21.06.2019

Interview zur 25. Obdachlosen-Weihnachtsfeier Frank Zander: "Es ist traurig, dass so eine Feier überhaupt so nötig ist"

Bereits zum 25. Mal veranstaltet Frank Zander die Obdachlosen-Weihnachtsfeier in Berlin. Im Interview mit BILD der FRAU spricht er über das ganz besondere Event.

Foto: Oliver Walterscheid/Zett Records GmbH

Bereits zum 25. Mal veranstaltet Frank Zander die Obdachlosen-Weihnachtsfeier in Berlin. Im Interview mit BILD der FRAU spricht er über das ganz besondere Event.

Frank Zander hat ein sehr großes Herz. Der Musiker veranstaltet seit 25 Jahren die Obdachlosen-Weihnachtsfeier in Berlin.

Fank Zander feiert Jubliäum. In diesem Jahr findet bereits zum 25. Mal die Obdachlosen-Weihnachtsfeier statt. Bereits jetzt sammelt der Musiker Spenden ein, damit das Fest wieder zu einem unvergessenen Erlebnis für die rund 3000 Gäste wird, die sonst auf Berlins Straßen leben. Die Feier findet in diesem Jahr am 20. Dezember im Estrel Berlin statt. BILD der FRAU hat mit Frank Zander über dieses tolle und vor allem wichtige Event gesprochen.

Herr Zander, in diesem Jahr findet bereits zum 25. Mal findet die Obdachlosen-Weihnachtsfeier statt. Welche Gefühle kommen dabei bei Ihnen auf?

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, sind es gemischte Gefühle. Auf der einen Seite freue ich mich über den großen Zuspruch an Helfern, Spendern, Künstlern, Medien und Sponsoren, dem Vertrauen, das uns die Gäste entgegenbringen und die nicht selbstverständliche Zusage von der Geschäftsleitung des Estrel Hotels, dass wir dieses Fest wieder veranstalten dürfen, auf der anderen Seite ist es traurig, dass so eine Feier überhaupt so nötig ist.

Für die meisten der obdachlosen und bedürftigen Menschen ist unsere Feier einer der wichtigsten Tage im Jahr, denn sie sind eingeladen und stehen, anders als sonst im Jahr, bei uns im Mittelpunkt. Obwohl wir dieses besondere Fest schon seit 1995 veranstalten, ist es doch jedes Jahr auf’s Neue aufregend, denn wir sind angewiesen auf die Spenden von großen Firmen und Privatpersonen und fangen quasi immer bei Null an. Die einzigen festen Partner neben meiner Familie und meinem Musikverlag sind das Estrel Berlin und das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg. Über diese langjährige Zusammenarbeit bin ich wirklich sehr stolz und glücklich.

Was bedeutet Ihnen das Fest?

Die Feier und die lange Vorbereitungszeit sind Teil meines Lebens geworden und natürlich damit auch Teil des Lebens meiner Familie. Die wahre Bedeutung und die Tragweite wird mir auch im Laufe des Jahres immer klarer, denn ich werde – egal ob ich in München, Köln, Dresden oder Rostock bin, immer auf die Weihnachtsfeier angesprochen. Manchmal stecken mir Menschen einfach so 20 Euro zu und sagen – hier für Deine Feier, Du machst das super! Das Vertrauen macht mich stolz…

Ich muss auch immer mal betonen, dass wir keine Stiftung haben, die evtl. steuerliche Begünstigungen hergibt. Nein, bei unserer Art des Spendensammelns geht alles auf direktem Wege als Sach- oder Geldspende zur Veranstaltung. Viele Firmen bringen die Spenden persönlich und können vor Ort sehen, wie sie verteilt werden. Das Spendenkonto führt die Bank für Kirche und Diakonie und die Gelder werden vom Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (wat n Wort...) verwaltet. Alles ganz gerade und ohne Umwege, dafür stehe ich mit meinem Namen.

Warum engagieren Sie sich gerade für Obdachlose?

Es ist ein Fest für die Ärmsten der Armen und es fühlt sich einfach richtig an, diese Menschen einzuladen und ihnen ein Gefühl der Würde zu vermitteln, denn mir und meiner Familie geht es gut, wir haben Glück gehabt im Leben und wollen etwas zurückgeben. Das Vertrauen der Leute und die Dankbarkeit in den Augen sind für mich, meine Familie und das ganze Team genug Motivation und Ansporn, die lange und anstrengende Phase der Vorbereitungen auf uns zu nehmen.

Ich glaube, unser Fest ist deshalb so beliebt, weil wir den Menschen absolut ehrlich und nahbar begegnen, ohne Vorurteile, janz jrade raus, wie der Berliner sagt! Bei uns kann jeder mithelfen und Spenden werden ohne Umwege direkt vor Ort verteilt. Bleiben Geschenke oder Spenden übrig, werden diese von uns am Tag nach der Veranstaltung an andere Einrichtungen geliefert.

Wie hat sich die Feier im Laufe der Jahre verändert?

In den ersten Jahren, als wir im Schloß Diedersdorf mit ca. 150 Gästen gefeiert haben und in das Haus der Kulturen der Welt und dann ins BCC Hotel gezogen sind, ist die Anzahl der Gäste noch jährlich gewachsen. Vor ca. 20 Jahren dann sind wir in den "kleinen" Saal vom Estrel Hotel gezogen, um dann kurz darauf im riesigen Estrel-Convention Center Saal feiern zu dürfen. Die Kapazitätsgrenze von ca. 3.000 Gästen, die wir jährlich bewirten, ist nun allerdings erreicht. Auf Deutsch – mehr jeht nich!

Welchen Promi hätten Sie gerne einmal dabei?

Na, wenn ich mir was wünschen dürfte, dann Phil Collins, der mich mit seinem Song „Another day in Paradise“ sehr berührt und beeindruckt hat oder natürlich den Boss „Bruce Springsteen“, der uns seinerzeit inspiriert hat, diese Feier überhaupt ins Leben zu rufen. Da ich aber bei keiner der Major Plattenfirmen unter Vertrag stehe, ist es nicht so einfach, an die ganz Großen heranzukommen. Aber man weiß ja nie…

Und hey, wen hatten wir nicht schon alles bei uns in den letzten Jahren auf der Bühne – das war schon irre: David Garret, Revolverheld, Peter Fox, Seeed, Nina Hagen, Semino Rossi, die Blue Man Group, Jeanette Biedermann, Mary Roos, Silly, City, Karat und viele andere Künstler. Alle sind kostenlos aufgetreten, alle haben gekellnert, um den Ärmsten der Armen ein paar schöne Stunden zu bereiten…

Viele Menschen sind unsicher, was den Umgang mit Obdachlosen angeht. Haben Sie einen Rat?

Da gibt es aus meiner Sicht kein Pauschalrezept, nur einen Tipp: Einfach dem ersten Impuls des Herzens folgen, ohne Mitleid, aber mit Mitgefühl!

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Erfahren Sie hier, wie die Weihnachtsfeier für die Obdachlosen im verganenen Jahr war. Und hier gibt's Tipps wie Sie Spenden richtig von der Steuer absetzen können.

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