01.04.2020 - 13:04

Tamara Schwab im Interview Risikopatientin klärt auf: Darum sollten alle Mundschutz tragen

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Tamara Schwab macht sich für eine Mundschutz-Pflicht stark.

Foto: Tamara Schwab

Tamara Schwab macht sich für eine Mundschutz-Pflicht stark.

In Deutschland läuft die Debatte über eine Mundschutz-Pflicht. Tamara Schwab (27), Autorin von "Mein Speed-Dating mit dem Tod", will darüber aufzuklären, dass nicht nur ältere Menschen durch Corona gefährdet sind. Auf Instagram ruft sie unter ihrem Account "@its.tamara.schwab" dazu auf, Masken zu tragen. Im Interview mit spot on news erklärt sie, warum sie für eine Mundschutz-Pflicht ist.

Warum gehören Sie mit 27 Jahren zur Corona-Risikogruppe?

Tamara Schwab: Ich leide seit 2016 an einer chronischen Herzmuskelentzündung - die man übrigens erwischen kann, wenn man krank Sport macht. Durch die Herzmuskelentzündung habe ich mittlerweile eine chronische Herzschwäche. Meine Herzleistung ist somit stark eingeschränkt. Dadurch könnte Corona schnell für mich lebensgefährlich werden.

Wie haben Sie die vergangenen Wochen seit Ausbruch der Corona-Krise erlebt?

Schwab: Ich war in der ersten Märzwoche für eine Immuntherapie im Krankenhaus. Damals war das Thema schon präsent und ich bin bereits mit einem unguten Gefühl ins Krankenhaus gegangen. Ist das wirklich so eine gute Idee, ausgerechnet jetzt sein Immunsystem zu zerstören (meine chronische Herzmuskelentzündung hat sich aus einer normalen Herzmuskelentzündung entwickelt, indem mein Immunsystem begonnen hat, auch noch gegen mein Herz anzukämpfen)? Zurückgeblickt war es die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Vermutlich wäre schon eine Woche später die Therapie nicht mehr möglich gewesen, weil man die Betten für Corona-Infizierte bereithalten hätte müssen.

Seitdem ich wieder zu Hause bin, habe ich mich in absolute Isolation begeben. Keine Arbeit, kein einkaufen (das übernimmt mein Vater), keine Besuche bei meiner Mutter oder meinen Bruder. Wenn ich gezwungen bin rauszugehen, zum Beispiel zu meinem Arzt, dann nur mit Mundschutz mit FFP3 Schutz und Desinfektionsmittel. Das macht keinen Spaß, aber es ist nicht nur für mich als Risikopatient wichtig und richtig, das zu tun. Umso mehr erschreckt es mich zu sehen, dass es immer noch einige gibt, die diese Regelungen nicht verstehen wollen und sich in größeren Gruppen aufhalten oder den Sicherheitsabstand nicht einhalten.

Sie appellieren an alle, einen Mundschutz zu tragen. Sind Sie für eine allgemeine Mundschutz-Pflicht?

Schwab: Ja, in der momentanen Situation definitiv! Es kursiert leider immer noch das Vorurteil, dass selbstgemachter Mundschutz oder weniger dichter Mundschutz nichts bringt. Das ist falsch! Richtig ist, dass der Mundschutz nicht den Träger schützt. Aber der Mundschutz kann eigene Tröpfchen, ausgeschieden durch Husten und Niesen, bremsen und damit andere Menschen schützen. Wie wir wissen, dauert es manchmal bis zu 14 Tage, bis sich Symptome bemerkbar machen und sichtbar wird, dass man bereits infiziert ist. Mit einer Mundschutz-Pflicht könnte der Risikofaktor der langen Inkubationszeit abgeschwächt werden. Ebenso glaube ich, dass eine Mundschutz-Pflicht gewissenhafter befolgt werden würde als die Ausgangsbeschränkungen.

Was sagen Sie Menschen, die behaupten, ein einfacher Mundschutz bringe nichts?

Schwab: Puh. Ich versuche aufzuklären! Aber ehrlich gesagt, macht mich das wütend. Ich habe teilweise das Gefühl, dass sich gegen eine Mundschutz-Pflicht mehr gewehrt wird als gegen die Ausgangssperren, was ich absolut nicht nachvollziehen kann. In Japan funktioniert dieses Prinzip kombiniert mit hohen Hygienestandards super! Selbst das Robert Koch-Institut hat mittlerweile eingeräumt, dass nicht nur ein einfacher, sondern auch ein selbstgemachter Mundschutz andere Menschen vor eigenen potenziell infizierten Tröpfchen schützen kann. Warum nicht einfach tragen, in der Hoffnung, dass er die Situation auch nur ein klein wenig verbessert? Lieber trage ich in meinem Alltag einen Mundschutz als vielleicht monatelang zu Hause eingesperrt zu sein.

Was kann man tun, wenn man sich nicht in der Lage fühlt, sich einen Mundschutz zu Hause zu nähen?

Schwab: Sicher, nicht jeder hat eine Nähmaschine, Nadel oder Faden zu Hause oder fühlt sich in der Lage, selbst so einen Mundschutz zu nähen. Aber das ist nicht schlimm! Denn bereits ein Schal oder ein Tuch vor Mund und Nase (wie es früher Banditen im wilden Westen getragen haben) helfen schon, das Virus aufzuhalten. Wichtig ist nur, dass man diese regelmäßig bei 60 Grad wäscht, besonders wenn sie mit der Zeit feucht geworden sind.

Wird Ihrer Meinung nach in Deutschland genügend getan, um Risikogruppen zu schützen?

Schwab: Ich glaube, wir sind in Deutschland schon auf einem guten Weg. Die Regierung hat noch relativ zeitnah reagiert, in einem Zeitraum, in dem man bereits die Regulierungen verstehen konnte, aber noch nicht italienische Zustände herrschten. Meiner Meinung nach sollte nun aber die Marschrichtung weiterverfolgt werden und weitere Maßnahmen - wie eine Mundschutz-Pflicht - bundesweit ausgerollt werden! Nicht nur um Risikogruppen zu schützen, sondern um uns alle zu schützen und unser Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten. Jena macht es uns jetzt mit der Mundschutz-Pflicht vor - und ich denke, solch eine Regelung ist im Vergleich zur Ausgangssperre für niemanden ein Beinbruch!

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