23.01.2020

Zum deutschen Kinostart Oscar-Anwärter "Jojo Rabbit": Adolf Hitler wird zum imaginären Freund

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Roman Griffin Davis (Jojo) und Taika Waititi (Adolf) in "Jojo Rabbit"

Foto: 2018 Twentieth Century Fox

Roman Griffin Davis (Jojo) und Taika Waititi (Adolf) in "Jojo Rabbit"

Ein Film mit Adolf Hitler als einer der zentralen Figuren - kann das gut gehen? Im Fall von "Jojo Rabbit", der ab 23. Januar 2020 in den deutschen Kinos anläuft, lautet die Antwort: ja. Die Satire von Regisseur Taika Waititi (44, "Thor: Tag der Entscheidung") besticht durch schwarzen Humor und schrägen Stil. Der Regisseur selbst spielt Hitler, der zum idiotischen imaginären Freund eines Zehnjährigen wird. Das muss man über den Oscar-Anwärter von 2020 wissen.

Worum geht es?

"Jojo Rabbit" basiert auf dem Roman "Caging Skies" von Christine Leunens (55). Das Drehbuch hat Taika Waititi verfasst, dessen Großvater im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis kämpfte. Er war stets von dieser Zeit und ihren Ereignissen fasziniert. Die Geschichte in "Caging Skies" sprach ihn an, da sie "durch die Augen eines von den Erwachsenen mit Hass indoktrinierten deutschen Kindes erzählt wurde", erklärt der gebürtige Neuseeländer im Presseheft.

Im Film wird das Leben des zehnjährigen Jojo Betzler (Roman Griffin Davis), ein einsamer deutscher Junge, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs auf den Kopf gestellt. Er findet heraus, dass seine alleinerziehende Mutter (Scarlett Johansson) in einer Dachkammer ein jüdisches Mädchen (Thomasin McKenzie) versteckt. Jojo muss daraufhin seine Ansichten revidieren - und der Einzige, den er um Rat fragen kann, ist sein idiotischer imaginärer Freund Adolf Hitler (Taika Waititi).

Wer spielt mit?

Der junge Hauptdarsteller Roman Griffin Davis stammt aus Großbritannien. Er schafft es, die ganzen Stimmungen von Jojo, wie Zorn, Angst, Entdeckungsgeist sowie Humor glaubhaft darzustellen. In die Rolle des jüdischen Mädchens Elsa schlüpft die neuseeländische Schauspielerin Thomasin McKenzie (19). Sie war bereits im Netflix-Film "The King" zu sehen. Neben den beiden Jungdarstellern hat sich Taika Waititi auch hochkarätige Unterstützung gesucht.

Marvel-Star Scarlett Johansson (35, "Avengers: Endgame") brilliert als Rosie Betzler, die Mutter von Jojo. Sie ist nicht nur mutig, sondern auch lustig. Oscar-Preisträger Sam Rockwell (51, "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri") beweist einmal mehr seine Vielseitigkeit. Er verkörpert Hauptmann Klenzendorf, einen herrisch-flapsigen Ausbilder der Hitlerjugend, der für Jojo Idol, Vertrauter und Nemesis ist.

Die Australierin Rebel Wilson (39, "Pitch Perfect") steuert als Fräulein Rahm ihre typisch verpeilte Komik bei. Ihre Improvisationskünste kommen mehr als einmal zum Einsatz. Der Brite Stephen Merchant (45) dürfte Fans von "The Big Bang Theory" bekannt vorkommen. Als Dave hatte er ein Date mit Amy (Mayim Bialik, 44) und stellte dabei hauptsächlich Fragen über Sheldon (Jim Parsons, 46). In "Jojo Rabbit" mimt er Hauptmann Herman Deertz von der Falkenheim Gestapo, der akribisch Berichten über versteckte Juden und Widerständler nachgeht.

Schwarzer Humor, der ankommt

Am schwierigsten war es wohl, die Rolle von Jojos imaginärem Freund und Ratgeber Adolf zu besetzen. "Ich war nicht meine erste Wahl für diese Rolle", sagt Waititi. Doch viele potenzielle Darsteller hätten damit "irgendwie kein gutes Gefühl" gehabt. Der Neuseeländer hingegen hatte Spaß an der Rolle - und das hat einen einfachen Grund. Er hat sich "ganz und gar nicht" an dem historischen Hitler orientiert. "Er ist ein aus Jojos Vorstellung entsprungenes Fantasiegeschöpf, und deshalb ist seine Kenntnis der Welt auch auf den Erkenntnishorizont eines Zehnjährigen beschränkt."

Mit seiner Darstellung, dem Satire-Blick auf diese Zeit, dem bissigen Humor und seinem gesamten Film hat Taika Waititi ins Schwarze getroffen. "Jojo Rabbit" hat bei der diesjährigen Oscar-Verleihung sechs Chancen auf einen Goldjungen, darunter die Königskategorie "Bester Film", "Bestes adaptiertes Drehbuch" sowie Scarlett Johansson als "Beste Nebendarstellerin".

Waititi erlebte "als jüdischer Maori" selbst "ein gewisses Maß an Vorurteilen". Er möchte, dass "Jojo Rabbit" als Mahnung dient, "unsere Kinder, besonders in der heutigen Zeit, zu Toleranz zu erziehen". Zudem soll der Film eine Erinnerung sein, "dass in dieser Welt der Hass keinen Platz hat. Kinder werden ohne Hass geboren, sie werden zum Hass abgerichtet". Sein Wunsch: "Auf dass die Dummheit endet und durch Liebe ersetzt wird."

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