01.08.2019

Band setzt Zeichen auf aktueller Tour Rammstein: Wie sich die deutsche Rockband gerade politisiert

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Till Lindemann beim Konzert seiner Band Rammstein in Berlin

Foto: imago images / Christian Thiel

Till Lindemann beim Konzert seiner Band Rammstein in Berlin

Am 13. Juli ging in der Frankfurter Commerzbank-Arena das letzte Deutschland-Konzert ihrer ausgedehnten Stadion-Tour über die Bühne. Und wie so oft feuerten Rammstein ein Pyro-Spektakel der feinsten Sorte ab, garniert mit gewohnt harten Gitarren-Riffs und der unnachahmlichen Stimme von Frontmann Till Lindemann (56). Auch die obligatorische Schlauchboot-Fahrt über die Köpfe der Zuschauer hinweg - ein seit vielen Jahren festes Ritual jeder Rammstein-Show - war eigentlich wie immer. Wäre da nicht ein kleines Detail gewesen: Lindemann wartete mit einem "Willkommen"-Schild in der Hand auf die Rückkehr seiner Bandmitglieder auf der Bühne. Mehr als nur ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Eine solch klare Positionierung zur Debatte um politische Themen haben sich Rammstein bislang in der Öffentlichkeit meist verkniffen, wenn dann nur verklausuliert zum Besten gegeben und in Songtexten oder Video-Sequenzen versteckt. Doch dabei scheint es nicht zu bleiben. Frankfurt war offensichtlich nur der Aufgalopp einer politischeren Zukunft der Band: Auf Instagram veröffentlichte Schlagzeuger Christoph Schneider (53) vor Kurzem ein Bild, das ihn mit einer Regenbogenfahne im besagten Gummiboot zeigt. Dazu schrieb er: "Gleiche Rechte für alle."

"Gleiche Rechte für alle"

Am 24. Juli traten die Rocker im polnischen Chorzów auf und zeigten mit dem Schwenken der Fahne, dass sie die Augen vor der schwierigen Lage der LGBTQ-Community in Polen und den aktuellen Geschehnissen rund um die Christopher-Street-Day-Parade im ostpolnischen Bialystok nicht verschließen. Dort wetterten Hooligans laut des Onlinemagazins "Telepolis" gegen die "Degenerierten", die katholische Kirche sprach von "Sodom und Gomorrha" und der Chef der Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski (70), ließ am 14. Juli verlauten, dass man sich nicht dem Westen anpassen müsse: "Wir müssen uns nicht unter die Regenbogenfahne stellen." Das hatte bei Rammstein das Fass wohl zum Überlaufen gebracht.

"Russland, wir lieben Dich!"

Wer jetzt allerdings dachte, die Band würde es dabei bewenden lassen, lag falsch. Im Moskauer Luschniki-Stadion provozierten Rammstein weiter - mit einem simplen Kuss. Beim Song "Ausländer" küssten sich die beiden Gitarristen Richard Z. Kruspe (52) und Paul Landers (54) auf den Mund: eine mehr als deutliche Kritik an den strengen russischen LGBTQ-Gesetzen. Den Kuss veröffentlichten Rammstein auch auf Instagram und schrieben dazu: "Russland, wir lieben Dich!".

Musikalisch schon lange eindeutig

Rein musikalisch haben sich Rammstein schon häufiger deutlich positioniert. Nachdem man 2001 mit "Links 2 3 4" den anhaltenden Unkenrufen, die Berliner seien eine Nazi-Band, den Garaus machte, veröffentlichten sie auf "Rosenrot" (2005) beispielsweise den Kracher "Mann gegen Mann", indem es unter anderem heißt: "Meine Haut gehört den Herren, Gleich und Gleich gesellt sich gern. Doch friert mein Herz an manchen Tagen, kalte Zungen, die da schlagen: Schwule, aaaaah."

Auf dem aktuellen Album "Rammstein" (2019) sind sogar mehrere Songs enthalten, die politischen Inhalt haben. "Deutschland" sinniert über die deutsche Geschichte und das schwierige Verhältnis der Deutschen zu ihrer Nation. Im Video zu "Ausländer" hingegen fahren Rammstein als kolonialzeitlich gekleidete Herren mit einem Boot an eine fremde Küste, wo sie sich einige Zeit mit den dort wohnenden Völkern vergnügen. Aber wie einst das deutsche Kaiserreich, betrachten sie die Einheimischen nicht als gleichwertig, sondern als sehenswerte Exoten.

Die Zukunft wird zeigen, ob Rammstein wirklich neue, politische Wege einschlagen, oder ob es bei vereinzelten Aktionen wie in Frankfurt, Polen und Russland bleiben wird.

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