21.11.2019

Messerangriff in Klinik Tod von Fritz von Weizsäcker: Angreifer wollte sich rächen

Fritz von Weizsäcker bei einem Auftritt in Berlin

Foto: imago images/Tinkeres

Fritz von Weizsäcker bei einem Auftritt in Berlin

Der Arzt wurde während eines Vortrages von einem Zuhörer angegriffen, ein zur Hilfe eilender Polizist schwer verletzt. Jetzt hat die Polizei das Tatmotiv bekanntgegeben.

Prof. Dr. med. Fritz von Weizsäcker ist laut Medienberichten in Berlin getötet worden. Der 59-jährige Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (1920-2015) hielt demnach in der Schlosspark-Klinik, in der er Chefarzt für Innere Medizin war, einen Vortrag, als er von einem Unbekannten mit einem Messer angegriffen wurde. Der Täter wurde festgenommen – und auch das Tatmotiv scheint nun bekannt zu sein.

Fritz von Weizsäcker erlag nach dem Angriff seinen Verletzungen

Auf Twitter erklärte die Polizei Berlin: "Bei einem Vortrag in der Schlosspark-Klinik in #Charlottenburg kam es zu einem gewalttätigen Übergriff auf den Redner. Trotz sofort eingeleiteter Reanimation erlag er den Verletzungen. Der Tatverdächtige wurde festgenommen."

Auch ein Polizist, der dem Chefarzt zur Hilfe eilte, wurde schwer vom mutmaßlichen Täter verletzt. Dieser konnte Augenzeugen zufolge jedoch von weiteren Personen im Raum schließlich festgehalten werden.

Von Weizsäcker war am Dienstagabend gerade dabei, im Tagungsraum der Abteilung für Psychatrie in der Schlossklinik in Berlin-Charlottenburg, unweit des Schlosses, einen Vortrag über die Fettleber zu halten – sein Fachgebiet. Nach Angaben der Polizei soll plötzlich ein 56-Jähriger aus den Zuhörerreihen auf die Bühne gestürmt und den Dozenten angegriffen haben. Der ebenfalls als interessierter Zuschauer im Raum sitzende Polizist, der ihn aufhalten wollte, sei demnach ebenfalls schwer verletzt worden und werde nun in einem anderen Krankenhaus behandelt.

Die Ermittlungen dauern an: Angreifer wollte sich an Familie von Weizsäcker rächen

Den Tatverdächtigen können anschließend mehrere Zuhörer überwältigen. Bei der Polizei gelte er als bisher unbekannt. Es handelt sich um einen 57-jährigen Deutschen, der aktuell kein Klinikpatient sei. Die Tatwaffe war nach Angaben einer Polizeisprecherin ein Messer. Er sollte bereits in der Nacht verhört werden. Am Vormittag bestätigte die Polizei, dass es sich um einen deutschen Staatsbürger handele, der nicht in Berlin gemeldet sei.

Mittlerweile gab die Polizei bekannt, dass es sich beim Tatverdächtigen um einen "offensichtlich geistig verwirrten" Mann handele, der in Koblenz wohne, aber gebürtiger Berliner sei. Er soll nach Polizeiangaben aus Rache gehandelt haben. Sie sprechen von einer "wahnbedingten allgemeinen Abneigung" gegen Fritz von Weizsäcker. Nach Spiegel-Recherchen soll er seine Abneigung ursprünglich auf Richard von Weizsäcker, den Vater, gerichtet haben. Dieser war einst Geschäftsführer des Chemiekonzerns Boehringer Ingelheim. Er sei in den 60ern dafür verantwortlich gewesen, dass tödliche Giftstoffe für den Vietnamkrieg geliefert worden seien. Der ehemalige Bundespräsident ist allerdings vor knapp fünf Jahren verstorben – daher habe er sich seinen Sohn als Opfer ausgesucht, wie der Spiegel berichtet.

Er wird nun in einer psychatrischen Klinik untergebracht, wegen Mordes und versuchten Mordes.

Dem 33-jährigen verletzten Polizisten gehe es derweil "den Umständen entsprechend gut oder schlecht", erklärte eine Polizeisprecherin am Mittwochmorgen. Er befinde sich nicht in Lebensgefahr.

Während am Tatort die Spuren gesichert werden, heißt es, dass auch die Familie des Opfers befragt werden solle, ob es möglicherweise Hinweise auf Drohungen gegeben habe. Man rechne im Laufe des Mittwoches mit weiteren Erkenntnissen.

Freunde und Familie trauern

Währenddessen melden sich bereits Freunde und Familie Fritz von Weizsäckers zu Wort: Politiker Christian Lindner twitterte: "Mein Freund Fritz von Weizsäcker wurde heute Abend in Berlin erstochen. Ein passionierter Arzt und feiner Mensch. Neulich noch war er bei uns zuhause zum Grillen. Ich bin fassungslos und muss meine Trauer teilen. Einmal mehr fragt man sich, in welcher Welt wir leben."

Und auch Fritz von Weizsäckers Schwester Beatrice meldete sich bereits mit einem Trauerbild: Sie teilte auf Instagram ein Bild mit einem Kreuz und schrieb dazu: "Gib acht auf meinen Bruder".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekundete ihr Beileid über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert:. "Es ist ein entsetzlicher Schlag für die Familie von Weizsäcker, und die Anteilnahme der Bundeskanzlerin, sicher auch der Mitglieder der Bundesregierung insgesamt, gehen an die Witwe, an die ganze Familie."

Wer war Fritz von Weizsäcker?

Der 1960 in Essen geborene Fritz von Weizsäcker hatte sich anders als sein Vater gegen eine Politikkarriere entschieden und war stattdessen Mediziner geworden. Seit 2005 war er Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg.

Bekannt war er aber außerdem aufgrund seines berühmten Vaters, Richard von Weizsäcker (1920-2015), der von 1984 bis 1994 als Bundespräsident amtierte. Seine Mutter, die frühere deutsche First Lady, Marianne von Weizsäcker (87) lebt noch in Berlin. Fritz von Weizsäcker war das jüngste von vier Kindern. Bruder Andreas starb im Jahr 2008, seine Schwester Beatrice (61) und sein ältester Bruder Robert Klaus (64) leben noch. Umweltwissenschaftler und früherer SPD-Bundestagsabgeordneter Ernst Ulrich von Weizsäcker (80) ist sein Cousin.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen