20.08.2019

2016 heiratete er seinen Freund QVC-Moderator Sascha Lauterbach spricht über sein Outing – und die Folgen

Sascha Lauterbach hat im Oktober 2016 seinen Freund Sebastian geheiratet. Für den QVC-Moderator folgte ein "nicht ganz freiwilliges" Outing.

Foto: privat

Sascha Lauterbach hat im Oktober 2016 seinen Freund Sebastian geheiratet. Für den QVC-Moderator folgte ein "nicht ganz freiwilliges" Outing.

Sascha Lauterbach ist seit Jahren eines der Gesichter bei QVC. Im Interview mit BILD der FRAU spricht er über seinen Job, sein Outing, schwere Zeiten in seinem Leben und seine Zukunftspläne.

Immer gut gelaunt und stets perfekt gekleidet – so kennen Fans und Zuschauer Sascha Lauterbach. Der 39-Jährige präsentiert beim Shopping-Sender vor allem die Lifestyle und Beauty-Produkte. Seit 2011 ist Sascha bei QVC tätig, für ihn ist die Arbeit vor der Kamera mehr als nur ein Job. Das liegt auch an einem ganz persönlichen Erlebnis im Jahr 2016. In dem Jahr, am 23. Oktober, heiratete Sascha seinen langjährigen Freund Sebastian in Berlin. Im Interview mit BILD der FRAU spricht Sascha über sein "nicht ganz freiwilliges" Outing – und wie QVC darauf reagierte.

QVC-Moderator Sascha Lauterbach im Interview über Outing, Job und Zukunftspläne

Hallo Sascha, du gehörst mittlerweile zu den Urgesteinen bei QVC. Was gefällt dir an der Arbeit besonders gut?

Sascha Lauterbach: Ich bin eigentlich ausgebildeter Journalist. Ich habe klassisches Recherchieren, Drehen mit der Kamera und Texten von Fernsehbeiträgen gelernt. Früher beim Radio habe ich sogar noch Beiträge mit einer typischen Bandschneidemaschine im wahrsten Sinne des Wortes geschnitten.

Mein Job vor QVC war sehr abwechslungsreich. Jeden Tag ein neues Thema.

Das Gleiche erlebe ich jetzt auch bei QVC. In jeder Sendung gibt es neue Produkte und neue Kunden, auf die ich mich einstelle – mein Job bei einem der größten Versandhändler in Europa ist mindestens genauso spannend.

Testest du jedes Produkt selbst, bevor du es bei QVC vorstellst?

An mir selbst kann ich natürlich nicht alle Produkte testen, aber sehr viele. Vor allem Beauty-Produkte oder Küchen-Artikel teste ich auch gern mal an mir oder bei mir zu Hause. In meinem Badezimmer stehen mehr Cremes als bei Douglas im Weihnachtsgeschäft.

Ich setze mich so ziemlich mit jedem Produkt auseinander, lerne alle Fakten und bereite mich intensiv auf die Präsentation vor. Aber natürlich kann ich nicht jedes Produkt selbst testen. Unser Sortiment ist breit gefächert und für ganz unterschiedliche Hauttypen gedacht, es wäre nicht gut, wenn ich alles ausprobieren würde.

Ich frage aber häufig Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn, ob sie etwas für mich testen würden. Denn die persönlichen Erfahrungen mit Cremes, Tinkturen und Seren sind wirklich Gold wert und helfen mir beim Präsentieren.

Warum ist Teleshopping so erfolgreich? Was macht den besonderen Reiz aus?

Wir sind nicht nur Fernsehen, Internet und App – wir sind in Wirklichkeit ein riesiges Warenlager mit einem sehr dicken Katalog. In jeder Stunde, in jeder Präsentation schlagen wir eine neue Seite auf, in der wir ein Produkt mit all seinen Vorteilen und Anwendungsgebieten erklären.

Bei uns stehen Töpfe, Tiegel und Tapeten nicht nur im Regal. Wir nehmen sie raus, zeigen, wie sie funktionieren und für welchen Kunden sie eine Bereicherung sind.

Dabei ganz wichtig: Wir überreden niemanden – wir überzeugen. Wenn wir Menschen Produkte aufschwatzen würden, dann bekämen wir genau diese binnen unserer Rückgabezeit postwendend zurück.

Gib uns einen Tipp: Wie kann ich als Zuschauer erkennen, welches Produkt ein wahres Schnäppchen ist?

Ganz wichtig: Schauen Sie sich immer das Gesamtpaket an. Wo kaufe ich das Produkt ein? Kann ich dem Verkäufer vertrauen? Und wenn ja, stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis? Gibt es vielleicht attraktive Zusatzleistungen wie Gratis-Ratenzahlung oder eine verlängerte Garantie? Man sollte also nicht nur auf Streich-Preise und Rabatte schauen, sondern immer auch auf das Gesamtpaket.

Was war das verrückteste, was dir jemals in einer Sendung passiert ist?

Einmal roch es seltsam im Studio nach Qualm. Irgendwann wurden die Leute um mich herum etwas unruhig. Erst als mein lieber Kollege Vladi mit dem Feuerlöscher angerannt kam, wusste ich: Ok, es scheint zu brennen! Und zwar genau hinter mir. Ein Lampenschirm hatte Feuer gefangen, direkt über meinem Kopf. Das muss lustig ausgesehen haben im TV. Es ist aber nichts Schlimmes passiert. Wir Kollegen passen gegenseitig auf uns auf.

Sascha wohnt mit seinem Mann in der Nähe von Köln

Du bist bekannt für deine offene Art, lebst mit deinem Mann und deinen zwei Hunden in der Nähe von Köln und in Berlin. Welche Reaktionen bekommst du von Zuschauern und Fans?

Die Fernsehlandschaft ist gar nicht so locker und tolerant, wie viele immer glauben. Ich kenne Moderatoren, Schlagersänger und Sportler, die alles dafür tun, dass niemand von ihrer Homosexualität erfährt. Die einen haben Angst, ihre weiblichen Fans zu verlieren, und die anderen befürchten Stress mit Kollegen und dem Arbeitgeber.

Manche bauen ganze Lügengebilde um sich auf, erwecken nach Außen den Anschein, als wären sie mit Frauen zusammen und hoffen so, dass zumindest die große Mehrheit niemals auf die Idee kommt, sie in die schwule Ecke zu stellen.

Das persönlich finde ich sehr schade. Ich würde aber niemals eine andere Person outen.

Schlagerstar Patrick Lindner hat vor wenigen Monaten über sein Outing gesprochen. Er sagt, dass es ihm einen "enormen finanziellen Schaden" gebracht hat.

Wie war denn dein Outing, und war es wirklich freiwillig?

Naja, ganz so freiwillig war es nicht. Alles geschah auf unserer Hochzeit im Oktober 2016. Mein Mann und ich gaben uns in einem Berliner Hotel das Ja-Wort. Es war eine richtige Traumhochzeit. Alle Gäste wussten Bescheid, nur unsere Eltern nicht. Die dachten, sie würden "nur" zum Brunch anlässlich meines Geburtstages kommen.

Unter den Gästen waren auch ein paar Prominente wie RTL-Wetterfee Eva Imhof, Ex-Weather Girl Ingrid Arthur und Schlagerikone Dagmar Frederic.

Noch bevor die Zeremonie losging, sagte Daggi zu Sebastian und mir: "Schaut mal Jungs, mein Foto mit Euch hat schon über 300 Likes, und alle sind begeistert. Ich soll Euch ganz lieb von Harald Glööckler grüßen, er wünscht Euch alles Gute, ihr seid ein tolles Paar."

Da war ich kurz geschockt, weil ich tatsächlich vergessen hatte, meine Gäste zu bitten, nichts zu posten. Doch dann sagte ich mir im selben Moment: Das ist meine Hochzeit, der schönste Tag in unserem Leben. Ich werde doch jetzt nicht ernsthaft ein Handyverbot aussprechen. Dann soll es halt so sein!

Vor wenigen Tagen hat Sascha Lauterbach seine gute Freundin Dagmar Frederic zum Interview getroffen. Erfahren Sie hier mehr.

Wie ging es weiter?

Am nächsten Tag hat sich die BILD-Zeitung bei uns gemeldet und wollte einen Beitrag über unsere Hochzeit machen. Wir baten um etwas Bedenkzeit. Nach einem Gespräch mit meinem Mann, dem Abwegen des Für und Wider stimmten wir dem Interview zu.

Wir waren sehr aufgeregt, als wir mit dem Reporter sprachen. Als der Beitrag veröffentlicht wurde, war mir angst und bange, aber es gab nur positive Reaktionen. Der Artikel war sehr liebevoll und wohlwollend geschrieben. Einfach nur schön.

Wie haben deine QVC-Fans reagiert?

Die wussten offiziell noch nichts von der Hochzeit. Sowohl QVC als auch ich selbst haben auf meiner offiziellen Fan-Seite nichts zu diesem Thema geschrieben. Das sollte sich aber bald ändern.

Einen Tag nach dem BILD-Artikel meldete sich meine Chefin bei mir und fragte mich, ob wir nicht doch ein offizielles Posting machen wollen, weil es doch einige Anfragen dazu gab.

Auch in diesem Fall bat ich um etwas Bedenkzeit. Schließlich beeinflusst dieses Outing nicht nur mich, sondern auch meine Familie. Meine Eltern haben durch meinen behinderten Bruder schon genug Ausgrenzung erfahren müssen. Wir wollen einfach nicht noch mehr Diskriminierung erleben.

Dennoch entschied ich mich für die Veröffentlichung eines Posts und gab QVC zwei Stunden später die Zusage – aber nur unter einer Bedingung: Ich oute mich mit unserem Hochzeitsfoto nur, wenn die Facebook-Redaktion darauf achtet, Hass-Kommentare sofort zu löschen.

Was ist dann passiert?

Am frühen Abend wurde der Post veröffentlicht. Sebastian und ich saßen gerade bei meiner Grundschullehrerin Frau Friedrich zum Kaffee, weil sie es aus gesundheitlichen Gründen nicht zu unserer Hochzeit geschafft hatte.

QVC gratulierte meines Wissens weltweit erstmals in der Geschichte einem Moderator offiziell zu einer Hochzeit mit einem Mann. Und was soll ich sagen, es wurde eines der erfolgreichsten Postings in der Geschichte. Was mich aber am meisten gefreut hat: Es gab so gut wie keine Negativ-Kommentare.

Auch auf meiner Seite wurden ausschließlich positive und vor allem sehr viele liebevolle Kommentare veröffentlicht. Ehrlich gesagte hatte ich Tränen in den Augen und brauchte tatsächlich einige Zeit, um das zu verarbeiten.

Gibt es eine Seite an dir, die noch kaum ein Zuschauer kennt?

Oh ja, die gibt es. Viele kennen mich nur als immer gut gelaunten Fernsehmoderator oder sportbegeisterten Fitness-Fan. Es gibt da aber noch eine andere Seite. Ich bin in meinem Leben nicht nur durch sonnige Zeiten gegangen. Ich habe auch sehr traurige und dunkle Zeiten durchlebt.

Magst du mehr darüber erzählen?

Ich habe mehrfach um mein Leben gekämpft und schwere Verluste erlebt. Auch wenn sich das keiner wünscht, war ich schon mehrere Male hautnah bei Terroranschlägen oder Amokläufen dabei. Das hat seine Spuren hinterlassen.

Ich weiß, wie es ist, wenn draußen die Sonne am strahlend blauen Himmel scheint und man selber nur graue Wolken sieht. Ich weiß, wie es ist, wenn man von engsten Vertrauten und Kollegen hintergangen und betrogen wird.

