06.08.2019

Schauspielerin im Interview Senta Berger: "Ich habe auch Ohrfeigen ausgeteilt"

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Senta Berger: Eine Ikone, die einiges in ihrem beruflichen Leben durchgemacht hat. Jetzt spricht sie über sexuellen Missbrauch und die Stärke, die sie durch ihren Beruf gelernt hat.

Foto: imago images/Sven Simon

Senta Berger: Eine Ikone, die einiges in ihrem beruflichen Leben durchgemacht hat. Jetzt spricht sie über sexuellen Missbrauch und die Stärke, die sie durch ihren Beruf gelernt hat.

Senta Berger ist eine der erfolgreichsten und charismatischsten Schauspielerinnen, eine Ikone ihrer Generation und ein Vorbild auch für viele junge Frauen. Jetzt spricht sie über sexuellen Missbrauch.

Seit über 50 Jahren glücklich verheiratet, hat die Charakterdarstellerin Senta Berger (78) beruflich und privat viel erlebt. Auf ihrem Weg nach Hollywood gehörte auch sexueller Missbrauch dazu. Senta Berger berichtet, wie sie damit umgegangen ist und wie sie sich dagegen wehrte.

Senta Bergers Erfolgsgeheimnis: Disziplin und Rückgrat

Senta Berger ist eine Powerfrau, das war sie schon immer. Sie stand früh auf eigenen Beinen und lernte schon in der Schauspielschule, worauf es ankommt, wenn man in diesem Beruf bestehen will. Manchmal auch auf die harte Weise, wie sie sich erinnert: "Ich hab mein Leben sehr früh gestaltet. Die Disziplin, die du am Theater lernst – ob du willst oder nicht: Du lernst sie, oder du fliegst da raus – das ist mein Korsett, mein Rückgrat auch heute noch", erzählte sie "Bunte".

Die schöne Schauspielerin ist seit 1966 mit dem Regisseur Michael Verhoeven (81) verheiratet. Kürzlich gestand er in einem Interview: "Das ist auch wirklich ein Glücksfall, wenn man jemanden kennenlernt und sich verliebt". Sein Rezept für eine glückliche Ehe? "Ich habe mir gar nicht so viel vorgenommen, sondern es vielmehr gefunden."

Selbstsicherheit ist überlebensnotwendig

Die Liebe zu ihrem Mann und ihr Beruf haben sie gestärkt. Eine überlebenswichtige Kraft, die sie zeitlebens brauchte, wie sie selbst sagt. Sie hat in ihrer Karriere viele Facetten des sexuellen Missbrauchs zu spüren bekommen, konnte sich in einigen Fällen erfolgreich zur Wehr setzen, und ist später auch offen damit umgegangen. Jahre vor der #MeToo-Debatte hat sie in ihrem Buch "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann" das Thema enttabuisiert – und sogar bekannte Namen genannt.

Für die Amerikaner eine Sexbombe

In Hollywood war sie in jungen Jahren das "deutsche Fräuleinwunder", frei übersetzt sollte sie dort als Sexbombe über die Leinwand flimmern. Sie kam auch in bedrohliche Situationen, ihr Humor konnte die Wienerin wie sie sagte "ein Leben lang retten".

Sie gesteht, dass sie seltsamerweise nicht immer die gesunde Distanz wahren konnte: "Daraus erwächst manchmal eine Empathie für den anderen, auch wenn der dich gequält hat: Woher kommt denn das? Die Ursache hat mich immer schon mehr interessiert als das, was passiert ist."

"Ich habe auch Ohrfeigen ausgeteilt"

Ihr Fazit: "Aber meist geht es nicht um erniedrigende Sexualität, sondern darum, wie schlecht man Leute behandelt. Es geht immer um Macht, um Missbrauch von Macht, um Abhängigkeit – wie in jedem Beruf. Wenn du schlecht behandelt wirst, dann musst du dich wehren. Ich habe auch Ohrfeigen ausgeteilt.“ Wie bitte? Die Grande Dame des Fernsehens wurde handgreiflich?

Einem Wiener Regisseur hatte die junge Schauspielerin damals sehr deutlich gemacht, wann der spaßige Flirt vorbei ist: "Da dreht man sich um und haut ihm eine rein! Ich bin kräftig! Der war sehr erstaunt – und hat gelacht! Ich finde Flirten wunderbar, aber man muss wissen, wo es aufhört und wo die Grobheit anfängt."

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Vor wenigen Monaten hat Senta Berger sich Gedanken über das liebe Geld gemacht – hier mehr erfahren. Und lesen Sie hier: Nach #MeToo: Was wurde aus Harvey Weinstein und Co.?

Mehr Wissenswertes über Ihre Lieblingschauspieler finden Sie auf unserer Themenseite TV-Sendungen.

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