13.08.2019

Der einstige DDR-Star im Interview Dagmar Frederic: "Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere!"

Schlagerstar Dagmar Frederic plaudert im Interview mit BILD der FRAU unter anderem über den Eberswalder Zoo.

Foto: imago images / Future Image

Schlagerstar Dagmar Frederic plaudert im Interview mit BILD der FRAU unter anderem über den Eberswalder Zoo.

Dagmar Frederic war DER Show-Star der DDR. Im Interview mit BILD der FRAU plaudert die 74-Jährige über Panther, Politik – und den schönsten deutschen Klein-Zoo, der 90. Geburtstag feiert.

Mit Trubel, Torten und Theater wurde am vergangenen Wochenende im Zoo Eberswalde das 90-jährige Bestehen gefeiert. Mit dabei war natürlich auch das Urgestein des Tierparks: Entertainerin und Tierliebhaberin Dagmar Frederic. Ihr Großvater Bruno Schulz war einst der Gründungsvater dieses Wald-Tierparks nordöstlich von Berlin. Daggi, wie sie von ihren Fans und Freunden liebevoll genannt wird, ist quasi im Tierpark geboren, aufgewachsen und gereift. Selbst ihren ersten Kuss erlebte die Powerstimme aus der ehemaligen DDR hier im Park am Kassenhäuschen.

Schon als Kind merkte die heute 74-Jährige, dass Vierbeiner und Fellnasen ihre wahre Leidenschaft sind. Hatte sie genug vom Kochen für die Familie, ging sie zu den Wildschweinen ans Gehege, weil sie deren "Gestank" so geliebt hat. Dagmar Frederic liebt Tiere und fühlt sich ihnen näher als zu manch einem Menschen. Im Interview mit BILD der FRAU sprach Dagmar Frederic über ihre Kindheit zwischen Rehkitzen und Affen, den traurigsten und schwärzesten Moment im Zoo Eberswalde, außerdem ihre Sorgen und Ängste über die Zukunft.

Interview mit Dagmar Frederic: Ihr Opa hat den Grundstein für den Zoo Eberwalde gelegt

BILD der FRAU: Liebe Daggi, wir kennen uns schon fast ein Jahrzehnt, aber ganz bewusst bin ich heute das erste Mal hier in deinem Zoo in Eberswalde. Du hast mehrfach erwähnt, dass er zum schönsten kleinen Zoo Deutschlands gekürt wurde. Was steckt dahinter?

Dagmar Frederic: Das stimmt tatsächlich. Einmal im Jahr gibt es eine Umfrage vom STERN über die Beliebtheit der deutschen Zoos. Seit nunmehr fünf Jahren werden wir immer wieder zum schönsten kleinen Zoo Deutschlands gewählt. Das macht mich natürlich unglaublich stolz.

Wie und wann hat es hier angefangen?

Es hat im Wildpark angefangen bei meinem Großvater vor 90 Jahren. Da war das hier eine unglaublich große Gaststätte mit 5000 Plätzen und 24 Kellnern an Feiertagen. Hier spielten große Orchester zur Unterhaltung der Besucher.

Als Blickfang für die vielen Gäste gab es eben ein Außengehege mit Rotwild, Schwarzwild und sogar einigen Füchsen, das war Großvaters Hobby.

Ihr habt euch hier alles allein aufgebaut. Doch es ging nicht immer nur voran. Es gab auch herbe Rückschläge. Was war das traurigste Kapitel in der Geschichte eures Zoos?

Naja das war 1945, fünf Tage nach meiner Geburt, da haben die Nazis hier alles angesteckt, Feuer gelegt und alle Tiere erschossen. Das war ein ganz tiefer Einschnitt. Überall lagen tote Tiere, kaum eines hat überlebt. Sie wurden alle ermordet.

Dann kamen auch noch mein Vati und mein Opa in Gefangenschaft, deren beide Frauen führten in unmittelbarer Umgebung ganz allein dann eine Gaststätte weiter.

Etwa 1955 kam die Stadt Eberswalde dann auf meinen Opa und meinen Vater zu, ob sie nicht gemeinsam wieder einen Wildpark aufbauen wollten. Das Projekt nannte sich damals „Nationales Aufbauwerk“. So entstand dann in dem bildlich gesprochen zugewuchterten Urwald ein neuer Wildpark. Vom Gehege bauen bis hin zum Häuser und Futterstationen gestalten – Vati hat sich damals alles autodidaktisch beigebracht.

Später wurde aus dem Heimattierpark auch dank meinem Zureden ein richtiger kleiner Zoo, von Anfang an sogar mit wunderschönen liebevollen Äffchen. Heute gibt es hier eine ziemlich große Artenvielfalt. Sie macht mich und uns stolz, denn wir haben so unglaublich viele Nachzuchten, was immer auch ein Zeichen dafür ist, dass die Tiere sich wohl fühlen.

Das sagt Dagmar Frederic über Zoo-Gegner

Nun gibt es bei euch Tiger, Löwen und Co. Es gibt immer mehr Stimmen, die Tierhaltung in Zoos generell ablehnen. Wie gehst du mit solcher Kritik um?

Ich nehme sie sehr ernst, finde aber auch, dass die Aufklärung, die durch Zoos wie unseren betrieben wird, enorm wichtig ist. Viele, die sich aufregen, haben nicht wirklich Ahnung. Sie haben eine Meinung, aber eben wenig Ahnung. Ich finde es unfassbar wichtig, dass Zoos besser und noch intensiver kontrolliert werden, die Haltungsbedingungen müssen ausnahmslos sehr gut sein.

Aber wir dürfen auch alle nicht den Bildungsauftrag vergessen. Wie viele Kinder – oder auch Erwachsene – würden niemals im Leben solche Tiere sehen? Hier haben sie die Möglichkeit, sie zu erleben und vor allem, das ist uns wichtig, viel darüber zu lernen! Denn Naturschutz setzt Wissen und Respekt voraus. Und das vermitteln wir hier.

Ist der Zoo Eberwalde auch ein Ort, um sich zu bilden? Lernt man hier auch etwas oder schaut man nur zu?

Oh ja. Es gibt hier sehr viele Aufklärungstafeln, Mitmach-Angebote und Informationsinseln. Wir veranstalten viele Schulwanderungen, Führungen durch den Zoo und Erlebnistage – uns geht es darum, Wissen und Verständnis für die Tierwelt zu vermitteln. Wir wollen die Schönheit und die Eigenheit der Tierwelt an die nachkommenden Generationen vermitteln.

Natürlich gibt es auch täglich Live-Fütterungen und viele andere tolle Erlebnisse zum Anschauen und manchmal auch zum Anfassen.

Hättest du damals als Kind gedacht, dass dieser Zoo einmal sein 90-jähriges Bestehen feiern würde?

Ganz ehrlich, wir haben überhaupt nicht an diese fast ein Jahrhundert alte Zukunft gedacht. Ich war einfach nur dankbar, so eine Kindheit inmitten von so vielen Tieren erleben zu dürfen.

Wer als Kind so viel Kontakt zu Tieren hatte, der hat auch seine Einstellung zu den Menschen geprägt. Ich habe mir meine Liebe zu Menschen, die einem auch nicht immer leicht gemacht wird, hier bei den Tieren erworben.

Angst vor Tieren? Kennt die Sängerin nicht

Wer dich kennt, weiß, dass du auch außerhalb dieses Tierparks Tiere über alles liebst. Was bedeuten Vierbeiner und andere Fellnasen für dich?

Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere. Denn die Tiere haben so ein viel besseres soziales Verhalten als manche Menschen. Weißt du, ich habe Rehkitze und Eichkätzchen mit der Flasche großgezogen, auch Rotwild habe ich hochgepäppelt. Man ist einfach anders gepolt, wenn man mit Tieren zusammen ist.

Hat Daggi eigentlich irgendeine Tierphobie?

Nein, natürlich nicht. Ich habe aber ganz viel Respekt. Zum Tiger würde ich meine Hand nie halten, aber eine drei Meter lange Würgeschlange um den Hals oder Baby-Raubkatzen auf dem Arm, das macht mir nichts aus.

Und glaube mir, man hat mich getestet: mir wurden schon Mäuse unter den Rock gehalten, weil sie dachten, ich schreie – aber weit gefehlt!

Das 100-jährige Jubiläum des Zoos im Jahr 2029, wirst du da auch noch singen?

Na aber sehr gern! Ich bin doch erst fast 75 und nicht 95. Ich möchte so lange singen, wie es irgendwie geht.

Ich feiere an meinem 75. Geburtstag am 15. April 2020 mein 60. Bühnenjubiläum. Mein Partner Klaus wird dann auch noch 80. Es wird also ein aufregendes Jahr.

Zur aktuellen Politik: Wir wollen doch einfach in Frieden leben

Was hast du, was habt ihr dann vor?

Wenn die Weltpolitik sich nicht allzu sehr verschlechtert, dann wollen wir im Juni nächsten Jahres nach Moskau und mit dem Zug Richtung Baikalsee fahren.

Warum? Was macht dir Sorge?

Wenn man sich nicht sehr zusammenreißt am Morgen, dann kann man beim Blick in die Nachrichten einfach nur Angst haben. Drei Verrückte, die die ganze Welt durcheinander bringen. Das macht mir Angst.

Dazu kommt noch, dass die Vertreter, die für uns Politik machen sollen, sich nur mit sich selbst beschäftigen. Und da ist keine Partei ausgenommen. Und dass es möglich ist in unserem Land, dass Juden Angst haben müssen, dass so viele Menschen Parteien und Parolen wählen, die schlimme Konsequenzen haben können.

Und wir haben schon so oft erlebt, wenn sie dann erst einmal an der Macht sind, ist alles, was sie vorher versprochen haben, vergessen und umsonst. Viele versprechen große Dinge und wenn sie dann gewählt sind, ist alles anders. Das macht mir wirklich Angst.

Wir wollen alle in Frieden leben, warum ist das so schwer zu verstehen?

Was ist das Schönste, was dir heute gesagt wurde?

Heute war es hier sehr besonders. Es sind sehr viele Besucher und treue Fans auf mich zugekommen. Ein Gast heute hat bei meinem Vati noch gekellnert, einer hat Bauarbeiten verrichtet. Und wenn all diese Menschen auf mich zukommen und sagen: 'Mensch, Sie sind immer noch so ehrlich, aufrichtig und nahbar geblieben', dann bewegt mich das schon sehr. Es macht mich ehrlich gesagt nicht nur stolz, sondern glücklich. Ich war und bin noch nie abgehoben."

Daggi: bleib wie du bist!

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Im Geburtstagsinterview mit Dagmar Frederic hat die Schlagersängerin im vergangenen Jahr verraten, wie sie heute lebt, welche Pläne sie hat und was sie über Angela Merkel und Helene Fischer denkt.

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