Da ich aber ein sehr wissbegieriger und lebensbejahender Mensch bin, wollte ich mich mit der erdrückenden Stimmung und den lähmenden Emotionen nicht abfinden.

Wie hast du es geschafft, aus diesem "Tief" rauszukommen?

Wenn der Kopf in der Lage ist, uns zu lähmen und uns bis über den Abgrund zu führen, dann muss doch eben dieser Kopf auch in der Lage sein, unser Leben in ein Paradies zu verwandeln! Das Leben ist schön, egal wie schwer es uns andere machen.

Ich bilde mich seit einiger Zeit in den Themen Depression, Burn-Out und Traumatisches Belastungssyndrom weiter. Seitdem öffnen sich mir gegenüber so viele Freunde, Weggefährten und Kollegen, die Ähnliches durchgemacht haben.

Ich fühle mich berufen zu helfen. Wer mich um Hilfe fragt, der wird sie bekommen. Und ich habe noch einiges vor auf dem Gebiet. Ich will nicht zu viel verraten, aber ich habe mittlerweile viel über die neue Medizin der Emotionen erlernt, was vielleicht auch mal in naher Zukunft vielen anderen Menschen helfen wird.

Denn eines steht fest: Nur weil wir uns am Boden fühlen, heißt es noch lange nicht, dass wir nicht binnen kürzester Zeit ein Hochgefühl ungeahnten Ausmaßes erleben können. Jeder Mensch hat das Recht und die Möglichkeit, glücklich zu sein – jeder!

Wie planst du deine Zukunft? Was würdest du gerne mal im Fernsehen machen?

Ich lass das einfach auf mich zukommen. Mein Job macht mir unglaublich viel Spaß. Ich weiß aber nicht, was die Zukunft bringt. Ich liebe es, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, Anderen eine Freude zu bereiten und denen zu helfen, die vom Schicksal gebeutelt sind.

Seit Jahren engagiere ich mich zusammen mit anderen Promis beim Obdachlosenfest von Frank Zander, für mich einer der wichtigsten und schönsten Termine des Jahres.

Ich unterstütze aber auch leidenschaftlich gern Gabi Decker, die sich mit ihrer Stiftung um verarmte Rentner und Senioren kümmert. Dazu liegen mir Tiere und der Tierschutz besonders am Herzen. In dem Bereich möchte ich mich in Zukunft noch mehr engagieren.

Eines ist ganz sicher: Langweilig wird mir nie. Dafür ist das Leben einfach viel zu vielfältig und aufregend.

Zum Abschluss noch eine ganz andere Frage. Du bist ein großer Fan vom Dschungel-Camp, das wissen zumindest alle, die dir auf Facebook folgen. Könntest du dir vorstellen, bei der Show als Kandidat mitzumachen?

Das ist eine gute Frage. Seit Jahren veranstalte ich auf meiner Fanseite einen der erfolgreichsten Dschungel-Lästerchats. Zusammen mit Tausenden anderen Zuschauern lästern wir fleißig über die mehr oder weniger bekannten Promis im Camp.

Dabei ist genau diese Frage schon oft aufgekommen. Ich sage ganz klar: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Klar würde ich in den Dschungel gehen. Vorausgesetzt, die Gage stimmt und es gibt kein Lakritz, Fenchel oder Ouzo im Camp, die Sachen finde ich nämlich ekliger als Maden und Co.

Keine Ahnung, ob das die richtige Entscheidung ist, aber Hand aufs Herz: Weniger Unterhaltungswert als die achtplatzierte Bachelor-Kandidatin werde ich wohl nicht haben. Ich brauche kein Botox oder Silikon, um auf mich aufmerksam zu machen. Mir reicht meine Mischung aus einer großen Klappe mit ganz viel Herz und vor allem Authentizität.

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Sie wollen noch mehr über Sascha Lauterbach erfahren? Dann schauen Sie auf seiner Facebook-Seite vorbei: www.facebook.com/dersaschade.

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