05.04.2020 - 20:36

Die Schauspielerin im Interview Désirée Nosbusch: Geld ist nichts, was mich antreibt

Von

Lässig, uneitel, gut gelaunt: Die echte Désirée Nosbusch hat nichts von ihrer Erfolgsrolle der kalten Bankerin in "Bad Banks".

Foto: imago images / Future Image

Lässig, uneitel, gut gelaunt: Die echte Désirée Nosbusch hat nichts von ihrer Erfolgsrolle der kalten Bankerin in "Bad Banks".

In der Erfolgsserie "Bad Banks" gibt sie jetzt wieder brillant-unsympathisch die machtgierige Bankerin Christelle. Dabei ist die 55-Jährige im echten Leben eine Frau zum Pferdestehlen!

Désirée Nosbusch wurde 1965 am 14. Januar in Luxemburg geboren. Mit gerade einmal 12 Jahren sammelte sie erste Erfahrungen im Showgeschäft und moderierte für Radio Luxemburg. Ihr TV-Debüt folgte 1979 in "Spiel-Expreß" im ZDF. Seit 2018 spielt sie in der Erfolgsserie Bad Banks die Rolle der Christelle Leblanc. Und auch Privat läuft es rund. Ihr Glück hat Désirée Nosbusch mit dem 51 Jahre alten Kameramann Tom Bierbauer gefunden, mit ihm ist sie seit 2018 verheiratet. Mit ihrem Ex-Mann Harald Kloser (63) hat sie zwei Kinder: Lennon-Noah (24) und Luka- Teresa (22).

Im Interview mit BILD der FRAU verrät Désirée Nosbusch mehr über ihre Rolle in "Bad Banks", das Älterwerden und warum ihre Mutter ihre Inspiration in Sachen Mut ist.

Interview mit BILD der FRAU: "Geld ist für mich kein Motor."

BILD der FRAU: Liebe Frau Nosbusch, schön, dass Sie wieder da sind als Christelle Leblanc. Wobei: Was mögen Sie eigentlich an dieser kalten, machtbesessenen Frau?

Désirée Nosbusch: Dass diese Eigenschaften nur Facetten von ihr sind. Ich glaube daran, dass nicht jeder Mensch nur böse oder nur gut ist. Christelle ist durch das Leben so hart geworden. Ich denke, da ist noch etwas anderes in ihr.

Gibt es irgendwas, das Sie sogar gerne von ihr hätten?

Das Haus (lacht). Sonst nichts. Ich könnte in dieser Männerwelt nicht mitspielen, ohne das Gefühl zu haben, mich als Frau zu verraten. Außerdem ist Geld für mich auch wirklich kein Motor. Es interessiert mich nicht sonderlich.

Stark ist, wer seine Schwächen zulässt

Ihre Filmfigur ist das, was man im Klischee als "starke Frau" bezeichnen würde. Was macht für Sie eine starke Frau aus?

Stark ist jemand, der auch seine Schwächen zulässt – das gilt auch für Männer. Jemand, der ehrlich mit sich selbst und mit anderen ist, der sich selbst mag und der den Mut hat, für das geradezustehen, was er liebt. Eine Position oder gesellschaftlicher Status hat für mich nichts mit Stärke zu tun.

Gehen Sie gern Risiken ein?

Nicht auf finanzieller Ebene. Meine Oma hatte das Geld noch im Sparstrumpf. Und zu Hause war meine Mutter für die Finanzen zuständig. Als mein Vater mal im Krankenhaus lag, hat sie einen Kredit aufgenommen und eine Wiese gekauft. Sie wusste: Mein Vater hätte das nie getan. Auf der Wiese steht heute noch das Haus, das mein Vater dann selbst gebaut hat und in dem meine Mutter noch immer wohnt.

Ihre Mutter war mutig?

Ja. Meine Mutter war irre mutig. Sie wollte immer Grund besitzen, hat gesagt: "Wenn du ein Dach über dem Kopf hast, was deins ist, kann dir schon mal nicht mehr ganz so viel passieren." Ich habe auch keine Angst davor, Entscheidungen zu treffen, bin mutig genug, auch mal was Falsches zu tun. Es geht ja immer weiter und festhalten kannst du eh nichts im Leben.

Verstehen Sie eigentlich diese raffinierten Geschäfte in "Bad Banks", das Fachchinesisch?

Ich habe mich reingelesen und recherchiert – und ich habe einen Bruder, der sehr erfolgreich in der Finanzwelt ist. Der meldet sich schon mit "Bad Banks Hotline", wenn ich ihn anrufe (lacht).

Sind Sie neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen?

Ich beschäftige mich damit. Wo ich mir Sorgen mache: Meine Mutter ist 81, wenn sie mich und meinen Bruder nicht hätte, wäre sie ver loren. Die Bank, in der sie immer an den Schalter ging, gibt's nicht mehr. Und dann sagt man ihr: "Machen Sie das online." Du kannst doch eine alte Dame nicht zwingen, einen Computerkurs zu machen!

"Ich habe meine Mitte gefunden"

Apropos älter werden: Was ist gut daran?

Man hat eine gewisse Ruhe und ist mit sich im Einklang. Ich hab meine Mitte gefunden. Und was auch toll ist: Ich bin jetzt selbst so was wie die Mutter der Kompanie (lacht). Früher war ich am Set immer die Jüngste, jetzt bin ich die Älteste und lerne durch meine jungen Kolleginnen wieder eine andere Welt kennen.

Inwiefern?

Es ist irre, wie sehr diese jungen Menschen heute ihr Selbstmarketing beherrschen. Die sind so präzise in dem, was sie wollen und wie sie es erreichen können, sie sind unserer Generation meilenweit voraus. Wir wollten einfach nur Künstler werden...

Würden Sie gern noch mal von vorn anfangen?

Nein! Ich möchte nicht zurück. Wieso sollte man das wollen? Man würde vielleicht in die Hülle von damals zurückschlüpfen, aber doch bitte mit dem Kopf von heute! Nein, ich schaue lieber stolz zu, wie meine Kinder sich entwickeln. Ich mag das Ruhige am Älterwerden. Du sitzt da mit einem Schmunzeln und denkst: Ist doch alles okay, dir läuft nichts mehr weg.

_______________________

Nachdem Désirée Nosbusch in ihrer Kindheit mit Opfer von Ausländerfeindlichkeit wurde steht Sie jetzt auf der Sonnenseite des Lebens. 2018 feierte die Schauspielerin ihre Traumhochzeit in Italien und auch die Serie "Bad Banks", in der Nosbusch mitspielt, ist ein voller Erfolg. Mehr zu Film und Fernsehen finden Sie auf unserer Themenseite.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen