herz ausgeschüttet und seine komplette Lebensgeschichte erzählt hat. Ein großer Vertrauensbeweis – unumgänglich, um gemeinsam ein gutes Buch zu schreiben! Ich fand seine Erzählungen extrem spannend, und kann mich noch gut daran erinnern, wie ich damals an seinen Lippen hing, weil er schon in seinen jungen Jahren ein sehr bewegtes Leben hatte. Dass die Biografie am Ende ein großer Erfolg wurde, hat mich natürlich wahnsinnig gefreut und ich habe Blut geleckt: Momentan arbeite ich tatsächlich an einem neuen Roman. Worum es geht, möchte ich allerdings noch nicht verraten.

Was tun Sie, um mal vom Schreiben und Singen ganz abzuschalten?

Ich lese gern, gehe ins Kino oder Theater. Und die Natur ist für mich ein wichtiger Ort, um die Batterien wieder aufzuladen. Außerdem verbringe ich möglichst viel Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie. Um immer wieder neue Songs schreiben zu können, ist es essentiell, intensiv zu leben und zu erleben. Man braucht ja immer wieder neue Inspiration.

Sängerin Julia Kautz sieht sich selbst als Wolkaholic

Songwriterin, Autorin, Sängerin…was haben Sie in Zukunft noch alles vor?

Ich hoffe, dass ich genau das noch lange weitermachen darf, weil es mich jeden Tag aufs Neue glücklich macht. Ich empfinde es als großes Privileg, dass ich heute hauptberuflich als Künstlerin arbeiten kann. Ich hoffe, dass Corona es mir bald wieder erlauben wird, auf Tour zu gehen, weil mir die Konzerte sehr fehlen. Aber erst einmal werde ich meine EP "Amnesie" fertigstellen, die im Spätherbst erscheinen soll. Und ein neuer Roman ist, wie gesagt, auch schon in Arbeit. Ein absolutes Herzensprojekt. Ich glaube, ich bin ein kleiner Workaholic. Langweilig wird es mir jedenfalls nie....

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Jetzt haben Sie Julia Kautz kennengelernt. Wollen Sie noch mehr über starke Frauen lesen? Dann besuchen Sie unsere Themenseite. Dort treffen Sie zum Beispiel auf diese Blinde Beauty-Influencerin, die Schminkkurse auf Youtube gibt.

Wie Sie soeben erfahren haben, geht Sängerin und Songwriterin Julia Kautz gern ins Kino oder liest, um mal den Kopf frei zu bekommen. Wie schalten Sie ab? Wir haben da einen Vorschlag für Sie. Ein Videochat mit Tieren bringt Entspannung!

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